Der Ort der Anbetung Gottes

Sichem (Garizim) – Bethel – Schilo – Jerusalem – Mekka – ?

Jeden Tag beugen sich Millionen von Muslimen im Gebet Richtung Mekka, und jeder Muslim will in Erfüllung seiner religiösen Pflicht wenigstens einmal in seinem Leben diesen Ort im Rahmen der Hadsch aufsuchen. Auch zahlreiche Menschen, die sich Christen nennen, suchen jedes Jahr im Rahmen von Wallfahrten verschiedenste Orte auf, die sie als heilige Orte bezeichnen, an denen sie meinen, Gott besonders nahe zu sein.

Wir wollen uns in dieser Abhandlung anschauen, was Gott im Laufe der Geschichte durch seine Propheten über den Ort der Anbetung geoffenbart hat. Zuerst wollen wir einen kurzen geschichtlichen Überblick über die Zeit von Abraham bis Mohammed geben. Anschließend wollen wir ausgehend vom Wesen Gottes und seinen heiligen Schriften noch weitere Gedanken dazu sammeln.

Von Abraham bis Mohammed

1 Abraham

Die Thora erzählt uns, dass Abraham, dem Ruf Gottes Folge leistend, von Mesopotamien nach Kanaan zog, mit der Verheißung Gottes:

“… und in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde.” (Genesis 12,3)

In Kanaan erschien Gott dem Abraham zuerst in Sichem, wo ihm Abraham einen Altar baute (Genesis 12,6-7). Anschließend zog Abraham weiter nach Bethel. Auch dort baute Abraham dem Herrn einen Altar und rief seinen Namen an (Genesis 12,8). Später verehrte Abraham Gott in derselben Weise bei Hebron (Genesis 13,18), wo ihm der Herr auch später erschien (Genesis 18,1). Nach der Geburt Isaaks pflanzte Abraham eine Tamariske in Beerscheba und rief dort den Namen des Herrn an (Genesis 21,33). Das Opfer Abrahams im Lande Morija (Genesis 22,1-19) wird in 2 Chronik 3,1 mit dem Berg gleichgesetzt, auf dem Salomo in Jerusalem den Tempel gebaut hat.

In Sure 2,125-130 spricht auch der Koran von einem Heiligtum, das Abraham gemeinsam mit seinem Sohn Ismael erbaut hat:

“Und als Wir das Haus zu einem Versammlungsort für die Menschen und zu einer sicheren Stätte machten: “Nehmt euch die Stätte Abrahams zu einem Gebetsort.” Und Wir erlegten Abraham und Ismael auf: “Reinigt mein Haus für diejenigen, die den Umlauf vollziehen und die eine Einkehrzeit einlegen und die sich verneigen und niederwerfen.” 126 Und als Abraham sagte: “Mein Herr, mach dieses zu einem sicheren Gebiet und beschere seinen Bewohnern Früchte, denen von ihnen, die an Gott und den Jüngsten Tag glauben.” Er sprach: “Und wer nicht glaubt, den lasse Ich ein wenig genießen, alsdann zwinge Ich ihn in die Pein des Feuers – welch schlimmes Ende!” 127 Und als Abraham dabei war, vom Haus die Fundamente hochzuziehen, (er) und Ismael. (Sie beteten:) “Unser Herr, nimm es von uns an. Du bist der, der alles hört und weiß. 128 Unser Herr, mache uns beide Dir ergeben und (mache) aus unserer Nachkommenschaft eine Gemeinschaft, die Dir ergeben ist. Und zeige uns unsere Riten, und wende Dich uns gnädig zu. Du bist der, der sich gnädig zuwendet, der Barmherzige. 129 Unser Herr, lass unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte erstehen, der ihnen deine Zeichen verliest und sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert. Du bist der Mächtige, der Weise” 130 Und wer verschmäht die Glaubensrichtung Abrahams außer dem, der seine Seele geringschätzt? Wir haben ihn ja im Diesseits auserwählt. Und im Jenseits gehört er zu den Rechtschaffenen.”

Im Koran wird dieser Ort der “Stätte Abrahams” nicht näher bezeichnet. Sure 3,96 lokalisiert dieses Heiligtum in “Bakka”, einem unbekannten Ort, der von der Überlieferung mit Mekka gleichgesetzt wird1.

So finden wir bereits bei Abraham fast alle Orte, die später als Heiligtum dienten, erwähnt: in der Bibel Sichem, Bethel, Beerscheba, Hebron, Jerusalem, im Koran Mekka.

2 Isaak, Jakob und die Frühzeit des Volkes Israel

Über Isaak erfahren wir, dass er wie sein Vater Abraham den Herrn in Beerscheba angebetet hat (Genesis 26,24-25). Isaaks Sohn Jakob betete Gott in Bethel (Genesis 28,11-22; 35,1-15) und in Sichem (Genesis 33,18-20) an.

Später, als das Volk Israel in Ägypten versklavt war, erschien Gott dem Mose am Horeb oder Berg Sinai (Exodus 3,1-15). Dort schloss Gott auch seinen Bund mit dem Volk Israel und gab ihm durch Mose seine Gesetze (Exodus 19-24). Dieser Ort diente aber nicht als Heiligtum. Während der vierzig Jahre in der Wüste hatte das Volk Israel ein Zeltheiligtum, das sie an jedem Ort ihrer Wanderung aufstellten. In den Kapiteln 25-31 des Buches Exodus wird die Errichtung dieses Heiligtums detailliert geschildert.

Nachdem das Volk Israel im Land Kanaan sesshaft wurde, gab es nicht nur einen Ort der Anbetung. Wir finden verschiedene Orte erwähnt: Sichem (Josua 24,1-28), Bochim (Richter 2,5), Ofra (Richter 6,24), Schilo (1 Samuel 1,3), Bethel, Gilgal, Mizpa, Rama (1 Samuel 7,16-17), Gibeon (1 Könige 3,2-4).

3 David, Salomo und der Tempel

Als David König war, zeigte ihm Gott die Tenne des Arauna in Jerusalem als Platz, wo er ihm opfern sollte (2 Samuel 24,18-25). Sein Sohn Salomo erbaute Gott an diesem Ort den Tempel (1 Könige 6-8), der hinfort zum einzigen Heiligtum des Volkes Israel wurde. Selbst als der Tempel durch Nebukadnezzar zerstört wurde, blieb Jerusalem das Zentrum der Anbetung Gottes. In Daniel 6,11 lesen wir über den Propheten Daniel:

“Und als Daniel erfuhr, dass das Schriftstück ausgefertigt war, ging er in sein Haus. Er hatte aber in seinem Obergemach offene Fenster nach Jerusalem hin; und dreimal am Tag kniete er auf seine Knie nieder, betete und pries vor seinem Gott, wie er es auch vorher getan hatte.”

Nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil wurde bestärkt durch die Initiative der Propheten Haggai und Sacharja der Tempel in Jerusalem wieder aufgebaut (Esra 5-6; Haggai 1-2).

4 Jesus

So blieb die Situation bis zum Kommen Jesu. Maria, die Mutter Jesu, brachte ihren erstgeborenen Sohn in den Tempel nach Jerusalem, um dort ein Opfer darzubringen. Auch Jesus hat den Tempel in Jerusalem akzeptiert und hat in seinem Eifer für Gott die Menschen, die diesen Ort für ihre Geschäfte verwendet haben, aus dem Tempel vertrieben:

“Und er fand im Tempel die Ochsen-, Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler sitzen. 15 Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, auch die Schafe und die Ochsen; und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; 16 und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmt dies weg von hier, macht nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus! 17 Seine Jünger gedachten daran, dass geschrieben steht: “Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.” (Johannes 2,14-17)

Aber Jesus kündigte auch die Zerstörung des Tempels an.

“Und als er aus dem Tempel heraustrat, sagt einer seiner Jünger zu ihm: Lehrer, sieh, was für Steine und was für Gebäude! 2 Und Jesus sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Hier wird nicht ein Stein auf dem anderen gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.” (Markus 13,1-2)

In der Anfangszeit seines öffentlichen Wirkens führte Jesus mit einer samaritischen Frau ein Gespräch über den Ort der Anbetung:

“Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist. 20 Unsere Väter haben auf diesem Berg angebetet, und ihr sagt, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse. 21 Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. 22 Ihr betet an, was ihr nicht kennt; wir beten an, was wir kennen, denn das Heil ist aus den Juden. 23 Es kommt aber die Stunde und ist jetzt, da die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. 24 Gott ist Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten. 25 Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, der Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. 26 Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet.” (Johannes 4,19-26)

Ein wichtiger Unterschied zwischen den Samaritern und den Juden bestand in der Frage nach dem Ort der Anbetung. Während die Juden den Tempel in Jerusalem als den einzigen Ort der Anbetung Gottes sahen, betrachteten die Samariter den Berg Garizim bei Sichem als den Ort, den sich Gott erwählt hatte.

Jesus bezieht einerseits klar Position für den jüdischen Standpunkt (Vers 22), weist andererseits aber darauf hin, dass das nur vorläufig so sein wird. Er spricht davon, dass die Stunde kommt, und schon da ist, in der die wahren Anbeter Gott in Geist und Wahrheit anbeten werden, dass also die Frage des Ortes keine Bedeutung mehr haben wird.

Vierzig Jahre nachdem Gott Jesus zu sich erhöht hatte, wurde der Tempel in Jerusalem von den Römern zerstört und wurde seither nicht mehr aufgebaut. Die prophetischen Worte Jesu haben sich erfüllt.

5 Die Jünger Jesu und die Kirche

Die Jünger Jesu haben nach der Erhöhung Jesu auch keinerlei Versuch unternommen, ein neues Heiligtum zu bauen. In den ersten Jahren, als sie in Jerusalem waren, haben sie sich auch im Tempel versammelt (Apostelgeschichte 2,46a), aber hauptsächlich haben sie Gott dort angebetet, wo sie gelebt haben, in ihren Häusern. Die Anbetung Gottes war nicht örtlich von ihrem Leben getrennt. Ihr ganzes Leben nach den Geboten Gottes war die Anbetung Gottes:

“Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. 2 Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.” (Römer 12,1-2)

Für die Jünger Jesu war das Heiligtum Gottes nicht ein Gebäude aus Stein, sondern die Gemeinde der Gläubigen:

“Ihr seid aufgebaut auf der Grundlage der Apostel und Propheten, wobei Christus Jesus selbst Eckstein ist. 21 In ihm zusammengefügt, wächst der ganze Bau zu einem heiligen Tempel im Herrn, 22 und in ihm werdet auch ihr mit aufgebaut zu einer Behausung Gottes im Geist.” (Epheser 3,20-22)

“Zu ihm kommend als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, 5 lasst euch auch selbst als lebendige Steine aufbauen, als ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Schlachtopfer darzubringen, Gott hochwillkommen durch Jesus Christus!” (1 Petrus 2,4-5)

Nach dem Kommen Jesu gab es also kein örtlich lokalisierbares Heiligtum Gottes mehr. So wie Abraham, überall wohin er zog, Gott anbetete, so beten die Jünger Jesu überall, wo sie leben, Gott im Geist und in der Wahrheit in einem heiligen Leben an.

Aus der Schrift “Octavius” von Minucius Felix aus dem späten zweiten Jahrhundert nach Christus wissen wir, dass Christen damals keine Altäre und Heiligtümer hatten. Die Heiden warfen den Christen vor:

“Weshalb sonst hätten sie keine Altäre, keine Tempel, keine bekannten Götterbilder; warum reden sie nicht öffentlich, versammeln sich niemals ungescheut? Weil eben der Gegenstand ihrer Verehrung und Verheimlichung strafbar oder schändlich ist. … Doch welche Ungeheuerlichkeiten und Missgestalten schafft erst die Fantasie der Christen! Ihren Gott kann man weder zeigen noch sehen und doch soll er die Sitten, Handlungen, Worte, ja sogar die geheimen Gedanken aller genau erforschen. Er muss also bald dahin bald dorthin eilen und überall gegenwärtig sein. So machen sie aus ihm einen Plage- und Wandergeist, der zudem unverschämt neugierig ist, wenn er wirklich bei allen Handlungen zugegen sein soll und allerorts umherschweift. Und doch kann er sich weder mit den einzelnen Dingen abgeben, wenn er auf das Ganze seine Tätigkeit ausdehnt, noch dem Ganzen genügen, wenn er sich in das Einzelne verliert.” (Minucius Felix, Octavius X)

Die christliche Antwort darauf::

“Glaubt ihr aber, wir halten den Gegenstand unserer Verehrung geheim, wenn wir keine Tempel und Altäre haben? Welches Bild soll ich für Gott ersinnen, da doch im Grunde genommen der Mensch selbst Gottes Ebenbild ist? Welchen Tempel soll ich ihm bauen, da diese ganze Welt, das Werk seiner Hände, ihn nicht zu fassen vermag?” (Minucius Felix, Octavius XXXII)

Erst als sich die, die sich Christen nannten, immer mehr von Jesus abwandten, wurde mit dem Bau eigener christlicher Kultbauten begonnen. So kommt es, dass es auch heute zahlreiche “christliche Heiligtümer” gibt. Diese Bauwerke sind aber im Ungehorsam gegenüber dem Wort Gottes gebaut worden und widersprechen dem durch Jesus offenbarten Willen Gottes.

6 Mohammed

Als ungefähr sechshundert Jahre nach Jesus Mohammed auftrat, knüpfte er mit seiner Botschaft nicht an das an, was Gott durch Jesus herabgesandt hat, sondern setzte die Tradition des Volkes Israel fort, indem er zuerst Jerusalem zum Ort der Anbetung machte. Im zweiten Jahr nach der Auswanderung von Mekka nach Medina änderte Mohammed nach islamischer Tradition die Gebetsrichtung nach Mekka.

Koranisch begründet wird das durch Sure 2,144:

“Wir sehen, wie du dein Gesicht zum Himmel hin und her richtest. So werden Wir dir eine Gebetsrichtung festlegen, mit der du zufrieden sein wirst. Wende also dein Gesicht in Richtung der heiligen Moschee. Und wo immer ihr seid, wendet euer Gesicht in ihre Richtung. Diejenigen, denen das Buch zugekommen ist, wissen bestimmt, dass es die Wahrheit von ihrem Herrn ist. Gott lässt nicht unbeachtet, was sie tun.”

Obwohl hier der Ort des Heiligtums nicht genannt wird, sind sich Sunniten und Schiiten einig, dass hier die Kaaba in Mekka gemeint ist. Nach dem Einzug Mohammeds in Mekka und der Reinigung der Kaaba von den Götzen wurde Mekka für die Muslime endgültig zum Heiligtum, zu dem hin sich alle Muslime im Gebet beugen.

Beachtenswert allerdings ist die Aussage in Sure 2,115:

“Gottes ist der Osten und der Westen. Wohin ihr euch auch wenden möget, dort ist das Antlitz Gottes. Gott umfasst und weiß alles.”

Manche vermuten, dass dieser Vers aus der Zeit stammt, in der nicht mehr nach Jerusalem und noch nicht nach Mekka gebetet wurde. Wir können hier noch eine Spur der Lehre Jesu vermuten, die aber ohne Auswirkung auf die islamische Praxis blieb.

Weiterführende Gedanken

Dieser Überblick hat gezeigt, dass es in der Geschichte eine Entwicklung gab, von vielen Heiligtümern zur Zeit der Patriarchen und der frühen Geschichte des Volkes Israel, hin zu einem einzigen Heiligtum, dem Tempel in Jerusalem. Durch diese Zentralisierung des Kultes an einen Ort sollte die Einheit und Einzigkeit Gottes ausgedrückt werden. Sie wurde im Gesetz des Mose geboten:

“Hüte dich, dass du ja nicht deine Brandopfer an jeder Stätte opferst, die du siehst! 14 Sondern an der Stätte, die der HERR in einem deiner Stämme erwählen wird, dort sollst du deine Brandopfer opfern, und dort sollst du alles tun, was ich dir gebiete.” (Deuteronomium 12,13-14)

Jesus hat dieses Heiligtum nicht abgelehnt, aber auf dessen baldiges Ende hingewiesen und von einer Zeit gesprochen, die kein sichtbares Heiligtum mehr kennt, weil Gott Geist ist und im Geist und in der Wahrheit verehrt werden will. Die Jünger Jesu haben das auch verstanden und haben kein sichtbares Heiligtum gehabt.

Mohammed und der Islam sind teilweise2 wieder zu der Zeit vor Jesus zurückgekehrt und halten ein irdisches Heiligtum für notwendig und von Gott geboten.

Für uns stellt sich nun die Frage, ob die Erkenntnis, die Jesus in seinem oben zitierten Gespräch mit der Samariterin hatte, nicht von Gott war, dass es nicht richtig ist, dass Gott im Geist und in der Wahrheit angebetet werden will, und ob es deshalb notwendig war, dass Gott einen weiteren Propheten sandte, der die Gläubigen wieder zur “vorjesuanischen” Wahrheit führen musste, nämlich, dass wir einen heiligen Ort der Anbetung brauchen.

Demgegenüber ist festzuhalten, dass wir im Koran keinerlei Kritik an Jesus finden. Auch ist ganz offensichtlich, dass sich die prophetischen Worte Jesu über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem vierzig Jahre, nachdem Jesus sie gesprochen hatte, erfüllt haben. Es ist auch nicht möglich, zu sagen, dass die Worte Jesu über die Anbetung Gottes in Geist und Wahrheit eine spätere Erfindung waren, da die geschichtliche Tatsache, dass die ersten Christen keine sichtbaren Heiligtümer hatten, und auch nicht die Absicht hatten, welche zu bauen, ganz klar für die Echtheit dieser Worte Jesu spricht.

Auch die Heiligen Schriften vor Jesus weisen darauf hin, dass Gott kein Heiligtum braucht.

So sagte Salomo bei der Einweihung des Tempels in Jerusalem:

“Ja, sollte Gott wirklich auf der Erde wohnen? Siehe, der Himmel und die Himmel der Himmel können dich nicht fassen; wie viel weniger dieses Haus, das ich gebaut habe!” (1 Könige 8,27)

Und im Buche des Propheten Jesaja lesen wir:

“So spricht der HERR: Der Himmel ist mein Thron und die Erde der Schemel meiner Füße. Wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo denn der Ort meines Ruhesitzes? 2 Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und alles dies ist geworden, spricht der HERR. Aber auf den will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist und der da zittert vor meinem Wort.” (Jesaja 66,1-2)

Gott hat also schon in der Zeit vor Jesus, als es ein Heiligtum gab, die Gläubigen darauf aufmerksam gemacht, dass Gott kein Haus braucht, und dadurch auch auf die Zeit vorbereiten wollen, in der es kein Heiligtum mehr geben wird.

Das Argument Jesu war, dass Gott Geist ist. Weil Gott Geist ist, ist er an keinen Ort in dieser materiellen Welt gebunden. Wir nahen uns Gott nicht dadurch, dass wir uns an einen besonderen Ort begeben, sondern dadurch, dass wir ihn Herr sein lassen in unserem Leben. Was uns von Gott trennt, ist nicht eine örtliche Distanz, die wir durch eine Wallfahrt überwinden können. Was uns von Gott trennt, sind unsere Sünden, wie wir es auch im Buch des Propheten Jesaja lesen:

“Siehe, die Hand des HERRN ist nicht zu kurz, um zu retten, und sein Ohr nicht zu schwer, um zu hören; 2 sondern eure Vergehen sind es, die eine Scheidung gemacht haben zwischen euch und eurem Gott, und eure Sünden haben sein Angesicht vor euch verhüllt, dass er nicht hört.” (Jesaja 59,1-2)

Weiter heißt es im selben Buch:

“Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.” (Jesaja 57,15)

Der Hohe und Erhabene wohnt bei denen, die zerschlagenen und gebeugten Geistes sind, bei denen, die sich ihrer Sündhaftigkeit und Schuld bewusst sind, die ihre Sünden bereuen und Hilfe nur noch von Gott erwarten.

Zu einem sichtbaren Heiligtum mit Opfern und Pilgerfahrten kann man auch ziehen, ohne sich von seinen Sünden zu reinigen. So ein Heiligtum ist auch immer in Gefahr, von Menschen zur Erfüllung ihrer wirtschaftlichen Interessen missbraucht zu werden. Das war zur Zeit Jesu so, als Jesus die Kaufleute aus dem Tempel vertrieben hat. Das finden wir auch heute in den verschiedenen “christlichen” Heiligtümern und Wallfahrtsorten. Auch für die Stadt Mekka sind die Pilger die Haupteinkommensquelle. All das kann nicht geschehen, wenn wir der durch Jesus offenbarten Wahrheit folgen.

Letztlich bereitet uns die Anbetung Gottes im Geist und in der Wahrheit auf unseren ewigen Dienst an Gott in der himmlischen Herrlichkeit vor. Der Prophet Johannes durfte das himmlische Jerusalem schauen:

“Und ich sah keinen Tempel in ihr, denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm.” (Offenbarung 21,22)

Diese ewige Wirklichkeit beginnt schon jetzt im Leben derer, die Jesus folgen, die den Allmächtigen in ihrem täglichen Leben in Heiligkeit dienen. Sie bauen dadurch das geistliche Haus Gottes, die Gemeinde,

“… denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr.” (1 Korinther 3,17b)

Zu diesem Dienst im wahren, heiligen Tempel Gottes laden wir ein.


  1. Eine Außenseitermeinung vertritt Christoph Luxenberg, der “Bakka” nicht für einen Ortsnamen hält und folgende Übersetzung vorschlägt: “Das erste Heiligtum, das für die Menschen errichtet wurde, ist dasjenige, das er umzäunt hat als heiligen (Bezirk) und rechte Leitung für die Menschen.” Christoph Luxenberg, Die syro-aramäische Lesart des Koran, 3. Auflage 2007, 338, Fußnote 359 
  2. Die im Tempel von Jerusalem üblichen regelmäßigen Tieropfer wurden nicht wieder eingeführt. 

Das Wort Gottes kann nicht abgeändert werden

Koranstellen zum Thema “Verfälschung der Bibel”

Im Gespräch mit Muslimen begegnen wir immer wieder der Ansicht, die Bibel, wie sie heute existiert, sei verfälscht worden. Darum wollen wir das anhand von Aussagen des Koran prüfen. Wir Christen sind – unabhängig vom Koran – aus verschiedensten Gründen von der Unverfälschtheit der Bibel überzeugt. Nun aber wollen wir prüfen, was der Koran zu diesem Thema sagt. Dabei wird sich zeigen, dass der Vorwurf der Verfälschung der Bibel im Koran nicht erhoben wird. Vielleicht können unsere Gedanken auch Muslimen eine Hilfe sein, die angeführten Stellen in ihrem Zusammenhang neu zu durchdenken. Wir freuen uns auch über jeden konstruktiven Beitrag zu diesem Thema.

Wir haben verschiedene Stellen des Koran in drei Gruppen eingeteilt: Zuerst bringen wir
a) Stellen über die Unabänderlichkeit des Wortes Gottes, danach
b) Stellen, wo es scheint, dass der Vorwurf einer Abänderung und Verfälschung der Schrift erhoben wird, und anschließend
c) direkte Aussagen über das Evangelium (Indschil).
Abschließend wollen wir über
d) Konsequenzen für uns heute nachdenken.

Wir werden uns hier vor allem auf die Beschäftigung mit den Koranstellen beschränken. Wir möchten nur ergänzend auf die Überlieferung der Bibel, vor allem des Neuen Testaments in zahlreichen Handschriften hinweisen, die schon Jahrhunderte vor der Niederschrift des Korans existiert haben. So enthält etwa der Papyrus 66 aus dem zweiten Jahrhundert das gesamte Johannesevangelium. Alle heutigen Bibelausgaben beruhen auf Handschriften, die vor dem 7. Jahrhundert geschrieben wurden. Deswegen kann auch nicht gesagt werden, dass die Bibel zwar zur Zeit Mohammeds noch unverfälscht war, aber später verändert wurde.

a) Das Wort Gottes kann nicht abgeändert werden

“Der Lüge wurden schon vor dir Gesandte geziehen. Und sie ertrugen es mit Geduld, dass sie der Lüge geziehen wurden und dass ihnen Leid zugefügt wurde, bis unsere Unterstützung zu ihnen kam. Niemand wird die Worte Gottes abändern können. Zu dir ist doch etwas vom Bericht über die Gesandten gekommen.” (Sure 6,34)

“Und das Wort deines Herrn hat sich in Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit erfüllt. Niemand kann seine Worte abändern. Er ist der, der alles hört und weiß.” (Sure 6,115)

“Ihnen gilt die frohe Botschaft im diesseitigen Leben und im Jenseits. Unabänderlich sind die Worte Gottes. Das ist der großartige Erfolg.” (Sure 10,64)

“Und verlies, was dir vom Buch deines Herrn offenbart worden ist. Niemand wird seine Worte abändern können. Und du wirst außer Ihm keine Zuflucht finden.” (Sure 18,27)

Bei allen vier Stellen spricht der unmittelbare Zusammenhang über den Koran und nicht über die Bibel. In Sure 6,34 jedoch werden auch die früheren Gesandten1 erwähnt, es geht hier also auch um Mose und Jesus.

Die Aussagen über die Unabänderlichkeit des Wortes Gottes sind in diesen Versen so absolut formuliert, dass sie nicht nur Aussagen über den Koran sein wollen, sondern jede Offenbarung Gottes betreffen. Daher gilt das auch für die Offenbarung Gottes, die wir in den Schriften der Bibel finden, die der Koran ja als Offenbarungsschriften akzeptiert.

Wenn wir das Neue Testament lesen, so können wir erkennen, wie sich in vielen Fällen das Wort des Alten Testaments in Jesus und in der Gemeinde seiner Jünger in Wahrheit und Gerechtigkeit erfüllt hat (wie es in Sure 6,115 ausgedrückt ist).

b) Zum Thema Abänderung und Verfälschung des Wortes

“Erhofft ihr etwa, dass sie mit euch glauben, wo doch ein Teil von ihnen das Wort Gottes hörte, es aber dann wissentlich entstellte, nachdem er es verstanden hatte?” (Sure 2,75)

Der Zusammenhang dieser Stelle ist nicht einfach zu erfassen. In den Versen 67-71 geht es um eine Kuh, die die Israeliten auf Befehl des Mose schächten sollten, wobei sie aber diesem Befehl offensichtlich nicht gehorchen wollten. Nachdem ein Erschlagener mit einem Stück von der Kuh geschlagen wurde, wird Gott dafür gelobt, dass er die Toten wieder lebendig macht (Verse 72-73), danach heißt es in Vers 74: Nach diesem Geschehen verhärteten sich eure Herzen, sodass sie wie Steine waren oder noch härter. Dann wird aber noch darüber geschrieben, dass es verschiedene Steine gibt, welche, die sich spalten, sodass Wasser aus ihnen hervorkommt, und welche, die aus Ehrfurcht vor Gott herunterfallen. In diesem rätselhaften Zusammenhang ist es nicht so leicht zu sagen, wer diejenigen sind, denen in Vers 75 vorgeworfen wird, das Wort Gottes wissentlich entstellt zu haben. Es legt sich nahe, an Juden zu denken. Das wissentliche Entstellen des Wortes Gottes wäre, dass sie (in den Versen 68-70) so taten, als würden sie nicht verstehen, was Gott ihnen durch Mose sagen wollte. Ist dem so, dann ist hier nicht daran zu denken, dass den Juden die Verfälschung des Textes der Thora vorgeworfen würde, sondern dass sie das Wort nach dem Hören missachtet haben. Dieser Text zeugt sogar davon, dass die Thora Wort Gottes ist. Der Text spricht auch nur von einem Teil der Juden, nicht von allen. Von einer Verfälschung des Evangeliums kann in diesem Zusammenhang ohnehin keine Rede sein.

“Aber wehe denen, die das Buch mit ihren Händen schreiben und dann sagen: “Dies ist von Gott her”, um es für einen geringen Preis zu verkaufen! Wehe ihnen wegen dessen, was ihre Hände geschrieben haben, und wehe ihnen wegen dessen, was sie erwerben!” (Sure 2,79)

Der Zusammenhang dieser Stelle spricht von Zeitgenossen Mohammeds, die offensichtlich versuchten, eigene Werke als Wort Gottes zu verkaufen. In Vers 80 werden sie direkt angesprochen “Oder sagt ihr über Gott, was ihr nicht wisst?” Es geht hier nicht um ein Ereignis vor der Zeit Mohammeds. Da unsere Bibelausgaben auf Handschriften beruhen, die Jahrhunderte vorher geschrieben worden sind, kann dieser Vorwurf nicht die Bibel betreffen.

“Diejenigen, denen Wir das Buch zukommen ließen, kennen es, wie sie ihre Söhne kennen. Aber ein Teil von ihnen verschweigt wissentlich die Wahrheit.” (Sure 2,146)

“Diejenigen, die verschweigen, was Wir an deutlichen Zeichen und Rechtleitung hinabgesandt haben, nachdem Wir es den Menschen im Buch deutlich gemacht haben, diese wird Gott verfluchen, und verfluchen werden sie auch die Fluchenden, Außer denen, die umkehren und Besserung zeigen und (alles) offenlegen. Denen wende Ich Mich gnädig zu. Ich bin der, der sich gnädig zuwendet, der Barmherzige.” (Sure 2,159-160)

“Eine Gruppe von den Leuten des Buches möchte euch gern in die Irre führen. Aber sie führen nur sich selbst in die Irre, und sie merken es nicht. O ihr Leute des Buches, warum verleugnet ihr die Zeichen Gottes, wo ihr sie selbst bezeugt? O ihr Leute des Buches, warum verkleidet ihr die Wahrheit mit dem Falschen und verschweigt die Wahrheit, wo ihr es wißt?” (Sure 3,69-71)

An diesen Stellen geht es um das Verschweigen der Wahrheit, wie es im Laufe der “Kirchengeschichte” durch religiöse Führer immer wieder geschehen ist. Es ist hier aber keine Rede von einer Manipulation am geschriebenen Wort. Sure 3,69 spricht auch nur von “einer Gruppe von den Leuten des Buches”, es betrifft also nicht alle “Leute des Buches”. Da aber alle “Leute des Buches” die selbe Bibel haben (Juden und Christen haben die selbe Thora, alle, die sich Christen nennen haben das selbe Neue Testament = Indschil), kann es hier nicht um eine Verfälschung des Textes gehen.

“Unter ihnen gibt es eine Gruppe, die ihre Zungen beim Lesen des Buches verdrehen, damit ihr meint, es gehöre zum Buch, während es nicht zum Buch gehört, und die sagen, es sei von Gott her, während es nicht von Gott kommt. Damit sagen sie gegen Gott eine Lüge aus, und sie wissen es.” (Sure 3,78)

Auch hier geht es nicht um den Vorwurf einer Verfälschung des geschriebenen Textes, sondern darum, dass jemand beim Vorlesen und bei der Erklärung eines Textes manipuliert hat.

“Unter denen, die Juden sind, entstellen einige den Sinn der Worte und sagen: “Wir hören, und wir gehorchen nicht”, und: “Höre zu, ohne dass du hören kannst”, und: “Achte auf uns” (raainaa); sie verdrehen dabei ihre Zungen und greifen die Religion an. Hätten sie gesagt: “Wir hören, und wir gehorchen”, und: “Höre”, und: “Schau auf uns” (unzurnaa), wäre es besser und richtiger für sie. Aber Gott hat sie wegen ihres Unglaubens verflucht, so glauben sie nur wenig.” (Sure 4,46)

Der Inhalt dieses Verses zeigt, dass es hier nicht um die Verfälschung des Textes der Thora geht, sondern es wird einigen Juden in ihrer Auseinandersetzung mit Mohammed oder Muslimen Unehrlichkeit und Verdrehung von Worten vorgeworfen. Es heißt hier, dass sie “ihre Zungen verdrehen”, also, dass sie etwas Falsches sagen, nicht aber, dass sie den geschriebenen Text der Schrift verfälschen.

“Gott nahm die Verpflichtung der Kinder Israels entgegen. Und Wir ließen aus ihren Reihen zwölf Vorgesetzte erstehen. Und Gott sprach: “Ich bin mit euch. Wenn ihr das Gebet verrichtet und die Abgabe entrichtet, an meine Gesandten glaubt und ihnen beisteht und Gott ein schönes Darlehn leiht, werde Ich euch eure Missetaten sühnen, und Ich werde euch in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen. Wer von euch hierauf ungläubig wird, der ist vom rechten Weg abgeirrt.” 13 Weil sie aber ihre Verpflichtung brachen, haben Wir sie verflucht und ihre Herzen verstockt gemacht. Sie entstellen den Sinn der Worte. Und sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren. Und du wirst immer wieder Verrat von ihrer Seite erfahren – bis auf wenige von ihnen. Aber verzeih’ ihnen und lass es ihnen nach. Gott liebt die Rechtschaffenen. 14 Und von denen, die sagen: “Wir sind Christen”, nahmen Wir ihre Verpflichtung entgegen. Sie vergaßen einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren. So erregten Wir unter ihnen Feindschaft und Hass bis zum Tag der Auferstehung. Gott wird ihnen kundtun, was sie zu machen pflegten. 15 O ihr Leute des Buches, unser Gesandter ist nunmehr zu euch gekommen, um euch vieles von dem, was ihr vom Buch geheimgehalten habt, deutlich zu machen und um vieles zu übergehen. Gekommen ist zu euch von Gott ein Licht und ein offenkundiges Buch […]” (Sure 5,12-15)

Hier wird den Kindern Israels vorgeworfen, dass sie (a) den Sinn der Worte entstellten und (b) einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren, vergaßen. Denen, die sich Christen nennen, wird nur vorgeworfen, dass sie einen Teil von dem, womit sie ermahnt worden waren, vergaßen, nicht aber, dass sie die Schrift verfälscht haben.

Es ist auch im Fall der “Kinder Israels” nicht klar, was mit dem Entstellen des Sinns der Worte gemeint ist. Diese Formulierung lässt eher daran denken, dass den Juden eine falsche Interpretation vorgeworfen wird, als eine Verfälschung des Textes. Ähnlich kann auch das “Vergessen” eines Teils der Ermahnung verstanden werden. Das Wort “vergessen” weist doch eher in die Richtung, dass Teile der Ermahnung nicht mehr ernst genommen wurden, nicht aber, dass sie aus dem Text gestrichen wurden.

Da denen, die sich Christen nennen, nicht Verfälschung, sondern nur “Vergessen” vorgeworfen wird, kann auch die für die Christen negativste Interpretation nur meinen, dass manche Teile des Evangeliums getilgt wurden, aber nicht, dass der bestehende Text verfälscht wurde. Die existierenden Teile des Neuen Testaments sind also auf jeden Fall als echt anzuerkennen. Aber es legt sich nicht nahe, das “Vergessen” als Tilgen des Textes zu verstehen, sondern als ein stillschweigendes Ignorieren von wichtigen Aussagen. Auch wenn Vers 15 vom “Geheimhalten” spricht, setzt das voraus, dass die geheim gehaltene Information noch existiert. Auch diese Koranverse sagen also nicht, dass Christen die Schrift verfälscht haben.

“O Gesandter, lass dich nicht durch die betrüben, die im Unglauben miteinander wetteifern, aus den Reihen derer, die mit dem Mund sagen: “Wir glauben”, während ihre Herzen nicht glauben. Unter denen, die Juden sind, gibt es welche, die auf Lügen hören und auf andere Leute, die nicht zu dir gekommen sind, hören. Sie entstellen den Sinn der Worte und sagen: “Wenn euch dies gebracht wird, nehmt es an; wenn es euch aber nicht gebracht wird, dann seid auf der Hut.” Wen Gott der Versuchung preisgeben will, für den vermagst du gegen Gott überhaupt nichts auszurichten. Das sind die, deren Herzen Gott nicht rein machen will. Bestimmt ist für sie im Diesseits Schande und im Jenseits eine gewaltige Pein. 42 Sie hören auf Lügen, und sie verzehren unrechtmäßig erworbenes Gut. Wenn sie zu dir kommen, so urteile zwischen ihnen oder wende dich von ihnen ab. Wenn du dich von ihnen abwendest, werden sie dir nichts schaden; wenn du urteilst, dann urteile zwischen ihnen nach Gerechtigkeit. Gott liebt die, die gerecht handeln. 43 Wie können sie dich zum Schiedsrichter machen, wo sie doch die Thora besitzen, in der das Urteil Gottes enthalten ist, und sich hierauf nach alledem abkehren? Diese sind keine (richtigen) Gläubigen. 44 Wir haben die Thora hinabgesandt, in der Rechtleitung und Licht enthalten sind, damit die Propheten, die gottergeben waren, für die, die Juden sind, (danach) urteilen, und so auch die Rabbiner und die Gelehrten, aufgrund dessen, was ihnen vom Buche Gottes anvertraut wurde und worüber sie Zeugen waren. So fürchtet nicht die Menschen, sondern fürchtet Mich. Und verkauft nicht meine Zeichen für einen geringen Preis. Diejenigen, die nicht nach dem urteilen, was Gott herabgesandt hat, das sind die Ungläubigen. 45 Und wir haben ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr, Zahn um Zahn; und auch für Verwundungen gilt die Wiedervergeltung. Wer aber dies als Almosen erlässt, dem ist es eine Sühne. Diejenigen, die nicht nach dem urteilen, was Gott herabgesandt hat, das sind die, die Unrecht tun.” (Sure 5,41-45)

Der Zusammenhang dieser Verse zeigt klar, dass, obwohl den Juden vorgeworfen wird, den Sinn der Worte zu entstellen, hier nicht eine Verfälschung des Textes der Thora gemeint ist. Es wird von der Thora klar gesagt, dass in ihr das Urteil Gottes, Rechtleitung und Licht enthalten sind. Da die Thora sich seit Mohammed nicht verändert hat, müssen wir davon ausgehen, dass wir auch in der jetzigen Thora das Urteil Gottes, Rechtleitung und Licht finden. Der Vorwurf, “den Sinn der Worte zu entstellen”, kann also nur eine falsche Interpretation meinen.

“Die Zurückgelassenen werden, wenn ihr auszieht, um Beute zu machen, sagen: “Lasst uns euch folgen.” Sie möchten gern die Worte Gottes abändern. Sprich: “Ihr dürft uns nicht folgen. So hat Gott schon vorher gesprochen.” Sie werden sagen: “Nein, aber ihr hegt Neid uns gegenüber.” Nein, sie begreifen ja nur wenig.” (Sure 48,15)

Hier geht es weder um Juden noch um Christen, sondern um Menschen aus dem näheren Umfeld Mohammeds, die sich gerne an einem der Beutezüge seiner Anhänger beteiligt hätten. Dieser Text ist daher für unsere Fragestellung nicht relevant.

Exkurs: Verfälschung durch Übersetzung?

Gott liebt alle Menschen in gleicher Weise. Deswegen will er auch, dass alle Menschen sein Wort hören und verstehen können. Andererseits ist auch klar, dass wenn Gott einen Propheten oder Gesandten sendet, dieser Gesandte ein konkreter Mensch ist, der zu einem konkreten Volk gehört und auch eine konkrete Sprache spricht. Über Jesus sagt der Koran ganz klar, dass er ein Zeichen für alle Menschen ist:

“Und (erwähne) die, die ihre Scham unter Schutz stellte2. Da bliesen Wir in sie von unserem Geist, und Wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Weltenbewohner.” (Sure 21,91)

Also sollen alle Menschen die Möglichkeit haben, dieses Zeichen kennenzulernen, auch wenn sie nicht die Sprache Jesu sprechen.

Auch Jesus selbst hat seine Jünger zu allen Völkern gesandt, damit sie seine Worte hören und daran glauben:

“Geht nun hin und macht alle Nationen zu Jüngern, […] 20 und lehrt sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe! Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters.” (Matthäus 28,19-20)

Um alle Menschen zu erreichen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder alle Menschen lernen die Sprache, in der etwas offenbart wurde, oder die Offenbarung wird übersetzt. Da die Offenbarung in verschiedenen Sprachen erfolgt ist, würde das bedeuten, das alle Menschen mehrere Sprachen lernen müssten. Ein Muslim ist angehalten, an alle heiligen Bücher zu glauben3. Er müsste also neben der arabischen Sprache auch noch die hebräische Sprache lernen, um die Thora lesen zu können, und Griechisch, um das Evangelium lesen zu können. Aber so weit wir wissen, hat selbst Mohammed keinerlei Versuch unternommen, die biblischen Sprachen zu lernen.

Die Christen haben von Anfang an den anderen Weg gewählt. Sie haben die Worte Jesu in der Sprache niedergeschrieben, die zu ihrer Zeit von den meisten Menschen verstanden wurde, auf Griechisch, obwohl Jesus Aramäisch gesprochen hat.

Auch der Koran zitiert mitunter Worte Gottesmänner früherer Zeiten wie Abraham (z.B. Sure 19,42-48), Josef (z.B. Sure 12,4), Mose (z.B. Sure 2,54), Zacharias (z.B. Sure 3,37-40) oder Jesus (z.B. Sure 19,30-33). Er zitiert diese früheren Gesandten aber nicht in den von ihnen gesprochenen Sprachen (Hebräisch bzw. Aramäisch), sondern auf Arabisch, eine Sprache, die diese Gottesmänner nicht gesprochen haben. Also befinden sich auch im Koran übersetzte Texte. Wenn im Koran betont wird, dass er auf Arabisch hinabgesandt wurde, dann nicht deswegen, weil das seine “Ursprache” ist, sondern deswegen, damit die arabisch sprechenden Menschen ihn verstehen und durch ihn gewarnt werden:

“Wir haben es als einen arabischen Koran hinabgesandt, auf dass ihr verständig werdet.” (Sure 12,2)

“Und so haben Wir ihn als einen arabischen Koran hinabgesandt. Und Wir haben darin verschiedene Drohungen dargelegt, auf daß sie gottesfürchtig werden oder er ihnen eine Ermahnung bringe.” (Sure 20,113)

Wenn der Allmächtige seinen Willen kundtut, wenn er alle Menschen zu sich ruft, dann kann er das mit so klaren Worten tun, dass seine Botschaft durch eine Übersetzung nicht verfälscht werden kann. Natürlich kann eine Übersetzung nie alle Feinheiten eines Textes wiedergeben, aber wir alle wissen, dass es möglich ist, mit Menschen anderer Sprache mit Hilfe von Übersetzung zu kommunizieren. Jemand, der eine Sprache nur als Zweitsprache gelernt hat, wird normalerweise nicht fähig sein, alle Nuancen eines Textes in der Fremdsprache zu verstehen. Also wird auch jemand, der Hebräisch, Griechisch oder Arabisch lernt, nicht in der Lage sein, alle Feinheiten des Urtexts der Bibel oder des Korans zu verstehen. Die Grundbotschaft der betreffenden Bücher ist aber aus einem übersetzten Text auch klar verständlich.

Es ist leider vorgekommen, dass es Bibelübersetzungen gab und gibt, die bewusst manipuliert wurden. Doch Gott hat dafür gesorgt, dass zahlreiche alte Manuskripte erhalten geblieben sind, durch welche der Urtext nach wie vor zugänglich ist und falsche Übersetzungen aufgedeckt werden können. Gott hat auch dafür gesorgt, dass wichtige Glaubensinhalte nicht nur an einer einzigen Stelle der Heiligen Schrift zu finden sind und auch auf verschiedenste Weise ausgedrückt werden, sodass auch eine manipulierende Übersetzung nicht so einfach die Wahrheit des Wortes Gottes verdecken kann.

c) Aussagen über das Evangelium

“Er hat auf dich das Buch mit der Wahrheit herabgesandt als Bestätigung dessen, was vor ihm vorhanden war. Und Er hat die Thora und das Evangelium herabgesandt.” (Sure 3,3)

Dieser Text drückt klar aus, dass Thora und Evangelium von Gott stammen. Von einer Verfälschung ist nicht die Rede.

“Und Er wird ihn lehren das Buch, die Weisheit, die Thora und das Evangelium.” (Sure 3,48)

Es geht hier darum, dass Gott Jesus lehren wird. Wenn hier die Thora und das Evangelium erwähnt sind, dann legt sich für einen unvoreingenommenen Leser nahe, dass hier mit Thora und Evangelium das gemeint ist, was zur Zeit Mohammeds allgemein als Thora und Evangelium bekannt war.

“Und Wir ließen nach ihnen Jesus, den Sohn Marias, folgen, damit er bestätige, was von der Thora vor ihm vorhanden war. Und Wir ließen ihm das Evangelium zukommen, das Rechtleitung und Licht enthält und das bestätigt, was von der Thora vor ihm vorhanden war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. 47 Die Leute des Evangeliums sollen nach dem urteilen, was Gott darin herabgesandt hat. Und diejenigen, die nicht nach dem urteilen, was Gott herabgesandt hat, das sind die Frevler.” (Sure 5,46-47)

Dieser Text setzt klar voraus, dass das zur Zeit der Niederschrift des Koran existierende Evangelium authentisch ist. Es enthält Rechtleitung und Licht. Wenn die “Leute des Evangeliums” nach dem Evangelium urteilen sollen, muss das Evangelium, das diese Leute haben, echt und verlässlich sein. Diese Stelle bestätigt die Unverfälschtheit des Evangeliums zur Zeit Mohammeds, das heißt auch zu unserer Zeit, da unsere modernen Ausgaben auf Handschriften beruhen, die bereits Jahrhunderte vor Mohammed existierten.

“Und würden sie die Thora und das Evangelium und das, was zu ihnen von ihrem Herrn herabgesandt wurde, einhalten, sie würden von oben und unter ihren Füßen zu essen bekommen. Unter ihnen gibt es eine Gemeinde mit maßvollem Wandel. Was aber viele von ihnen betrifft, so ist schlimm, was sie tun.” (Sure 5,66)

Es wird hier von Zeitgenossen Mohammeds erwartet, dass sie die Thora und das Evangelium einhalten. Also mussten diese Menschen Thora und Evangelium in ihrem ursprünglichen, unverfälschten Zustand kennen. Sonst hätten sie diese Schriften nicht einhalten können. Daher setzt auch diese Stelle voraus, dass Thora und Evangelium zur Zeit Mohammeds unverfälscht waren, und es, wie bereits erklärt wurde, auch heute noch sein müssen. Das gilt auch für die folgende Stelle:

“Sprich: O ihr Leute des Buches, ihr entbehrt jeder Grundlage, bis ihr die Thora und das Evangelium und das, was zu euch von eurem Herrn herabgesandt wurde, einhaltet. Und was von deinem Herrn zu dir herabgesandt wurde, wird sicher bei vielen von ihnen das Übermaß ihres Frevels und den Unglauben noch mehren. So sei nicht betrübt über die ungläubigen Leute.” (Sure 5,68)

“Dann ließen Wir nach ihnen unsere Gesandten folgen. Und Wir ließen Jesus, den Sohn Marias, folgen und ihm das Evangelium zukommen. Und Wir setzten in die Herzen derer, die ihm folgten, Mitleid und Barmherzigkeit, und auch Mönchtum, das sie erfanden – Wir haben es ihnen nicht vorgeschrieben -, dies nur im Trachten nach dem Wohlgefallen Gottes. Sie beobachteten es jedoch nicht in der rechten Weise. Und so ließen Wir denjenigen von ihnen, die glaubten, ihren Lohn zukommen. Aber viele von ihnen waren Frevler.” (Sure 57,27)

Auch an dieser Stelle erscheint das Evangelium nicht als eine “historische Größe”, als etwas, das es früher einmal gab, und in der Zwischenzeit verloren gegangen ist oder verfälscht wurde, sondern als eine Realität, die in den Herzen derer, die Jesus folgen, Mitleid und Barmherzigkeit bewirkt. Auch wenn viele derer, die sich “Christen” nennen, nicht nur in den Augen des Koran, sondern noch viel mehr nach dem Urteil des Evangeliums Frevler sind, so gibt es doch Menschen, die Jesus von Herzen und mit ihrem ganzen Leben folgen. Auch an ihnen zeigt sich die Kraft und Unverfälschtheit des Evangeliums.

“Darum, da wir diesen Dienst haben, weil wir ja Erbarmen gefunden haben, ermatten wir nicht; sondern wir haben den geheimen Dingen, deren man sich schämen muss, entsagt und wandeln nicht in Arglist, noch verfälschen wir das Wort Gottes, sondern durch die Offenbarung der Wahrheit empfehlen wir uns jedem Gewissen der Menschen vor Gott.” (2 Korinther 4,1-2)

Diese Menschen, die die Worte Jesu in ihrem Leben Wirklichkeit werden lassen, werden vom Koran “Besitzer der Ermahnung” genannt. Der Koran fordert die Muslime auf, diese Besitzer der Ermahnung zu fragen:

“Und Wir haben vor dir nur Männer gesandt, denen Wir Offenbarungen eingegeben haben. So fragt die Besitzer der Ermahnung, wenn ihr nicht Bescheid wißt.” (Sure 21,7)

Das heißt doch auch, dass diese Ermahnung, die sie erhalten haben, noch unverfälscht erhalten ist.

d) Konsequenzen für uns heute

Da der Koran keine Grundlage für die These einer Verfälschung der Heiligen Schrift durch die Christen liefert, sondern vielmehr bestätigt, dass wir im Evangelium Rechtleitung und Licht finden, wollen wir alle unsere Leser – Muslime und Nichtmuslime – ermuntern, die Scheu vor dem Evangelium abzulegen und ihre Herzen für das Licht, das uns Jesus gebracht hat, zu öffnen. Jeder, der die Wahrheit liebt, wird dankbar erkennen, dass Jesus recht hatte, wenn er sagte:

“Der Himmel und die Erde werden vergehen, meine Worte aber werden nicht vergehen.” (Markus 13,31)

Wenn Jesus, wie Muslime glauben, ein Prophet Gottes ist, dann sorgt Gott dafür, dass sich dieses Wort bewahrheitet. Wären die Worte Jesu verfälscht worden, dann hätte Jesus in Markus 13,31 eine falsche Prophetie ausgesprochen. Er wäre ein falscher Prophet. Dann wären sowohl das Christentum als auch der Islam, die beide Jesus als Propheten und Gesandten Gottes anerkennen, menschliches Machwerk. Wenn Jesus wirklich Gottes Prophet war, sind seine Worte unverfälscht erhalten geblieben und werden niemals vergehen.

“Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.” (Johannes 6,63)

“Wenn jemand seinen (= Gottes) Willen tun will, so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst rede.” (Johannes 7,17)

“Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn jemand mein Wort bewahren wird, so wird er den Tod nicht sehen in Ewigkeit.” (Johannes 8,51)

Jeder, der die Worte Jesu liest, gläubig aufnimmt, und sein Leben von ihnen erneuern lässt, wird in ihnen die Worte Gottes erkennen und gemeinsam mit Simon Petrus bekennen:

“Herr, zu wem sollten wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens.” (Johannes 6,68)


  1. Ein Gesandter ist nach islamischem Verständnis ein von Gott auserwählter Mensch, der eine Offenbarung von ihm empfing und beauftragt wurde, diese öffentlich an die Menschen zu verkünden. Jeder Gesandte empfing im Gegensatz zu den Propheten eine Offenbarungsschrift. Jeder Gesandte ist automatisch auch ein Prophet, aber nicht jeder Prophet ein Gesandter. Es handelt sich hierbei vor allem um Mose, David und Jesus, deren Worte wir in den Schriften des Alten (islamisch: Taurat) und Neuen Testaments (islamisch: Indschil) finden. 
  2. Maria, die Mutter Jesu 
  3. Das ist die sogenannte 3. Säule des Iman, die ihren Grund in folgendem Koranvers hat:
    “Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und an das, was Mose und Jesus zugekommen ist, und an das, was den (anderen) Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.” Sure 2,136 

Feindesliebe in der Bibel und im Koran

1 Im Alten Testament

“Wenn du das Rind deines Feindes oder seinen Esel umherirrend antriffst, sollst du sie ihm auf jeden Fall zurückbringen. Wenn du den Esel deines Hassers unter seiner Last zusammengebrochen siehst, dann lass ihn nicht ohne Beistand; du sollst ihn mit ihm zusammen aufrichten.” (Exodus 23,4-5)

“Und sie kamen zu ihm herab. Und Elisa betete zu dem HERRN und sagte: Schlag doch diese Kriegsschar mit Blindheit! Da schlug er sie mit Blindheit nach dem Wort des Elisa. Und Elisa sagte zu ihnen: Dies ist nicht der Weg und dies nicht die Stadt. Folgt mir! Ich will euch zu dem Mann führen, den ihr sucht. Und er führte sie nach Samaria. Und es geschah, als sie nach Samaria gekommen waren, da sagte Elisa: HERR, öffne die Augen dieser Männer, dass sie sehen! Da öffnete der HERR ihre Augen, und sie sahen. Und siehe, sie waren mitten in Samaria. Und der König von Israel sagte zu Elisa, als er sie sah: Soll ich losschlagen, soll ich losschlagen, mein Vater? Er aber sagte: Du sollst nicht schlagen! Würdest du etwa die erschlagen, die du mit deinem Schwert und mit deinem Bogen gefangen genommen hast? Setze ihnen Brot und Wasser vor, dass sie essen und trinken und dann zu ihrem Herrn ziehen! Und er richtete ein großes Festmahl für sie aus, und sie aßen und tranken. Dann entließ er sie, und sie zogen zu ihrem Herrn. Und die Streifscharen Arams kamen fortan nicht mehr in das Land Israel.” (2 Könige 6,18-23)

“Und dort war ein Prophet des HERRN mit Namen Oded. Und er ging hinaus, dem Heer entgegen, das nach Samaria kam, und sagte zu ihnen: Siehe, weil der HERR, der Gott eurer Väter, über Juda wütend war, hat er sie in eure Hand gegeben. Und ihr habt sie mit einer Wut umgebracht, die bis an den Himmel reicht. Und nun gedenkt ihr, euch die Söhne Judas und Jerusalems zu Knechten und Mägden zu unterwerfen. Sind aber nicht bei euch selbst Verschuldungen gegen den HERRN, euren Gott? Und nun hört auf mich und schickt die Gefangenen zurück, die ihr von euren Brüdern weggeführt habt! Denn die Zornglut des HERRN ist über euch. Da traten Männer von den Sippenhäuptern der Söhne Ephraim, nämlich Asarja, […] vor die vom Heereszug Heimkehrenden und sagten zu ihnen: Ihr sollt die Gefangenen nicht hierherbringen! Denn ihr habt vor, unsere Sünden und unsere Verschuldungen zu vermehren, zusätzlich zu der Verschuldung, die auf uns liegt. Unsere Schuld ist doch schon groß, und eine Zornglut ist über Israel! Da gaben die Bewaffneten die Gefangenen und die Beute vor den Obersten und der ganzen Versammlung frei. Und die Männer, die mit Namen angegeben wurden, standen auf und nahmen sich der Gefangenen an. Und alle von ihnen, die nackt waren, bekleideten sie aus der Beute. Sie bekleideten sie und gaben ihnen Schuhe und speisten und tränkten sie und salbten sie. Und alle, die ermattet waren, geleiteten sie auf Eseln und brachten sie nach Jericho, der Palmenstadt, in die Nähe ihrer Brüder. Dann kehrten sie nach Samaria zurück.” (2 Chronik 28,9-15)

“Wenn ich mich freute über den Untergang meines Hassers und aufjauchzte, als Unglück ihn traf! Nie habe ich ja meinem Gaumen erlaubt zu sündigen, mit einem Fluch dessen Seele zu fordern. Wenn die Männer in meinem Zelt nicht bezeugt haben: Wer wäre wohl nicht von seinem Fleisch satt geworden! Der Fremde musste nicht im Freien übernachten, ich öffnete dem Wanderer meine Tür.” (Hiob 31,29-32)

“Wenn dein Hasser Hunger hat, gib ihm Brot zu essen, und wenn er Durst hat, gib ihm Wasser zu trinken! Denn glühende Kohlen häufst du auf sein Haupt, und der HERR wird es dir vergelten.” (Sprüche 25,21-22)

2 Im Neuen Testament

“Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.” (Matthäus 5,43-48)

“Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, […] und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern vergeben haben; […] Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euer Vater eure Vergehungen auch nicht vergeben.” (Matthäus 6,9.12.14–15)

“Aber euch, die ihr hört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen; betet für die, die euch beleidigen! Dem, der dich auf die Backe schlägt, biete auch die andere dar; und dem, der dir den Mantel nimmt, verweigere auch das Untergewand nicht! […] Doch liebt eure Feinde, und tut Gutes, und leiht, ohne etwas wieder zu erhoffen! Und euer Lohn wird groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen. Seid nun barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! Und richtet nicht, und ihr werdet nicht gerichtet werden; und verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden. Lasst los, und ihr werdet losgelassen werden.” (Lukas 6,27-29.35-37)

“Während er noch redete, siehe, da kam eine Volksmenge, und der, welcher Judas hieß, einer von den Zwölfen, ging vor ihnen her und nahte sich Jesus, um ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm: Judas, überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuss? Als aber die, welche um ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert dreinschlagen? Und einer von ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber antwortete und sprach: Lasst es soweit! Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.” (Lukas 22,47-51)

“Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort! Denn alle, die das Schwert nehmen, werden durchs Schwert umkommen.” (Matthäus 26,52)

“Und als sie an den Ort kamen, der Schädelstätte genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun. […]” (Lukas 23,33-34)

“Und sie steinigten den Stephanus, der betete und sprach: Herr Jesus, nimm meinen Geist auf! Und niederkniend rief er mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! Und als er dies gesagt hatte, entschlief er.” (Apostelgeschichte 7,59-60)

„Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so gib ihm zu trinken! Denn wenn du das tust, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln.“ Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten!” (Römer 12,20-21)

“Ihr Haussklaven, ordnet euch in aller Furcht den Herren unter, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten! Denn das ist Gnade, wenn jemand wegen des Gewissens vor Gott Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was für ein Ruhm ist es, wenn ihr als solche ausharrt, die sündigen und dafür geschlagen werden? Wenn ihr aber ausharrt, indem ihr Gutes tut und leidet, das ist Gnade bei Gott. Denn hierzu seid ihr berufen worden; denn auch Christus hat für euch gelitten und euch ein Beispiel hinterlassen, damit ihr seinen Fußspuren nachfolgt; der keine Sünde getan hat, auch ist kein Trug in seinem Mund gefunden worden, der, geschmäht, nicht wieder schmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet…” (1. Petrus 2,18-23)

3 Im Koran

“und die geduldig sind in der Suche nach dem Antlitz ihres Herrn, das Gebet verrichten und von dem, was Wir ihnen beschert haben, geheim und offen spenden, und das Böse mit dem guten abwehren, diese werden die jenseitige Wohnstätte erhalten” (Sure 13,22)

“Er sagte: “Verschmähst du meine Götter, o Abraham? Wenn du nicht aufhörst, werde ich dich bestimmt steinigen. Und entferne dich von mir auf lange Zeit.” Er sagte: “Friede sei über dir. Ich werde meinen Herrn für dich um Vergebung bitten. Er ist zu mir sehr entgegenkommend.” (Sure 19,46-47)

“Nicht gleich sind die gute und die schlechte Tat. Wehre ab mit einer Tat, die besser ist, da wird der, zwischen dem und dir eine Feindschaft besteht, so, als wäre er ein warmherziger Freund. Aber dies wird nur denen verliehen, die geduldig sind, ja es wird nur dem verliehen, der ein gewaltiges Glück hat.” (Sure 41,34-35)

Weitere Stellen sind uns nicht bekannt. Wir sind für Hinweise dankbar.

4 Zusammenfassung

Bereits im Alten Testament finden wir vereinzelte Hinweise auf die Feindesliebe. Dadurch wurde das Gebot Jesu, das wir im Neuen Testament finden, vorbereitet. Jesus selbst ist in seinem Leiden und Sterben seinen Feinden mit Liebe begegnet. Am Beispiel des Stephanus wird sichtbar, dass die ersten Christen den Worten und dem Vorbild Jesu gefolgt sind.

Außer den genannten Suren haben wir keine weiteren Stellen gefunden. Der Koran scheint dieses Thema nur am Rande zu behandeln. Das Neue Testament hingegen sieht die Feindesliebe als etwas ganz grundsätzliches an. Sie zeichnet die Lehre Jesu und das Leben der Christen aus.

Um die volle Offenbarung Gottes kennenzulernen, brauchen wir die Worte Jesu, der allein die Herzen der Menschen verändern kann. Nicht umsonst heißt es in Sure 57,27:

“[…] Und Wir setzten in die Herzen derer, die ihm [Jesus] folgten, Mitleid und Barmherzigkeit, […]”

Jesus hat die Güte Gottes und die Barmherzigkeit gelehrt und gelebt. Von ihm können und dürfen wir sie lernen.

Die Einzigartigkeit Jesu im Koran

Das Ziel dieser Abhandlung ist, Aussagen des Koran über Jesus aufzulisten, um zu zeigen, wie sehr auch im Koran die Einzigartigkeit und Einmaligkeit Jesu betont wird. Diese Auflistung soll auch eine Einladung sein, mehr über Jesus zu erfahren, in den heiligen Schriften, die die Lehre und das Leben Jesu zum Hauptinhalt haben, im Indschil, den Schriften des Neuen Testaments. Wir haben die Stellen möglichst kurz kommentiert und ergänzende Stellen aus dem Indschil angeführt.

Wir freuen uns über jeden, der mit uns über die Bedeutung seiner Person und den Weg zu Gott, den er uns gezeigt hat, austauschen will.

Jesus ist der Sohn einer Jungfrau.

“Und gedenke im Buch der Maria, als sie sich von ihren Angehörigen an einen östlichen Ort zurückzog. 17 Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir unseren Geist zu ihr. Er erschien ihr im Bildnis eines wohlgestalteten Menschen. 18 Sie sagte: “Ich suche beim Erbarmer Zuflucht vor dir, so du gottesfürchtig bist.” 19 Er sagte: “Ich bin der Bote deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken.” 20 Sie sagte: “Wie soll ich einen Knaben bekommen? Es hat mich doch kein Mensch berührt, und ich bin keine Hure.” 21 Er sagte: “So wird es sein. Dein Herr spricht: Das ist Mir ein Leichtes. Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.” 22 So empfing sie ihn. Und sie zog sich mit ihm zu einem entlegenen Ort zurück.” (Sure 19,16-22)

Die Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria ist eine wichtige Gemeinsamkeit zwischen Christen und Muslimen. Im Indschil wird die Empfängnis und Geburt Jesu im Lukasevangelium erzählt:

“Im sechsten Monat aber wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt von Galiläa, mit Namen Nazareth, gesandt, 27 zu einer Jungfrau, die einem Mann namens Josef, aus dem Haus Davids, verlobt war, und der Name der Jungfrau war Maria. 28 Und er kam zu ihr hinein und sprach: Sei gegrüßt, Begnadete! Der Herr ist mit dir. 29 Sie aber wurde bestürzt über das Wort und überlegte, was für ein Gruß dies sei. 30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. 31 Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen. 32 Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; 33 und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein. 34 Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? 35 Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden. 36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, auch sie erwartet einen Sohn in ihrem Alter, und dies ist der sechste Monat bei ihr, die unfruchtbar genannt war. 37 Denn kein Wort, das von Gott kommt, wird kraftlos sein. 38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; es geschehe mir nach deinem Wort! Und der Engel schied von ihr.” (Lukas 1,26-38)

“Es geschah aber in jenen Tagen, dass eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. 2 Diese Einschreibung geschah als erste, als Quirinius Statthalter von Syrien war. 3 Und alle gingen hin, um sich einschreiben zu lassen, ein jeder in seine Vaterstadt. 4 Es ging aber auch Josef von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa, in die Stadt Davids, die Bethlehem heißt, weil er aus dem Haus und Geschlecht Davids war, 5 um sich einschreiben zu lassen mit Maria, seiner Verlobten, die schwanger war. 6 Und es geschah, als sie dort waren, wurden ihre Tage erfüllt, dass sie gebären sollte; 7 und sie gebar ihren erstgeborenen Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Raum für sie war.” (Lukas 2,1-7)

Wir Christen sehen, anders als die Muslime, in der Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria einen Hinweis auf seine Gottessohnschaft. Wer den Text aus dem Lukasevangelium liest, wird aber rasch erkennen, dass für uns Gottessohnschaft nicht bedeutet, dass Jesus einer sexuellen Beziehung zwischen Gott und Maria entstammte, was leider von Muslimen immer wieder als angebliche christliche Lehre angenommen wird. Auch für uns bedeutet so ein Gedanke Gotteslästerung.

Wenn wir glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, denken wir an die einzigartige Beziehung die Jesus zu Gott hatte, und dass er durch den Heiligen Geist gezeugt wurde, wie es in Lukas 1,35 auch erklärt wird.

Bedenkenswert ist auch die Tatsache, dass die einzige im Koran namentlich erwähnte Frau Maria, die Mutter Jesu ist. Das zeigt auch etwas über die einzigartige Bedeutung Jesu. Die Eltern Mohammeds etwa sind im Koran nicht erwähnt.

Jesus ist der Knecht Gottes.

“Christus wird es sicher nicht aus Widerwillen ablehnen, Diener Gottes zu sein, und auch nicht die in die Nähe (Gottes) zugelassenen Engel. Wenn einer es aus Widerwillen ablehnt, Ihm zu dienen, und sich hochmütig zeigt, so wird Gott doch sie allesamt zu sich versammeln.” (Sure 4,172)

“Er sagte: “Ich bin der Diener Gottes. Er ließ mir das Buch zukommen und machte mich zu einem Propheten.” (Sure 19,30)

Auch die Bibel zeigt uns Jesus als Diener oder Knecht Gottes. Die Propheten des Alten Testaments nannten ihn so:

“Siehe, mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, er wird das Recht zu den Nationen hinausbringen.” (Jesaja 42,1)

“[…] ja, er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, um die Stämme Jakobs aufzurichten und die Bewahrten Israels zurückzubringen. So mache ich dich auch zum Licht der Nationen, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde. 7 So spricht der HERR, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem ganz und gar Verachteten, zu dem Verabscheuten der Nation, zu dem Knecht der Herrscher: Könige werden es sehen und aufstehen, auch Oberste, und sie werden sich niederwerfen um des HERRN willen, der treu ist, um des Heiligen Israels willen, der dich erwählt hat.” (Jesaja 49,6-7)

“Siehe, mein Knecht wird einsichtig handeln. Er wird erhoben und erhöht werden und sehr hoch sein.” (Jesaja 52,13)

“Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.” (Jesaja 53,11)

Auch die Apostel1 nannten Jesus den Knecht Gottes:

“Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr überliefert und vor Pilatus verleugnet habt, als dieser entschieden hatte, ihn loszugeben.” (Apostelgeschichte 3,13)

“Euch zuerst hat Gott seinen Knecht erweckt und ihn gesandt, euch zu segnen, indem er einen jeden von euch von seinen Bosheiten abwendet.” (Apostelgeschichte 3,26)

“Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, 8 erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. 9 Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, […]” (Philipper 2,7-9)

Jesus ist der Knecht Gottes, weil er mit seiner ganzen Existenz kein anderes Ziel hatte, als Gott zu dienen. Deswegen hat er es auch nie “aus Widerwillen abgelehnt” (wie es in Sure 4,172 steht), Diener Gottes zu sein. Er hat sich aus Liebe zu Gott und zu den Menschen ganz tief erniedrigt, er wurde wie ein Sklave. Aber er, der die tiefsten Tiefen durchlebt hat, wurde auch erhöht. Er hat einen Namen, der über allen Namen ist. Er, der ganz und gar verachtet war, wurde zum Licht der Nationen. Er brachte das Heil Gottes bis an die Grenzen der Erde. Er, der Gerechte, macht viele gerecht und befreit sie von ihren Sünden. Er will uns segnen, indem er uns von unseren Bosheiten abwendet. So ist Jesus, der Knecht Gottes, der Retter und Herr.

Jesus ist der Gesandte Gottes.

Ebenso wie die Bezeichnung “Knecht” wird auch der Titel “Gesandter” im Koran nicht ausschließlich für Jesus verwendet. Auch Mose und Mohammed tragen im Koran diesen Titel. Jesus wird z. B. an folgenden Stellen der Gesandte Gottes genannt:

“O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von Ihm. So glaubt an Gott und seine Gesandten […]” (Sure 4,171)

“Christus, der Sohn Marias, ist nichts anderes als ein Gesandter; vor ihm sind etliche Gesandte dahingegangen […]” (Sure 5,75)

Gott hat durch seinen Propheten Maleachi einen Gesandten verheißen:

“Seht, ich sende meinen Boten; er soll den Weg für mich bahnen. Dann kommt plötzlich zu seinem Tempel der Herr, den ihr sucht, und der Bote des Bundes, den ihr herbeiwünscht. Seht, er kommt!, spricht der Herr der Heere.” (Maleachi 3,1; Einheitsübersetzung)

Dieser Text spricht von zwei Boten / Gesandten. Der erste bahnt den Weg. Er kam in der Person Johannes des Täufers. Dann kommt der Herr, der auch der Bote des Bundes genannt wurde. Durch ihn hat Gott einen neuen Bund mit seinem Volk geschlossen. Dieser zweite Bote ist Jesus.

Im Neuen Bund nennt darum auch der Hebräerbrief Jesus “Apostel”. (Das griechische Wort “apostolos” bedeutet “Gesandter”.):

“Daher, heilige Brüder, Teilhaber der himmlischen Berufung, betrachtet den Apostel und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus, 2 der treu ist dem, der ihn dazu gemacht hat, wie auch Mose in seinem ganzen Hause!” (Hebräer 3,1-2)

Aus dem Zusammenhang dieser Stelle (siehe Verse 5 und 6) geht hervor, dass Jesus im Gegensatz zu Mose, der als Diener im Hause treu war, über dem Hause (Gottes) steht.

Jesus selbst hat sich nicht als “Gesandter” bezeichnet, hat aber wiederholt über seine Sendung und den, der ihn gesandt hat, gesprochen:

“Er aber sprach zu ihnen: Ich muss auch den anderen Städten die gute Botschaft vom Reich Gottes verkündigen, denn dazu bin ich gesandt worden.” (Lukas 4,43)

“Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.” (Johannes 3,17)

“[…] damit alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der ihn gesandt hat.” (Johannes 5,23)

“Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.” (Johannes 6,29)

“[…] und wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.” (Johannes 12,45)

“Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.” (Johannes 17,3)

Diese Auswahl von Worten Jesu lädt uns zum tieferen Nachdenken über seine Person ein. Nur durch Jesus, den Gesandten Gottes, können wir Gott wirklich erkennen. In der Erkenntnis Gottes und seines Gesandten Jesus Christus finden wir das ewige Leben.

Jesus ist das Wort Gottes.

“Als die Engel sagten: “O Maria, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name Christus Jesus, der Sohn Marias, ist; er wird angesehen sein im Diesseits und Jenseits, und einer von denen, die in die Nähe (Gottes) zugelassen werden.” (Sure 3,45)

“Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüber brachte, und ein Geist von Ihm.” (Sure 4,171)

“Das ist Jesus, der Sohn Marias. Es ist das Wort der Wahrheit, woran sie zweifeln.” (Sure 19,34)

In der Bibel spricht das Johannesevangelium über Jesus als das Wort Gottes:

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist. 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. […]
14 Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” (Johannes 1,1-5.14)

Das Wort, das der ewige Gott spricht, ist genau so ewig wie Er. In seinem Wort drückt Gott selbst sich aus. Deswegen kann es nicht von ihm getrennt werden. Es ist Gott.

Sunnitische Muslime glauben an die Ewigkeit des Korans, weil er für sie Gottes Wort ist. Wir Christen glauben an die Ewigkeit des Wortes Gottes, das in Jesus für uns Mensch geworden ist.

Jesus ist durch den Geist Gottes in diese Welt gekommen, und er selbst wird Geist Gottes genannt.

“Und (erwähne) die, die ihre Scham unter Schutz stellte. Da bliesen Wir in sie von unserem Geist, und Wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Weltenbewohner.” (Sure 21,91)

“Und (auch) Maria, die Tochter, Imraans, die ihre Scham unter Schutz stellte, worauf Wir in sie von unserem Geist bliesen. Und sie hielt die Worte ihres Herrn und seine Bücher für wahr und gehörte zu denen, die (Gott) demütig ergeben sind.” (Sure 66,12)

“O ihr Leute des Buches, übertreibt nicht in eurer Religion und sagt über Gott nur die Wahrheit. Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von Ihm.” (Sure 4,171)

Dass Maria Jesus durch den Heiligen Geist empfangen hat, ist klare Lehre der Bibel:

“Mit dem Ursprung Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden von dem Heiligen Geist. 19 Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich bloßstellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. 20 Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist. 21 Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden.” (Matthäus 1,18-21)

“Maria aber sprach zu dem Engel: Wie wird dies zugehen, da ich von keinem Mann weiß? 35 Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden.” (Lukas 1,34-35)

Im Indschil finden wir jedoch nicht, dass Jesus Geist Gottes genannt wird (wie in Sure 4,171). Wir glauben, dass der Geist Gottes genau so ewig ist wie Gott. Er ist Gott. Es kann Gott nicht ohne seinen Geist geben. Jesus hat uns den Geist Gottes gesandt, wie er es in folgender Stelle gesagt hat:

“Wenn der Beistand gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen.” (Johannes 15,26)

Jesus ist wie Adam.

“Mit Jesus ist es vor Gott wie mit Adam. Er erschuf ihn aus Erde, dann sagte Er zu ihm: Sei!, und er war.” (Sure 3,59)

Die im Koran gesehene Parallele ist, dass sowohl Adam als auch Jesus durch das schöpferische Wort Gottes ins Dasein gekommen ist. Wir Christen glauben, dass Jesus nicht durch das Wort Gottes geworden ist, sondern, dass in ihm das Wort Gottes Mensch geworden ist.

Paulus vergleicht Jesus in zweierlei Hinsicht mit Adam:

In Römer 5,12-21 stellt er Adam und Jesus gegenüber. Durch Adam kam die Sünde, durch Jesus kommen Gnade, Leben und Gerechtigkeit.

“Denn wenn durch die Übertretung des einen der Tod durch den einen geherrscht hat, so werden viel mehr die, welche den Überfluss der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den einen, Jesus Christus.” (Römer 5,17)

In 1 Korinther 15 ist der Vergleichspunkt, dass durch Adam der leibliche Tod in die Welt kam, durch Jesus aber die Auferstehung:

“Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen; 21 denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. 22 Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.” (1 Korinther 15,20-22)

Jesus ist ohne Sünde.

Es gibt im Koran keine Stelle, in der die Sündenlosigkeit Jesu direkt ausgesagt wird. Sie wird aber von Muslimen geglaubt und entspricht auch verschiedenen Aussagen über Jesus, wie etwa der, dass Gott ihn zu sich erhoben hat (siehe im Abschnitt über die Erhöhung Jesu), oder dem Wort des Engels an Maria in Sure 19,19:

Er sagte: “Ich bin der Bote deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken.”

Jesus wird hier als ein “lauterer”, d. h. reiner Knabe bezeichnet. Es geht hier nicht um körperliche Reinheit, sondern die Reinheit vor Gott, die durch ein Leben ohne Sünden gegeben ist.

Während Mohammed im Koran dazu aufgefordert wird, um die Vergebung seiner Sünden zu beten (Sure 40,552; 47,193; 48,24, gibt es ähnliche Aussagen über Jesus nicht.

In der Bibel hingegen finden wir die Sündenlosigkeit Jesu klar bezeugt.

Jesus selbst sagte:

“Wer von euch überführt mich einer Sünde? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht?” (Johannes 8,46)

Auch der Hebräerbrief bezeugt:

“Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht Mitleid haben könnte mit unseren Schwachheiten, sondern der in allem in gleicher Weise wie wir versucht worden ist, doch ohne Sünde.” (Hebräer 4,15)

“Denn ein solcher Hoherpriester geziemte sich auch für uns: heilig, sündlos, unbefleckt, abgesondert von den Sündern und höher als die Himmel geworden …” (Hebräer 7,26)

“Und ihr wisst, dass er offenbart worden ist, damit er die Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm.” (1 Johannes 3,5)

Weil Jesus ohne Sünde ist, kann er auch uns helfen, von unseren Sünden frei zu werden.

“Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Sklave. […] 36 Wenn nun der Sohn euch frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein.” (Johannes 8,34.36)

Jesus ist eine Barmherzigkeit Gottes.

“Er sagte: “So wird es sein. Dein Herr spricht: Das ist Mir ein Leichtes. Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.” (Sure 19,21)

Zacharias sprach nach der Geburt Johannes des Täufers folgende Worte zu seinem Sohn:

“Und du, Kind, wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden; denn du wirst vor dem Angesicht des Herrn hergehen, seine Wege zu bereiten, 77 um seinem Volk Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden, 78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres Gottes, mit der uns der Aufgang aus der Höhe besuchen wird, 79 um denen zu leuchten, die in Finsternis und Todesschatten sitzen, und unsere Füße zu richten auf den Weg des Friedens.” (Lukas 1,76-79)

Aus dem Brief des Paulus an Titus:

“Als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Retter-Gottes erschien, 5 rettete er uns, nicht aus Werken, die, in Gerechtigkeit vollbracht, wir getan hätten, sondern nach seiner Barmherzigkeit durch die Waschung der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes. 6 Den hat er durch Jesus Christus, unseren Retter, reichlich über uns ausgegossen, 7 damit wir, gerechtfertigt durch seine Gnade, Erben nach der Hoffnung des ewigen Lebens wurden.” (Titus 3,4-6)

Jede Sure (außer Sure 9) im Koran beginnt mit der Anrufung des barmherzigen Gottes. Das zeigt uns, wie wichtig seine Barmherzigkeit ist. In Jesus hat Gott uns seine Barmherzigkeit, seine Güte und Menschenliebe gezeigt. Jesus ist Gottes Barmherzigkeit in Person.

Jesus ist ein Zeichen für die ganze Welt.

“Er sagte: “So wird es sein. Dein Herr spricht: Das ist Mir ein Leichtes. Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.” (Sure 19,21)

“Und (erwähne) die, die ihre Scham unter Schutz stellte. Da bliesen Wir in sie von unserem Geist, und Wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Weltenbewohner.” (Sure 21,91)

Jesus ist also nach dem Koran nicht nur ein Prophet für die Christen, sondern ein Zeichen für alle “Weltenbewohner”, wie es auch vom Propheten Jesaja verheißen wurde:

“Und an jenem Tag wird es geschehen: der Wurzelspross Isais5, der als Feldzeichen der Völker dasteht, nach ihm werden die Nationen fragen; und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein.” (Jesaja 11,10)

Jesus selbst hat diese Verheißung bestätigt:

“Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.” (Johannes 12,32)

Jesus ist das Zeichen für alle Völker. Alle sollen durch ihn Gott finden.

Jesus ist der Gesalbte (Messias / Christus)

“Als die Engel sagten: “O Maria, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name Christus Jesus, der Sohn Marias, ist; er wird angesehen sein im Diesseits und Jenseits, und einer von denen, die in die Nähe (Gottes) zugelassen werden.” (Sure 3,45)

Dieser Vers ist nur ein Beispiel unter mehreren, wo Jesus der Gesalbte genannt wird6. Im Koran erscheint dieser Begriff aber nur als Name. Der Inhalt dieses Namens bleibt unklar. Deswegen ist es nötig, dass wir in den heiligen Schriften des Alten und des Neuen Bundes die Bedeutung dieses Namens ergründen.

Im Alten Testament wurden Priester und Könige für ihren besonderen Dienst im Volk Gottes gesalbt:

“Und du sollst deinen Bruder Aaron damit bekleiden und seine Söhne mit ihm. Dann sollst du sie salben und ihnen die Hände füllen und sie heiligen, damit sie mir den Priesterdienst ausüben.” (Exodus 28,41)

“Samuel sagte zu Saul: Der HERR hat mich gesandt, um dich zum König über sein Volk, über Israel, zu salben. So höre nun auf die Stimme der Worte des HERRN!” (1 Samuel 15,1)

“Da nahm Samuel das Ölhorn und salbte ihn (David) mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN geriet über David von diesem Tag an und darüber hinaus.” (1 Samuel 16,13)

Deswegen wurde der König Israels auch als “der Gesalbte” bezeichnet, z. B. in 1 Samuel 12,3:

“Hier bin ich, zeugt gegen mich vor dem HERRN und vor seinem Gesalbten!7

Das alttestamentliche Priestertum und Königtum weisen auf einen zukünftigen “Gesalbten” hin, der beide Aufgaben in vollkommener Weise erfüllen sollte. Er sollte für die Menschen als ein Priester vor Gott eintreten und ein gerechter König über alle sein.

Als Jesus gekommen ist, war er nach irdischen Maßstäben weder Priester noch König. Er war ein einfacher Zimmermann. Aber er war der einzige Mensch ohne Sünde und kann daher für uns Sünder vor Gott eintreten. Er war durch und durch gerecht. Gott hat ihn zum ewigen König über alle Menschen erhöht.

Jesus selbst hat eine Stelle aus dem Buch des Propheten Jesaja auf sich bezogen, um zu zeigen, in welcher Weise er der Gesalbte Gottes ist:

“Und er [Jesus] kam nach Nazareth, wo er erzogen worden war; und er ging nach seiner Gewohnheit am Sabbattag in die Synagoge und stand auf, um vorzulesen. 17 Und es wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja gereicht; und als er das Buch aufgerollt hatte, fand er die Stelle, wo geschrieben war: 18 “Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, Armen gute Botschaft zu verkündigen; er hat mich gesandt, Gefangenen Freiheit auszurufen und Blinden, dass sie wieder sehen, Zerschlagene in Freiheit hinzusenden, 19 auszurufen ein angenehmes Jahr des Herrn.” 20 Und als er das Buch zugerollt hatte, gab er es dem Diener zurück und setzte sich; und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. 21 Er fing aber an, zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt.” (Lukas 4,16-21)

Jesus kam nicht als ein politischer König. Er brachte denen, die sich selbst in ihrer Armut vor Gott sehen, die gute Botschaft vom Reich Gottes. Er brachte Freiheit, denen, die in ihren Sünden gefangen waren, denen, die Gott nicht kannten, nahm er ihre geistliche Blindheit weg.

Ähnlich hat es auch der Engel, der die Geburt Jesu ankündigte, ausgedrückt:

“Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen, denn er wird sein Volk retten von seinen Sünden.” (Matthäus 1,21)

Jesus ist der Messias, um uns von unseren Sünden zu retten.

Jesus hat Blinde und Aussätzige geheilt.

“Und (Er wird ihn) zu einem Gesandten an die Kinder Israels (machen): “Ich komme zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn: […] und ich heile Blinde und Aussätzige […] Darin ist für euch ein Zeichen, so ihr gläubig seid.” (Sure 3,49)

“Und als Gott sprach: “O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, […] und als du Blinde und Aussätzige mit meiner Erlaubnis heiltest […]” (Sure 5,110)

Die Krankenheilungen Jesu sind in der Bibel reichlich bezeugt. Alle Stellen hier anzuführen, würde den Rahmen dieser Abhandlung sprengen. Jesus selbst hat in seiner Botschaft an Johannes den Täufer sein Wirken kurz zusammengefasst:

“Blinde werden sehend, und Lahme gehen, Aussätzige werden gereinigt, und Taube hören, und Tote werden auferweckt, und Armen wird gute Botschaft verkündigt.” (Matthäus 11,5)

Wir dürfen vertrauen, dass Er, der damals die Blinden sehend gemacht hat und die Aussätzigen gereinigt hat, auch uns heute von unserer geistlichen Blindheit heilen kann und uns vom Aussatz unserer Sünden reinigen kann.

Jesus hat Tote auferweckt.

“Und (Er wird ihn) zu einem Gesandten an die Kinder Israels (machen): “Ich komme zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn: […] und mache Tote wieder lebendig mit Gottes Erlaubnis; […] Darin ist für euch ein Zeichen, so ihr gläubig seid.” (Sure 3,49)

“Und als Gott sprach: “O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, […] und Tote mit meiner Erlaubnis herauskommen ließest; […]” (Sure 5,110)

Im Neuen Testament lesen wir, dass Jesus drei Menschen von den Toten erweckt hat:

  • den Jüngling von Nain: Lukas 7,11-17
  • die Tochter des Synagogenvorstehers Jairus: Matthäus 9,18-19.23-26;Markus 5,21-24.35-43;Lukas 8,40-42.49-56
  • Lazarus: Johannes 11,1-45

Wir zitieren hier nur einige Verse aus Johannes 11:

“Jesus spricht: Nehmt den Stein weg! Die Schwester des Verstorbenen, Marta, spricht zu ihm: Herr, er riecht schon, denn er ist vier Tage hier. 40 Jesus spricht zu ihr: Habe ich dir nicht gesagt, wenn du glaubtest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen? 41 Sie nahmen nun den Stein weg. Jesus aber hob die Augen empor und sprach: Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast. 42 Ich aber wusste, dass du mich allezeit erhörst; doch um der Volksmenge willen, die umhersteht, habe ich es gesagt, damit sie glauben, dass du mich gesandt hast. 43 Und als er dies gesagt hatte, rief er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! 44 Und der Verstorbene kam heraus, an Füßen und Händen mit Grabtüchern umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus spricht zu ihnen: Macht ihn frei und lasst ihn gehen! 45 Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und sahen, was er getan hatte, glaubten an ihn.” (Johannes 11,39-45)

Wichtig ist auch die geistliche Botschaft, die Jesus mit der Auferweckung des Lazarus verbunden hat:

“Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist; 26 und jeder, der da lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit. Glaubst du das?” (Johannes 11,25-26)

Jesus hatte Vollmacht über das Gesetz.

“Und (ich komme), das zu bestätigen, was von der Tora vor mir vorhanden war, und um euch einiges von dem zu erlauben, was euch verboten wurde. So komme ich zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn. Daher fürchtet Gott und gehorchet mir.” (Sure 3,50)

Der Koran bestätigt hiermit das, was wir Christen glauben, dass Jesus Teile des Alten Testaments, insbesondere die jüdischen Speisegebote, abgeschafft hat.

Im Markusevangelium finden wir folgende Worte Jesu an seine Jünger:

“Und er spricht zu ihnen: Seid auch ihr so unverständig? Begreift ihr nicht, dass alles, was von außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht verunreinigen kann? 19 Denn es geht nicht in sein Herz hinein, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den Abort. Damit erklärte er alle Speisen für rein. 20 Er sagte aber: Was aus dem Menschen herauskommt, das verunreinigt den Menschen. 21 Denn von innen aus dem Herzen der Menschen kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord, 22 Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit; 23 alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus und verunreinigen den Menschen.” (Markus 7,18-23)

Jesus zeigte dadurch auch, dass er der ist, den Mose in der Thora angekündigt hat:

“Einen Propheten wie mich wird dir der HERR, dein Gott, aus deiner Mitte, aus deinen Brüdern, erstehen lassen. Auf ihn sollt ihr hören.” (Deuteronomium 18,15)

Nur ein Prophet wie Mose hatte die Autorität, “einiges von dem zu erlauben, was euch (in der Thora) verboten wurde”. Nach dem Koran hatte Jesus diese Autorität8.

Jesus schafft.

“Und (Er wird ihn) zu einem Gesandten an die Kinder Israels (machen): “Ich komme zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn: Ich schaffe euch aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt, dann blase ich hinein, und es wird zu einem Vogel mit Gottes Erlaubnis; […] Darin ist für euch ein Zeichen, so ihr gläubig seid.” (Sure 3,49)

“Und als Gott sprach: “O Jesus, Sohn Marias, gedenke meiner Gnade zu dir und zu deiner Mutter, als Ich dich mit dem Geist der Heiligkeit stärkte, […] und als du aus Ton etwas wie eine Vogelgestalt mit meiner Erlaubnis schufest und dann hineinbliesest und es mit meiner Erlaubnis zu einem Vogel wurde; […]” (Sure 5,110)

Diese Begebenheit finden wir nicht in der Bibel, wohl aber in später entstandenen apokryphen Schriften, wie etwa dem sogenannten Kindheits”evangelium” des Thomas9. Diese beiden Koranverse sind deswegen bemerkenswert, da sie für das Handeln Jesu das Wort “schaffen” verwenden. Dieses Wort bezeichnet sonst immer das Handeln Gottes. Allein Gott ist der Schöpfer, wie es auch in folgendem Vers klar ausgedrückt wird:

“O ihr Menschen, ein Gleichnis wird (euch) vorgetragen, so hört darauf. Diejenigen, die ihr anstelle Gottes anruft, können niemals auch nur eine Fliege erschaffen, auch wenn sie sich dafür zusammentun. Und wenn die Fliege ihnen etwas raubte, könnten sie es ihr nicht entreißen. Schwach ist (hier) der, der sucht, und das, was gesucht wird.” (Sure 22,73)

Das Indschil bezeugt klar, dass Jesus viel mehr ist als der Schöpfer eines Vogels aus Ton. Durch ihn, der das ewige Wort Gottes ist, hat Gott das ganze Universum erschaffen:

“Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles wurde durch dasselbe, und ohne dasselbe wurde auch nicht eines, das geworden ist.” (Johannes 1,1-3)

“Denn in ihm ist alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden, das Sichtbare und das Unsichtbare, es seien Throne oder Herrschaften oder Gewalten oder Mächte: Alles ist durch ihn und zu ihm hin geschaffen; 17 und er ist vor allem, und alles besteht durch ihn.” (Kolosser 1,16-17)

Jesus erwartet unseren Gehorsam.

“Und (ich komme), das zu bestätigen, was von der Tora vor mir vorhanden war, und um euch einiges von dem zu erlauben, was euch verboten wurde. So komme ich zu euch mit einem Zeichen von eurem Herrn. Daher fürchtet Gott und gehorchet mir.!” (Sure 3,50)

“Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.” (Johannes 14,15)

Wer Gott fürchtet, gehorcht Jesus. Um Jesus gehorchen zu können, müssen wir aber seine Gebote kennen. Die Gebote Jesu finden wir aber nicht im Koran, sondern nur im Evangelium10. Daher ist es auch notwendig, das Evangelium zu lesen, um die Gebote Jesu kennenzulernen. Nur so können wir erfüllen, was in Sure 3,50 geboten wird.

Gott hat Jesus zu sich erhoben.

“Als Gott sprach: “O Jesus, Ich werde dich abberufen und zu Mir erheben und dich von denen, die ungläubig sind, rein machen. Und Ich werde diejenigen, die dir folgen, über die, die ungläubig sind, stellen bis zum Tag der Auferstehung. Dann wird zu Mir eure Rückkehr sein, und Ich werde zwischen euch über das urteilen, worüber ihr uneins waret.” (Sure 3,55)

“Sondern Gott hat ihn zu sich erhoben. Gott ist mächtig und weise.” (Sure 4,158)

Nur über Jesus sagt der Koran, dass Gott ihn zu sich erhoben hat. Das heißt, dass Jesus jetzt in der Gegenwart Gottes lebt, während andere Propheten wie Mohammed im Grab auf den Tag ihrer Auferstehung warten.

Über den Propheten Idris (möglicherweise entspricht er dem Henoch11 der Bibel) wird etwas Ähnliches gesagt:

“Und Wir erhoben ihn an einen hohen Ort.” (Sure 19,57)

Aber Henoch wurde nur “an einen hohen Ort” erhoben, Jesus hingegen ist bei Gott.

Die Bibel spricht wiederholt über die “Erhöhung” Jesu zu Gott. Als ein wichtiges Beispiel sei hier nur eine Stelle aus dem Brief des Paulus an die Philipper angeführt:

“Habt diese Gesinnung in euch, die auch in Christus Jesus war, 6 der in Gestalt Gottes war und es nicht für einen Raub hielt, Gott gleich zu sein. 7 Aber er machte sich selbst zu nichts und nahm Knechtsgestalt an, indem er den Menschen gleich geworden ist, und der Gestalt nach wie ein Mensch befunden, 8 erniedrigte er sich selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz. 9 Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, 10 damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, 11 und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.” (Philipper 2,5-11)

Die Erhöhung Jesu hat die Konsequenz, dass sich vor ihm jedes Knie beugt, nicht weil er ein anderer Gott ist, sondern weil er von Anfang an “in Gestalt Gottes” war. Wer Jesus anbetet, betet den einzigen wahren Gott an.

Abschließende Gedanken

Der Koran sagt vieles über Jesus, aber alle Informationen sind bruchstückhaft und auf verschiedene Suren verstreut. Um Jesus wirklich kennenzulernen, führt kein Weg an der Bibel vorbei. Nur im Neuen Testament finden wir die Fülle der Worte und Taten Jesu. Jeder Muslim ist verpflichtet, an alle Gesandten Gottes und an alle Heiligen Schriften zu glauben. Wir laden jeden ein, das Evangelium zu lesen und sein Herz zu öffnen für die Worte, die Gott uns durch Jesus offenbart hat. In ihnen finden wir das ewige Leben.


  1. die Jünger Jesu, die ihm besonders nahe standen 
  2. “So sei geduldig. Das Versprechen Gottes ist wahr. Und bitte um Vergebung für deine Sünde. Und sing das Lob deines Herrn am Abend und am frühen Morgen.” (Sure 40,55) 
  3. “Wisse nun, dass es keinen Gott gibt außer Gott. Und bitte um Vergebung für deine Sünde und für die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen. Gott weiß, wo ihr umherzieht und wo ihr bleibt.” (Sure 47,19) 
  4. “Damit Gott dir deine Sünden vergebe, die früheren und die späteren, und damit Er seine Gnade an dir vollende und dich einen geraden Weg führe.” (Sure 48,2) 
  5. Isai ist der Vater Davids. Jesus kommt aus der Familie Davids. Er ist so der Wurzelspross Isais, in dem Gott dieses prophetische Wort erfüllt hat. 
  6. A. T. Khoury hat in seiner Übersetzung das arabische “masih”, das dem hebräischen “meschiach” bzw. dem griechischen “christos” entspricht, mit “Christus” wiedergegeben. Die wörtliche Bedeutung dieses Wortes in allen diesen Sprachen ist der “Gesalbte”. 
  7. Der Prophet Samuel meint hier den König Saul. 
  8. Manchmal wird argumentiert, dass der von Mose angekündigte Prophet “aus deinen Brüdern”, d. h. den Arabern kommen werde, und dass dieser Prophet in der Person Mohammeds gekommen sei. Dieses Argument berücksichtigt nicht, dass dieselbe Formulierung auch für den König verwendet wird, der aber ausdrücklich aus dem Volk Israel kommen sollte: “Aus der Mitte deiner Brüder sollst du einen König über dich setzen. Du sollst nicht einen Ausländer über dich setzen, der nicht dein Bruder ist.” (Deuteronomium 17,15) 
  9. “Das Knäblein Jesus, als es fünfjährig geworden war, spielte einst an der Furt eines Baches und leitete die dahinfließenden schmutzigen Wasser seitwärts in Gruben zusammen und machte sie sogleich klar, und zwar durchs Wort allein gebot er über sie. Und er machte aus Erde und Wasser einen schlammigen Lehmteig und formte daraus zwölf Sperlinge. Und es war Sabbat, als er das tat. Es waren aber noch viele andere Kinder mit ihm zusammen beim Spiel. Es sah aber ein Jude, was Jesus da beim Spielen am Sabbat tat, und ging spornstreichs hin und meldete seinem Vater Joseph: “Siehe, dein Knäblein steht da am Bach und hat Lehm genommen und zwölf Vöglein draus geformt und mit dieser Arbeit den Sabbat entweiht.” Und Joseph kam an den Platz, sah’s und schrie ihn an: “Warum tust du am Sabbat solche Dinge, die zu tun doch nicht erlaubt ist?” Jesus aber klatschte in seine Hände und rief den Sperlingen zu und sagte ihnen: “Auf! Davon!” Und die Sperlinge schlugen mit den Flügeln und machten sich schreiend davon. Als aber die Juden das sahen, da erschraken sie und gingen hin und erzählten ihren Oberen, was sie Jesus hatten tun sehen.” (Kindheitserzählung des Thomas, 1,1-5 – aus Erich Weidinger, Die Apokryphen, Bechtermünz Verlag, S. 446-447) 
  10. Zum Vorwurf, dass das Evangelium verfälscht worden sei, sei auf unsere Abhandlung “Das Wort Gottes kann nicht abgeändert werden” hingewiesen. 
  11. “Und Henoch lebte 65 Jahre und zeugte Metuschelach. 22 Und Henoch wandelte mit Gott, nachdem er Metuschelach gezeugt hatte, 300 Jahre und zeugte Söhne und Töchter. 23 Und alle Tage Henochs betrugen 365 Jahre. 24 Und Henoch wandelte mit Gott; und er war nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg.” (Genesis 5,21-24) 

Wer ist der, den Jesus ankündigt?

“Und als Jesus, der Sohn Marias, sagte: “O Kinder Israels, ich bin der Gesandte Gottes an euch, um zu bestätigen, was von der Tora vor mir vorhanden war, und einen Gesandten zu verkünden, der nach mir kommt: sein Name ist Ahmad.” Als er nun mit den deutlichen Zeichen zu ihnen kam, sagten sie: “Das ist eine offenkundige Zauberei.” Sure Aş -Şaff (61), 6

Wir wollen uns hier wegen Vers 6 aus Sure Aş -Şaff mit diesem Thema beschäftigen, denn oft wird sie auf folgende Stellen im Indschil bezogen: Johannes 14,15.26; 15,25 sowie 16,7.12. Wir möchten sie uns im Folgenden genau anschauen.

Lesen wir im Johannes-Evangelium, besonders die Kapitel 14 bis 16, so finden wir viele Aussagen, in denen Jesus darauf hinweist, dass nach ihm noch eine Person kommen wird. Er nennt ihn “Parakletos”1 und “Heiliger Geist”2 und “Geist der Wahrheit”.

Wer ist nun der, den Jesus ankündigt?

Jesus spricht:

“Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten; und ich werde den Vater3 bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht verwaist zurücklassen, ich komme zu euch.” (Johannes 14,15-18)

Aus diesen Versen sehen wir, dass der, den Jesus ankündigt, zwar wohl eine Person ist, denn er nennt ihn “anderen Beistand”, dass diese Person aber dennoch kein Mensch ist:

“[…] dass er bei euch sei in Ewigkeit“ (Ein Mensch lebt nicht ewig auf Erden!),

“[…] Geist der Wahrheit” (Einen Menschen bezeichnet man üblicherweise nicht als Geist!),

“[…] den die Welt nicht empfangen kann […]” (Wie sollte man das auf einen Menschen bezogen verstehen?), “[…] weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt” (Ein Mensch ist sichtbar!),

“[…] denn er bleibt bei euch und wird in euch sein” (Dies ist unmöglich auf einen Menschen zu beziehen, denn ein Mensch kann nicht in anderen Menschen sein!).

Jesus spricht weiter:

“Das habe ich zu euch geredet, während ich bei euch weile. Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.” (Johannes 14, 25-26)

Die Aufgabe dessen, den Jesus ankündigt, ist, die Jünger4 zu lehren und an alles zu erinnern, was Jesus ihnen gesagt hatte. Dies geschah auch 10 Tage, nachdem Jesus die Erde verließ – jetzt ist Jesus bei Gott. Weiter unten gehen wir genauer darauf ein.

Lesen wir weiter im Johannesevangelium, finden wir die nächsten Hinweise in folgenden Stellen:

“Wenn der Beistand, gekommen ist, den ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgeht, so wird der von mir zeugen. Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei mir seid.” (Johannes 15,26-27)

“Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du?, sondern weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht gehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von der Sünde aber, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater gehe und ihr mich nicht mehr seht; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt5 gerichtet ist. Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er nehmen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen nimmt und euch verkündigen wird.” (Johannes 16,5-15)

Was die Aufgabe des Beistandes, des Parakleten, betrifft, geben auch diese eben zitierten Verse Aufschluss:

15,27: “[…] er wird von mir zeugen.”

16,8-10: “[…] er überführt von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht.”

Sünde, Gerechtigkeit und Gericht stehen im Zusammenhang mit Jesus:

Der Parakletos soll aufzeigen, dass es Sünde ist, an Jesus nicht (richtig) zu glauben, dass es Gerechtigkeit vor Gott ist, dass Jesus nicht weiter auf der Erde bleibt und dass Jesus den Teufel besiegt hat. Die Aufgabe des Parakleten besteht also im Hinweisen auf Jesus, den Messias (‘Īsā al-Masih)

16, 13: “[…] der Geist der Wahrheit […] wird in die ganze Wahrheit leiten.”

Kann man das anders verstehen, als dass Gott die Gläubigen durch diesen Parakleten führen will?

Jesus offenbarte viel über Gottes liebendes Wesen. Wir erfahren aus den Worten Jesu, dass Gott uns, seine Geschöpfe, sehr liebt und uns nahe sein möchte. Er möchte uns führen6. Gott sieht, dass wir seine Hilfe brauchen und er will uns nicht wie irrende Schafe ohne Hirten lassen (das steht ausführlicher im Indschil, im 10. Kapitel des Johannes7).

Sogar bereits im so genannten Alten Testament – Thora (Taurāt), Psalmen (Zabūr) und Propheten (Nabiyyūn) – finden wir Prophetien darüber, dass Gott in späterer Zeit sein Volk anders – direkter – lehren, anleiten, führen wird. Also, nicht nur durch die Gabe von Gesetzen oder das Senden von Propheten, sondern Gott sagte durch seinen Propheten Ezechiel (Nabiyy Du-l-Kifl):

“Und ich werde euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euer Inneres geben; und ich werde das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Und ich werde meinen Geist in euer Inneres geben; und ich werde machen, dass ihr in meinen Ordnungen lebt und meine Rechtsbestimmungen bewahrt und tut.” (Ezechiel 36, 26-27)

Gott hat schon damals die Menschen wissen lassen, dass eine Zeit kommt, in der nicht nur einzelne Propheten oder religiöse Lehrer den Willen Gottes eindeutig erkennen können, sondern dass Gott seinen Willen jedem Gläubigen zu erkennen gibt. (Wir bezeichnen nicht die als Gläubige, die religiöse Traditionen pflegen, sondern denen das wichtigste im Leben die tatsächliche Gottesverehrung ist.)

Gottes Geist zu haben bedeutet also:

Durch Gottes Wirken ist diesen Menschen das Gute (der gute Wille Gottes) im Innern ganz nah, sie tun deshalb (aus innerer Motivation) ganz selbstverständlich das Gute, sie lassen sich von Gottes Willen leiten.

Als der Prophet Johannes der Täufer (Yahyā) seinen Zuhörern sagte:

“Ich zwar taufe euch mit Wasser zur Buße, der aber nach mir kommt, ist stärker als ich, dessen Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; er wird euch mit Heiligem Geist und Feuer taufen; seine Worfschaufel ist in seiner Hand, und er wird seine Tenne durch und durch reinigen und seinen Weizen in die Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit unauslöschlichem Feuer verbrennen.” (Matthäus 3,11-12)

so verstanden sie: Johannes kündet das baldige Kommen des Messias (‘Īsā al-Masih) an. Dieser ist es, der Gericht hält und durch den tiefere Gotteserkenntnis und ein Leben im Gehorsam möglich wird. Mit Heiligem Geist taufen bedeutet, mit gottgemäßem Verständnis ausgerüstet zu werden, von Gott zu gottverehrendem (geistlichem) Verständnis angeleitet zu werden.

Aus dem Bericht des Lukas – genannt Apostelgeschichte, sie ist der 5.Teil des Indschil – erfahren wir:

“Und als er mit ihnen versammelt war, befahl er ihnen, sich nicht von Jerusalem zu entfernen, sondern auf die Verheißung des Vaters zu warten – die ihr, [sagte er], von mir gehört habt; denn Johannes taufte mit Wasser, ihr aber werdet mit Heiligem Geist getauft werden nach nicht mehr vielen Tagen […]” (Apostelgeschichte 1,4-5)

Zehn Tage nachdem Jesus dies gesagt hatte traf es ein …

Gottesfürchtige Männer verschiedener Nationen waren gerade in Jerusalem wegen des jüdischen “Festes der Wochen” zusammengekommen. In der Apostelgeschichte im 2. Kapitel ist dieses Wunder beschrieben. Der Parakletos bewirkte, dass sie einander verstehen konnten. Jesu Botschaft war es, dass alle Gottergebenen nach Einheit suchen und in tiefer Einheit leben als ein geistliches Volk Gottes, als eine Ummah.

Der Parakletos, der Heilige Geist, ließ sie erkennen, dass Jesus als geistlicher Messias verstanden sein wollte und derselbe Heilige Geist war es auch, der in den Gläubigen die Liebe zueinander bewirkte. Niemand sagte es ihnen, dass sie ihre Güter teilen und sich täglich treffen sollten. Doch das gemeinsame Interesse an der Wahrheit – und das gemeinsame nun geistliche Verständnis vom Reich Gottes und seines Messias Jesus war das Werk des Parakleten, den Jesus auch den Geist der Wahrheit nannte. Sie forschten täglich in den Schriften und waren aneinander interessiert. So auch noch heute …

Wichtig ist noch, dass die angekündigte “Geistausgießung” sich nicht auf die Juden beschränkt. Bereits im Alten Testament gibt es Stellen, dass nicht nur die Juden Gottes Willen erkennen können, sondern auch Heiden, die sich vom Götzendienst abwenden, zu Gottes Volk gehören.

Ebenso zeigte Jesus deutlich seinen Zeitgenossen auf, dass Gott allen helfen will, aber nur denen helfen kann, die sich ihrer Sünden oder Abhängigkeit von Gott bewusst sind, jedoch nicht den Selbstgerechten (die denken, sie brauchen keine Hilfe von Gott). Gott will allen Menschen helfen – er will eines jeden Menschen Gott sein, er will jeden Menschen lehren.

Jesus selbst konnte nur zu einer bestimmten Anzahl von Menschen sprechen, deshalb sagte er, dass es nützlich ist, dass er geht. Denn er wird den Parakletos senden, der einem jeden Menschen, der das will, hilft, ein von Gott Gelehrter zu sein, ein Freund Gottes zu sein.

Gott zu verstehen, ist weder eine Sache der Intelligenz noch des Gefühls, sondern aufrichtiger Motive.

Aus all dem ergibt sich, dass sich Sure Aş -Şaff (61), 6 nicht auf die oben erwähnten Stellen im Indschil beziehen kann. Der von Jesus verheißene Paraklet kann also nur der Heilige Geist sein, der Jesus als den Abschluss und Erfüller der göttlichen Offenbarung bestätigt.


  1. Parakletos – warum wir diese Wiedergabe (und nicht Periklytos) als die korrekte sehen (es gibt sprachliche Gründe, die die Deutung als Periklytos unmöglich machen) werden wir auf Wunsch gern darlegen. Das griechische Wort Parakletos bedeutet auf Deutsch: Beistand, Fürsprecher, Helfer. 
  2. Heiliger Geist – wir Christen verstehen darunter nicht einfach eine göttliche Kraft, sondern “einen, der tröstet” und “Gottes unsichtbare Gegenwart” 
  3. Vater – damit drückt Jesus die enge innere Verbundenheit aus und meint keinesfalls eine Vaterschaft im sexuellen Sinn! 
  4. Jünger – anderes Wort für Schüler; es sind hier die 12 Männer gemeint, die mit Jesus zusammen waren, sie sahen ihn als ihren Lehrer und sind deshalb seine Schüler 
  5. Fürst dieser Welt – damit ist der Teufel (Iblīs) gemeint 
  6. führen – im Sinne von Weisung geben, anleiten, Gedanken geben; kein marionettenhaftes Führen 
  7. Johannes 10,1 – 42 (Falls du keine Möglichkeit hast, den Text in der Bibel nachzulesen, schreib’ uns bitte) 

Kirche (Ummatu – Al-Mu´minin)

Sure 2, 128-129 (Abraham betete):

“Unser Herr, mache uns beide Dir ergeben und (mache) aus unserer Nachkommenschaft eine Gemeinschaft, die Dir ergeben ist. Und zeige uns unsere Riten, und wende Dich uns gnädig zu. Du bist der, der sich gnädig zuwendet, der Barmherzige. Unser Herr, lass unter ihnen einen Gesandten aus ihrer Mitte erstehen, der ihnen deine Zeichen verliest und sie das Buch und die Weisheit lehrt und sie läutert. Du bist der Mächtige, der Weise.”

Gottes Gemeinde, d. h. sein Reich, kann nur dort sein, wo Menschen Gott König sein lassen, also ihr Leben nach Gottes Gesetzen ausrichten. Wir Christen nennen das: “Wo Menschen sich von Gott führen lassen”. Gott hat seinen Willen Mose (Mūsā) durch Gesetze offenbart und Gott sandte Propheten, DAMIT wir Gott verstehen und ihn lieben. Nur wo Menschen Gottes Willen tun wollen, wird Gott geehrt. Nur dort kann man von Gottes Gemeinde sprechen. Ob ein Mensch Gott dienen will, ist seine eigene freie Entscheidung. Es ist unmöglich und auch falsch, per Geburt oder formellen Akt (z. B. Taufe oder Abstammung) festzulegen, wer Gott dient. Denn Gott dienen (= Gottesdienst) ist eine Sache des Herzens und keine formale Angelegenheit. Dieses Verständnis von Gottesdienst lehrt das Indschil im Römerbrief 12,1-2:

“Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer, was euer vernünftiger Gottesdienst ist. Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist:
das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.”

Dem Willen Gottes entsprechend zu leben heißt also nicht, formelle Handlungen zu vollziehen, sondern in jeder Situation zu prüfen, was gut und Gott wohlgefällig ist und dies dann auch zu tun.

Die oben zitierte Stelle beweist, dass die Christen früher die Worte Jesu ganz anders verstanden als wir es heutzutage allgemein antreffen. Auch die meisten von uns wurden in traditionell “kirchlichem” Sinn erzogen und es war oft nicht leicht, zu erkennen, dass die Worte Jesu in eine ganz andere Richtung weisen als uns vertraut war. Wir mussten lernen, Richtiges von Falschem zu unterscheiden und uns vom Falschen abzugrenzen bzw. auf Falsches aufmerksam zu machen.

Wenn wir hier darüber schreiben, was Kirche (Gottes Gemeinde, Gottes Reich) ist, beziehen wir uns auf die Worte des Indschil. Kirche ist nicht das, was durch Tradition und Korruption im Laufe der Jahrhunderte entstanden ist und sich heute Kirche nennt. Was im Sinne Gottes Gemeinde (arabisch: Ummah) ist, können wir daran beurteilen, ob es mit dem offenbarten Wort Gottes übereinstimmt.

An den Stellen, wo im deutschen Indschil das Wort “Kirche“ oder “Gemeinde“ übersetzt steht, finden wir im Griechischen “ekklesia“, was übersetzt “die Herausgerufene“ heißt. Kirche ist also die Gemeinschaft derjenigen, die sich aus dem gottlosen Leben herausrufen ließen. Das deutsche Wort “Kirche“ kommt vom griechischen “kyriake“ = “dem Herrn (kyrios) gehörend, dem Herrn anhängend“. Man gehört Gott an, wenn man seine Gebote hält. Das ist für jeden möglich, denn unser guter Gott hilft jedem, der das Gute wirklich will.

Kirche ist also kein Gebäude, sondern die Bezeichnung für geistliche Bruderschaft.

Im Indschil heißt es:

“Und es kommen seine (Jesu) Mutter und seine Brüder; und sie standen draußen, sandten zu ihm und riefen ihn, Und eine Volksmenge saß um ihn her; sie sagten aber zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder und deine Schwestern draußen suchen dich. Und er antwortete ihnen und spricht: Wer sind meine Mutter und meine Brüder? Und er blickte umher auf die um ihn im Kreise Sitzenden und spricht: Siehe, meine Mutter und meine Brüder! Wer den Willen Gottes tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.” (Markus 3,31-35)

“Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater1 geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbaren.” (Johannes 14,21)

So widerspricht es offensichtlich dem Willen Gottes, dass ein Einzelner für andere festlegt, wie man zu glauben hat. Es war seit Adam Gottes Wille, dass jeder Mensch Gott erkennt, ihn versteht und ihm dient. Dort, wo man aus Gottesfurcht und Liebe zueinander zusammenkommt, gibt Gott seinen Segen, das hat er durch seine Propheten (Nabiyyūn) Jesaja und David (Dāwūd) versprochen.

“Denn so spricht der Hohe und Erhabene, der in Ewigkeit wohnt und dessen Name der Heilige ist: In der Höhe und im Heiligen wohne ich und bei dem, der zerschlagenen und gebeugten Geistes ist, um zu beleben den Geist der Gebeugten und zu beleben das Herz der Zerschlagenen.” (Jesaja 57,15)

“Siehe, wie gut und wie lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen. Wie das köstliche Öl auf dem Haupt, das herabfließt auf den Bart, auf den Bart des Aarons, das herabfließt auf den Halssaum seiner Kleider. Wie der Tau des Hermon, der herabfließt auf die Berge des Zions. Denn dorthin hat der HERR den Segen befohlen, Leben bis in Ewigkeit.” (Psalm (Zabūr) 133)

Manch einer könnte meinen, dass man aber einen Leiter braucht, weil sonst ein Durcheinander entsteht. Das ist prinzipiell richtig. Es stellt sich jedoch die Frage, ob Gott als Leiter genügt oder ob es dem Willen Gottes entspricht, wenn es noch zusätzlich einen Leiter (Pfarrer, Priester, religiöser Leiter) in einer Gemeinschaft von Gläubigen gibt.

Wir können uns anschauen, was Jesus dazu im Indschil gesagt hat:

“Sie lieben aber den ersten Platz bei den Gastmählern und die ersten Sitze in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten und von den Menschen Rabbi2 genannt zu werden. Ihr aber lasst ihr euch nicht Rabbi nennen! Denn einer ist euer Lehrer, ihr alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch nicht jemanden auf der Erde euren Vater nennen; denn einer ist euer Vater, nämlich der himmlische. Lasst euch auch nicht Meister nennen; denn einer ist euer Meister, der Christus. Der Größte aber unter euch soll euer Diener sein. Wer sich aber selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.” (Matthäus 23,6-12)

Jesus kritisiert hier nicht nur die Ehrsucht der jüdischen geistlichen Lehrer, sondern er meint, dass niemand so genannt werden soll, sondern alle gleichermaßen Brüder sind. In der von Jesus gewollten Gemeinde (Ummah) gibt es keinen Leiter außer Gott. Jeder übernimmt grundsätzlich Verantwortung für den anderen. Auch in Fragen des Glaubens ist es das Bedürfnis eines jeden, den eigenen Glauben verstehen und begründen zu können und sich dabei gegenseitig zu helfen.

“Es entstand aber auch ein Streit unter ihnen (den Anhängern Jesu), wer von ihnen für den Größten zu halten sei. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und die Gewalt über sie üben, lassen sich Wohltäter nennen. Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngste und der Leiter wie der Dienende. Denn wer ist größer, der zu Tisch Liegende oder der Dienende? Nicht der zu Tisch Liegende? Ich aber bin in eurer Mitte wie der Dienende.” (Lukas 22,24–27)

Auch in eben zitierter Aussage “… Ihr aber nicht so! …” verurteilt Jesus nicht nur die stolze Gesinnung, sondern drückt klar aus, dass es keine Rangunterschiede unter denen geben darf, die Gott dienen. Wenn es anders ist, ist das weltlich3.

Christen leben wie Geschwister ohne Hierarchie, sie haben nur Gott als Leiter.

Ob nun jemand Christ ist oder es nur behauptet, erkennt man daran, ob er in der von Jesus befohlenen dienenden Gesinnung lebt.

“Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr einander liebt, damit wie ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebt. Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.” (Johannes 13,34-35)

Wahrhafte Liebe anderen gegenüber ist das Kennzeichen echter Liebe zu Gott.

Jesus formulierte keine Kirchenordnung, keinen Gottesdienstablauf – sondern er gab sich selbst als Vorbild: Die Hingabe an Gott und den Nächsten und das Bemühen um tiefe Einheit ist das Wesentliche.

Aus dem Bericht in Apostelgeschichte 2,42-47 erkennen wir, dass diejenigen, die Jesu Ruf ernst nahmen, dies ebenso verstanden, indem sie sich jeden Tag trafen, alles miteinander teilten und in Einheit zusammen waren.

“Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten. Es kam aber über jede Seele Furcht, und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Alle Gläubiggewordenen aber waren beisammen und hatten alles gemeinsam; und sie verkauften die Güter und die Habe und verteilten sie an alle, je nachdem einer bedürftig war. Täglich verharrten sie einmütig im Tempel und brachen zu Hause das Brot, nahmen Speise mit Jubel und Schlichtheit des Herzens, lobten Gott und hatten Gunst beim ganzen Volk.” (Apostelgeschichte 2,42-47a)

Das Treffen zu so genannten “Gottesdiensten” zu bestimmten Uhrzeiten am Sonntag widerspricht der Bibel. Es ist eine Einführung aus späterer Zeit (aus dem 2. Jahrhundert nach Jesus) und hat mit dem ursprünglichen Christentum nichts gemeinsam, sondern Formalismus zur Ursache.

Jesus bemühte sich darum, dass die Menschen Gottes Willen inhaltlich verstehen und nicht formal ausüben und auch nicht politisch interpretieren.

Als Jesus lebte, waren die Juden unter römischer Besatzung. Die Erwartung eines politischen Befreiers (Messias) war im Volk sehr groß und sie wollten Jesus als solchen verstehen. Jesus drückte mehrmals unmissverständlich aus, dass er nicht an die Menschen appelliert, ein politisches Gottesreich zu errichten, sondern ein geistliches.

“[…] Mein Reich ist nicht von dieser Welt […]” (Johannes 18,36)4

“[…] das Reich Gottes ist mitten unter euch […]” (aus Lukas 17,20-21)5

So wie wir in der Sure 2,128-129 ganz zu Anfang lasen, war es bereits damals das Gebet Abrahams, dass ein Gesandter komme, der das Volk zu tiefem Verständnis des Wortes Gottes führt und es läutert. Jesus ging es genau darum, den Juden zu zeigen, dass sie statt politischer Freiheit von den Römern die eigentliche Freiheit, nämlich eine Freiheit zum unabgelenkten Tun des guten Willens Gottes brauchen. Dieser Gesandte (Messias = Retter) ist Jesus. Er lehrte Gottes Willen so deutlich, dass es durch das tiefere Verständnis des Guten möglich wird, das Schlechte leichter zu durchschauen und abzulehnen. Wir Christen glauben, dass Jesus nicht nur eine Offenbarung von Gott brachte, sondern Gott sich selbst in Jesus offenbarte und Jesus deshalb das Gute einzigartig tief erklärte.

Nicht Gott braucht etwas von uns, sondern wir brauchen es, Gott richtig zu verstehen und dem entsprechend unser Leben zu führen. Wir können Gott nichts geben, sondern wir sollen ihm “unser Leben opfern” in dem Sinn, dass wir ihn ganz lieben und verehren. Nur Gott ist unserer Verehrung würdig.

Jesus rief alle Menschen zur Umkehr auf, zur richtigen Hingabe an den einen Gott (Tauhīd). Er sprach klare Worte. Wer nicht von ganzem Herzen Gott sucht, kann nicht Gottes Diener (Mu´min) sein. In diesem Sinn verstehen wir Christen uns als Al-Mu´minūn, nämlich, dass wir unser ganzes Leben in inniger Hingabe an Gott führen und einander helfen, gehorsam zu leben.

Jesus erhob den Anspruch, dass wir von ihm am besten lernen können, wie wir fähig werden, Gott zu dienen. Deshalb rief Jesus alle Menschen auf, auf seine Worte zu hören, IHM nachzufolgen: das Gute zu lieben.

Das Gute zu lieben bedeutet auch, dass man sich von allem Schlechten distanzieren muss.

David sang im Psalm (Zabūr) 1 Vers 5, dass der Sünder nicht in der Gemeinde der Gerechten besteht:

“Glücklich der Mann, der nicht folgt dem Rat der Gottlosen, den Weg der Sünder nicht betritt und nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern seine Lust hat am Gesetz des HERRN und über sein Gesetz sinnt Tag und Nacht! Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht. Darum bestehen Gottlose nicht im Gericht, noch Sünder in der Gemeinde der Gerechten. Denn der HERR kennt den Weg der Gerechten; aber der Gottlosen Weg vergeht.” (Psalm 1)

Wie oben erwähnt, verstehen sich Christen als diejenigen, die sich herausrufen ließen aus einer verdrehten (Gott abgewandten)6 Gesellschaft.

Jesus sprach von zwei Wegen:

“Geht hinein durch die enge Pforte! Denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind, die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden. Hütet euch aber vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.” (Matthäus 7, 13-23)

Nur wer auf dem schmalen Weg des Gehorsams geht, kommt bei Gott an. Jesus meinte damit nicht, dass es nur wenige sein dürfen, sondern als Realist wusste Jesus, dass es nur wenige sein werden. Es werden nur wenige sein, denen die Hingabe an Gott wichtiger ist als ein Leben nach eigenen – durchaus auch eigenen religiösen – Vorstellungen.

“Geht nicht unter fremdartigem Joch mit Ungläubigen! Denn welche Verbindung haben Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Oder welche Gemeinschaft Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung Christus mit Belial? Oder welches Teil ein Gläubiger mit einem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn wir sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie Gott gesagt hat: «Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.» Darum geht aus ihrer Mitte hinaus und sondert euch ab!, spricht der Herr. Und rührt Unreines nicht an! Und ich werde euch annehmen und werde euch Vater sein, und ihr werdet mir Söhne und Töchter sein, spricht der Herr, der Allmächtige. Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, so wollen wir uns reinigen von jeder Befleckung des Fleisches und des Geistes und die Heiligkeit vollenden in der Furcht Gottes.” (2 Korinther 6,14 – 7,1)

“Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist! Wenn jemand die Welt liebt, ist die Liebe des Vaters nicht in ihm; denn alles, was in der Welt ist, die Begierde des Fleisches und die Begierde der Augen und der Hochmut des Lebens, ist nicht vom Vater, sondern ist von der Welt. Und die Welt vergeht und ihre Begierde; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.” (1 Johannes 2,15-17)

“Meint nicht, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter; und des Menschen Feinde werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht würdig; und wer nicht sein Kreuz aufnimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig. Wer sein Leben findet, wird es verlieren, und wer sein Leben verliert um meinetwillen, wird es finden.” (Matthäus 10,34-39)

Als Jesus davon sprach, dass er nicht gekommen ist, Frieden zu bringen, sondern das Schwert, wollte er nicht politisch verstanden werden. Seine Absicht war nicht, einen Krieg zu beginnen, sondern er meinte das geistlich: Die Trennung aufgrund des Glaubens geht mitten durch die festesten menschlichen Beziehungen. Gerade vonseiten ungläubiger Freunde und Familienmitglieder erlebt man die stärksten Anfeindungen. Bei alledem sollen wir Gott gehorchen und nicht Menschen entsprechen wollen.

“Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muss Gott mehr gehorchen als Menschen.” (Apostelgeschichte 5,29)

Unter Abgrenzung vom Schlechten (auch von bösen Menschen) verstehen wir nicht, dass man alles Schlechte in der Welt vernichtet. Ein Gottloser besitzt dennoch Menschenrechte und wird einst von Gott gerichtet. Man muss ihm die Freiheit zugestehen, sein Leben so zu führen, wie er es will, es sei denn, er gefährdet oder zerstört das Leben eines anderen.

Bevor wir uns distanzieren, müssen wir beurteilen, warum etwas falsch ist. Es ist wichtig, Falschheit beim Namen zu nennen, aufzuklären und zur Änderung aufzurufen. Erst wenn kein Wille zum Guten erkennbar ist, ist deutliche Abkehr angemessen. Abgrenzung ist nicht eine Sache des Selbstschutzes, sondern der Liebe zur Wahrheit (dass die Wahrheit nicht verfälscht wird). Auch wenn es wichtig ist, die Sünde zutiefst abzulehnen, darf man jedoch den Sünder nicht ebenfalls ablehnen, sondern muss eine immer liebende, d.h. helfende Gesinnung auch ihm gegenüber bewahren. Jesus nannte das Feindesliebe.

Christen suchen mit allen Menschen Frieden und Einheit. Wirkliche Einheit besteht jedoch gerade darin, dass man unvoreingenommen die unterschiedlichen Standpunkte bespricht, sich gegenseitig verstehen und zu der einen Wahrheit finden will. Wir sind überzeugt, dass der eine Gott – der Schöpfer des Himmels und der Erde – jedem Gottesfürchtigen hilft, seinen Willen eindeutig zu erkennen, wenn er demütig ist und sich korrigieren lässt, wo er bisher falsch dachte.


  1. Ausdruck der innigen Verbundenheit Jesu mit Gott. Jesus hatte keinen leiblichen Vater, so bedeutet es keinesfalls eine sexuelle Verwandtschaft, sondern eine geistliche Beziehung. 
  2. “Mein Meister!” als respektvolle Anrede der geistlichen Lehrer im Spätjudentum. 
  3. Weltlich = wie es unter denen ist, die Gott nicht kennen. 
  4. Erklärung zur Bibelstelle Johannes 18, 36 “[…] Mein Reich ist nicht von dieser Welt […]“: Diese Aussage machte Jesus dem römischen Statthalter in Judäa, Pontius Pilatus, gegenüber. Jesus ging es nicht um politischen Einfluss oder gar Weltherrschaft im politischen Sinne. Deshalb griffen seine Jünger auch nicht zur Waffe, um ihn zu verteidigen. Als einmal Petrus einem Soldaten das Ohr abschlug, heilte es Jesus wieder. Sure 11,118 scheint dieses Verständnis – dass Gottes Reich nicht von dieser Welt ist – widerzuspiegeln: Wenn es nach Gottes Plan ginge, also, wenn Gott den freien Willen des Menschen unberücksichtigt ließe, gäbe es nur eine einzige Gemeinde, viele Menschen aber wollen nicht eins sein und Gott zwingt sie nicht, sich ihm unterordnen zu müssen. Es ist also falsch, die Hingabe an Gott für alle verpflichtend zu machen, quasi als Staatsreligion. Denn Heuchelei ist dann bereits vorprogrammiert. Wer sich für den Zusammenhang der Stelle Johannes 18, 36 interessiert, lese die Verse 26-40. Wer keine eigene Bibel hat, kann uns auch schreiben. 
  5. Erklärung zur Bibelstelle Lukas 17,20-21 “[…] das Reich Gottes ist mitten unter euch […]”: Die Pharisäer erwarteten, dass man beobachten könne, wenn Gott sein Reich auf dieser Welt aufrichtet. Jesus antwortete ihnen, dass sie es nicht an so äußeren Ereignissen festmachen können, sondern es ist bereits mitten unter ihnen. Damit weist er auf sich selbst hin. Er ist es, der zu diesem geistlichen Reich einlud und seinem Ruf sollen alle folgen.
    “Und als er von den Pharisäern gefragt wurde: Wann kommt das Reich Gottes? antwortete er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, dass man es beobachten könnte; (21) auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.” 
  6. Damit meinen wir nicht nur den Atheismus, sondern besonders die Pseudoreligiosität (pseudo=falsch), also Menschen, die zwar fromm reden aber schlecht handeln. 

Was sollen wir glauben? – Die sechs Säulen des Iman

In diesem Thema wollen wir uns mit den Glaubensgrundsätzen des Islam, den so genannten sechs Säulen des Iman1 aus christlicher Sicht beschäftigen. Wir möchten uns anschauen, was die Bibel zu diesen Grundsätzen sagt.

Muhammad antwortete auf die Frage, was Glaube sei, indem er erklärte:

“Dass du glaubest
an den einzigen Gott,
an Seine himmlischen Boten,
an Seine geoffenbarten Bücher,
an Seine menschlichen Gesandten,
an den letzten Tag
und an seine Bestimmung von Gut und Böse2.”

Aus diesem Wort Muhammads leiten sich die sogenannten sechs Säulen des Iman ab, die sechs wichtigsten Glaubensinhalte des Islam.

Wir, als Jünger Jesu, wollen diese sechs Punkte, die in ihren Grundsätzen der Lehre Jesu nahe stehen, im Lichte der Worte Jesu und seiner Apostel beleuchten, und so im Gespräch mit Muslimen auf die wesentlichen Aspekte einer Beziehung zu Gott hinweisen.

Vorbemerkung: Was ist Glaube?

Bevor wir diese „sechs Säulen” im Detail betrachten, wollen wir noch kurz auf einige wesentliche Aspekte dessen hinweisen, was wir Glaube nennen.

Im alltäglichen deutschen Sprachgebrauch drückt das Wort “glauben” oft eine gewisse Unsicherheit aus. Wer glaubt, dass es morgen regnen werde, hat vielleicht eine begründete Vermutung, aber keine Gewissheit.

Ganz anders schreibt Paulus in seinem Brief an die Christengemeinde in Rom über den Glauben Abrahams:

“[…] vor dem Gott, dem er glaubte, der die Toten lebendig macht und das Nichtseiende ruft, wie wenn es da wäre; der gegen Hoffnung auf Hoffnung hin geglaubt hat, damit er ein Vater vieler Nationen werde […] Und nicht schwach im Glauben, sah er seinen eigenen, schon erstorbenen Leib an, da er fast hundert Jahre alt war, und das Absterben des Mutterleibes der Sara und zweifelte nicht durch Unglauben an der Verheißung Gottes, sondern wurde gestärkt im Glauben, weil er Gott die Ehre gab. Und er war der vollen Gewissheit, dass er, was er verheißen habe, auch zu tun vermöge. Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet worden.” (Römer 4,17-22)

Die Charakteristika des Glaubens Abrahams waren also Hoffnung auf Gott gegen allen menschlichen Augenschein, das Streben, Gott die Ehre zu geben, und die volle Gewissheit, dass Gott seine Verheißung erfüllen werde. Diese Charakteristika sind auch im Glauben der Kinder Abrahams sichtbar. Unser Glaube führt uns zum vollen Vertrauen in das Wirken des Allmächtigen.

Der Glaube, den uns Abraham vorgelebt hat, ist also das gerade Gegenteil von ungewisser Vermutung. Glaube ist volle Gewissheit, auch wenn wir den Inhalt des Glaubens nicht mit unseren Sinnen wahrnehmen.

Glaube bedeutet zweierlei:

Einerseits, dass wir unser Leben ganz Gott anvertrauen und hingeben, dass nicht mehr wir die Herren in unserem Leben sind, sondern einzig und allein Gott.

Andererseits hat das zur Folge, dass wir Gott alles glauben, was er uns offenbart hat. Glaube ist nicht nur eine persönliche Beziehung, sondern hat auch einen ganz konkreten Inhalt.

Diese beiden Aspekte sind notwendigerweise untrennbar miteinander verbunden. Wir können nicht sagen, dass wir Gott glauben, wenn wir den Inhalt Seiner Offenbarung ablehnen. Andererseits ist auch die rein verstandesmäßige Übernahme von Glaubensinhalten ohne die Hingabe unseres Lebens an Gott nur tote Theologie.

“Ohne Glauben aber ist es unmöglich, [Gott] wohlzugefallen; denn wer Gott naht, muss glauben, dass er ist und denen, die ihn suchen, ein Belohner sein wird.” (Hebräer 11,6)

Doch nun zu den Hauptinhalten des Glaubens nach der islamischen Tradition:

1 Ein Gott

Der Glaube an einen einzigen Gott ist nicht nur die unumstößliche Lehre aller monotheistischen Religionen. Die Existenz eines einzigen Gottes ist für jeden ernsthaft suchenden Menschen aus seiner Schöpfung offenbar.

So schreibt auch Paulus:

“[…] weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen offenbart. Denn sein unsichtbares [Wesen], sowohl seine ewige Kraft als auch seine Göttlichkeit, wird seit der Erschaffung der Welt in dem Gemachten wahrgenommen und geschaut, damit sie ohne Entschuldigung seien.” (Römer 1,19-20)

Das Grundbekenntnis des Glaubens des Volkes Israel lautete:

“Höre, Israel: Der HERR ist unser Gott, der HERR allein!” (Deuteronomium 6,4)

Jesus hat dieses Wort übernommen und er antwortete auf die Frage nach dem größten Gebot:

“Höre, Israel: Der Herr, unser Gott, ist ein Herr; und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstand und aus deiner ganzen Kraft!” (Markus 12,29-30)

Wir finden das Bekenntnis zur Einzigkeit Gottes auch immer wieder in den Schriften der Apostel.

So sprach Paulus zu den Götzendienern in Lystra:

“[…] und verkündigen euch, dass ihr euch von diesen nichtigen [Götzen] bekehren sollt zu dem lebendigen Gott, der den Himmel und die Erde und das Meer gemacht hat und alles, was in ihnen ist.” (Apostelgeschichte 14,15)

Noch einige Beispiele aus dem Neuen Testament (Indschil):

“[…] so wissen wir, dass es keinen Götzen in der Welt gibt, und dass kein Gott ist als nur einer.” (1 Korinther 8,4)

“[…] Gott aber ist nur einer.” (Galater 3,20)

“[…] der selige und alleinige Machthaber […], der König der Könige und Herr der Herren, der allein Unsterblichkeit hat und ein unzugängliches Licht bewohnt, den keiner der Menschen gesehen hat, auch nicht sehen kann. Dem sei Ehre und ewige Macht! Amen.” (1 Timotheus 6,15-16)

Diese Beispiele zeigen klar, dass der christliche Glaube, so wie ihn Jesus und die Apostel gelehrt haben, der Glaube an einen einzigen Gott ist.

Doch wie ist es nun mit der Verehrung Jesu als Gott?

Für uns Christen ist Jesus NICHT ein Gott neben Allāh, wie man aus Sure 5 annehmen könnte:

“Und als Gott sprach: “O Jesus, Sohn Marias, warst du es, der zu den Menschen sagte: ‘Nehmt euch neben Gott mich und meine Mutter zu Göttern?'” Er sagte: “Preis sei Dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe. Hätte ich es gesagt, dann wüsstest Du es. Du weißt, was in meinem Inneren ist, ich aber weiß nicht, was in deinem Inneren ist. Du bist der, der die unsichtbaren Dinge alle weiß.” (Sure 5: Al-Mā’ida, 116)

Vielleicht helfen folgende Worte des islamischen Gelehrten M. Hamidullah, die christliche Lehre besser zu verstehen:

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um eine Verbindung oder eine Kommunikation des Menschen mit Gott herzustellen. Die beste wäre die Inkarnation, die aber infolge ihrer Unannehmbarkeit vom Islam verworfen wurde: es wäre für einen transzendenten Gott zu erniedrigend, Mensch zu werden, zu essen, zu trinken, von Seinen eigenen Geschöpfen gemartert und gar dem Tode zugeführt zu werden3.

Gott ist absolut und vollkommen. Wir müssen es Gott überlassen, wie Er sich uns offenbart und dürfen nicht von unserem menschlichen Empfinden, dies sei für Gott zu erniedrigend, ausgehen. Was er für das Beste zu tun hält, kann für ihn nicht unmöglich sein, tatsächlich auch zu tun. Wir sind überzeugt, dass Er in seiner Weisheit und Güte, in seiner unendlichen Liebe zu uns Menschen diesen besten Weg zu unserer Hilfe gewählt hat. Gott wurde einer von uns. Nicht ein anderer, zweiter Gott neben dem Allmächtigen, sondern der Allmächtige selbst hat sich für uns erniedrigt, um uns zu sich zu erheben. In Jesus hat Gott selbst zu uns gesprochen. Darum nennt ihn auch der Koran ein Wort von Allāh.

“Als die Engel sagten: “O Maria, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name Christus Jesus, der Sohn Marias, ist; er wird angesehen sein im Diesseits und Jenseits, und einer von denen, die in die Nähe (Gottes) zugelassen werden.” (Sure 3: Āl-’Imrān, 45)

“Dies ist Jesus, der Sohn der Maria – das Wort der Wahrheit, das sie bezweifeln.” (Sure 19: Maryam, 34, Henning-Übersetzung)

Das entspricht auch dem, was Johannes, einer der engsten Vertrauten Jesu, über ihn schreibt:

“Und das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns, und wir haben seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.” (Johannes 1,14)

Es ist uns bewusst, dass der Glaube an die Gottheit Jesu und an das dreieinige Wesen des einzigen Gottes für Muslime (und nicht nur für sie) der schwierigste und am wenigsten annehmbare Teil der christlichen Lehre ist. Diese Gedanken sollen eine Hilfe sein, auch diesen schwierigen Punkt unserer Lehre einmal unvoreingenommen zu durchdenken. Gott ist gut und will das Beste und tut es auch für uns. Wir Christen lehnen Götzendienst mit derselben Entschlossenheit ab wie alle gläubigen Muslime. Gott ist einzig und es ist unmöglich, ihm etwas oder jemanden zur Seite zu stellen. Die Menschwerdung Gottes steht nicht im Widerspruch zur Einzigartigkeit Gottes, sondern vertieft unseren Glauben an diese Einzigartigkeit. Gott zeigt uns dadurch die Größe seiner unaussprechlichen Liebe und Gnade.

2 Die himmlischen Boten

Die Existenz geschaffener personaler Geistwesen, ist eine Tatsache, die in den Heiligen Schriften des Christentums vorausgesetzt wird. Wir finden jedoch keine ausgeprägte Lehre über Engel und böse Geister, da Gott in seinem Wort unsere Aufmerksamkeit vor allem auf Ihn, den Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Welt, lenken will. Wir sehen die Engel als

“[…] dienstbare Geister, ausgesandt zum Dienst um derer willen, die das Heil erben sollen.” (Hebräer 1,14)

An zahlreichen Stellen sowohl des Alten (Taurat) als auch des Neuen Bundes (Indschil) erscheinen Engel als Träger der göttlichen Offenbarung. Diesen Wesen gebührt keinerlei religiöse Verehrung.

Im Buch der Offenbarung drückt das ein Engel so aus:

“[…] Ich bin dein Mitknecht und der deiner Brüder, der Propheten, und derer, welche die Worte dieses Buches bewahren. Bete Gott an!” (Offenbarung 22,9)

Die Engel als Träger der Offenbarung verlieren an Bedeutung angesichts der Tatsache, dass Gott selbst in Jesus Christus zu uns gesprochen hat. Deswegen heißt es über Jesus:

“Der ist zur Rechten Gottes, nachdem er in den Himmel gegangen ist, und Engel und Mächte und Kräfte sind ihm unterworfen.” (1 Petrus 3,22)

In den Heiligen Schriften wird auch vorausgesetzt, dass ein Teil der von Gott gut geschaffenen Geistwesen gegen ihren Schöpfer rebelliert haben und nun versuchen, Gläubige von ihrem Weg des Glaubens abzubringen. Die Heilige Schrift ermahnt uns, in diesem geistlichen Kampf auszuharren:

“Schließlich: Werdet stark im Herrn und in der Macht seiner Stärke! Zieht die ganze Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die Listen des Teufels bestehen könnt! Denn unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Mächte, gegen die Weltbeherrscher dieser Finsternis, gegen die geistigen [Mächte] der Bosheit in der Himmelswelt. Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen [bleiben] könnt!” (Epheser 6,10-13)

Wir sollen diese Warnungen ernst nehmen. Trotzdem ist aber völlig klar, dass keiner der bösen Geister auch nur im Entferntesten so etwas wie ein Gegenspieler Gottes sein könnte.

Darum schreibt Jakobus:

“Unterwerft euch nun Gott! Widersteht aber dem Teufel! Und er wird von euch fliehen. Naht euch Gott! Und er wird sich euch nahen.” (Jakobus 4,7-8)

3 Die geoffenbarten Bücher

Gott liebt uns. Er will daher nicht, dass wir in geistlicher Finsternis dahinstolpern4 und hat seinen Willen geoffenbart. Er hat immer wieder durch Gottesmänner zu den Menschen gesprochen. Nach dem Willen Gottes sollten deren warnenden und ermunternden Worte nicht nur für ihre eigene Generation gelten, sondern für alle Menschen aller Zeiten und aller Völker aufbewahrt werden. Auf diese Weise wird das Wort Gottes, das zuerst in einer konkreten Situation zu konkreten Menschen gesprochen wurde, zur Einladung Gottes an alle Menschen, den Geboten Gottes zu folgen, und dadurch den Allmächtigen zu verherrlichen.

Darum schreibt Paulus zu seinem Mitarbeiter Timotheus:

“[…] und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die Kraft haben, dich weise zu machen zur Rettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes richtig sei, für jedes gute Werk ausgerüstet.” (2 Timotheus 3,15-17)

Die Schrift ist nicht in einem einmaligen Ereignis gesandt worden. Gott hat immer wieder zu den Menschen gesprochen. Das Volk Israel hat im Laufe seiner Geschichte als Volk Gottes die Worte gesammelt. Im Laufe der Zeit wurde daraus eine kleine Bibliothek, die Bücher, die die Juden „Tenach”5, wir Christen „Alter Bund” oder „Altes Testament” nennen. Auch im Koran gibt es Anspielungen darauf, wenn von der Taurat (was wir Fünf Bücher Mose oder Pentateuch nennen) oder vom Zabūr (den Psalmen) oder auch den Büchern verschiedener Propheten (wie zum Beispiel Jona6) die Rede ist.

Jesus kam, um die Schriften zu bestätigen und zu erfüllen. Das sagte sowohl Jesus selber:

“Meint nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.” (Matthäus 5,17)

als auch der Koran:

“Und Wir ließen nach ihnen Jesus, den Sohn Marias, folgen, damit er bestätige, was von der Tora vor ihm vorhanden war. Und Wir ließen ihm das Evangelium zukommen, das Rechtleitung und Licht enthält und das bestätigt, was von der Tora vor ihm vorhanden war, und als Rechtleitung und Ermahnung für die Gottesfürchtigen. Die Leute des Evangeliums sollen nach dem urteilen, was Gott darin herabgesandt hat. Und diejenigen, die nicht nach dem urteilen, was Gott herabgesandt hat, das sind die Frevler.” (Sure 5: Al-Māi’da, 46-47)

Weil die Heiligen Schriften des Volkes Israel auch die Heiligen Schriften Jesu waren, akzeptieren und verehren wir Christen diese Schriften, die wir „Altes Testament” nennen auch als unsere Heiligen Schriften. Wir folgen so dem Beispiel Jesu und seiner Jünger. Wir finden in ihren Worten immer wieder Zitate aus den Heiligen Schriften Israels. Der Neue Bund, den uns Jesus gebracht hat, baut auf dem Alten Bund auf und führt ihn weiter zur Vollendung.

Auch der Koran fordert die Muslime auf, allen geoffenbarten Schriften zu glauben:

“Sprecht: Wir glauben an Gott und an das, was zu uns herabgesandt wurde, und an das, was herabgesandt wurde zu Abraham, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen, und an das, was Mose und Jesus zugekommen ist, und an das, was den (anderen) Propheten von ihrem Herrn zugekommen ist. Wir machen bei keinem von ihnen einen Unterschied. Und wir sind Ihm ergeben.” (Sure 2: Al-Baqara, 136)

Um an etwas glauben zu können, muss man es kennen. Wir möchten daher alle aufrichtigen Muslime, die nach diesen Worten des Korann zwischen den verschiedenen Propheten und deren Schriften keinen Unterschied machen wollen, dazu einladen, die Heiligen Schriften der Juden und Christen mit der selben Hochachtung zu lesen wie den Koran. Nur so sind sie wahrlich Muslime.

Aber woher können wir wissen, dass die Schriften, die wir in der heutigen Bibel finden, die selben Schriften sind, von denen der Koran spricht?

Wenn die Muslime in der zweiten Sure dazu aufgefordert werden, den Schriften der Propheten vor Muhammad zu glauben, dann setzt das voraus, dass diese Schriften zu jener Zeit (7. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung) auch tatsächlich existierten. Die Bücher, die wir Christen als „Neues Testament” bezeichnen und im Koran als Indschil bezeichnet werden, sind aber durch Handschriften aus viel früheren Zeiten bezeugt. So etwa enthält der sogenannte Papyrus 667, der aus dem zweiten Jahrhundert stammt, den größten Teil des Johannesevangeliums. Ebenso aus dem zweiten Jahrhundert8 stammt Papyrus 469 mit einem großen Teil der Briefe des Apostels Paulus. Auch für alle anderen Schriften des Neuen Testaments (Indschil) gibt es zahlreiche Handschriften aus einer Zeit lange vor dem Koran.

Hingegen ist das von manchen Muslimen sehr hoch geschätzte „Barnabasevangelium” eine Schrift aus viel späterer Zeit10. Es ist unmöglich, dass der Koran mit dem „Indschil” diese Schrift gemeint haben kann.
Da die zur Zeit der Niederschrift des Koran allgemein anerkannte Heilige Schrift der Christen dieselbe war, die sie auch heute noch ist (durch neuere Funde, die allerdings im Normalfall nur unwesentliche Änderungen betreffen, haben wir sogar noch eine bessere Textqualität als im siebten Jahrhundert), kann die oben erwähnte Anweisung des Koran nur bedeuten, dass sich jeder Muslim bemühen soll, die früher offenbarten Schriften, wie wir sie auch heute noch in der Bibel finden, kennenzulernen und zu glauben.

Jesus sagte:

“Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.” (Johannes 6,63b)

Seine Worte sind Geist und Leben nicht nur für seine Zeitgenossen, sondern für alle, die sie hören oder lesen.

4 Die menschlichen Gesandten

Das Thema der Gesandten Gottes ist aufs Engste mit dem vorhergehenden Punkt der geoffenbarten Bücher verbunden, da die Heiligen Schriften die Worte der Gesandten enthalten.

Barnabas fasst die Offenbarungsgeschichte in seinem Brief an die Hebräer wie folgt zusammen:

“Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten, hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn11, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat […]” (Hebräer 1,1-2)

Gott hat immer wieder durch die Propheten gesprochen. Sein letztes und abschließendes Wort an die Menschheit ist durch Jesus ergangen. Das ist die klare Botschaft des Indschil.

Jesus selbst sagte:

“Alles ist mir übergeben worden von meinem Vater; und niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn, und der, dem der Sohn ihn offenbaren will.” (Matthäus 11,27)

Wenn Jesus alles übergeben worden ist, dann kann es keine weitere Offenbarung geben. Der Weg zu Gott führt über Jesus.

Auch der Koran bestätigt, dass Jesus der Gesalbte Gottes, der Messias ist, der von den Israeliten aufgrund der Worte der Propheten erwartet wurde:

“[…] Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüberbrachte, und ein Geist von Ihm. […]” (Sure 4: An-Nisā’, 171)

Seine Geburt aus der Jungfrau Maria wurde zu einem Zeichen für die ganze Welt:

“Und (erwähne) die, die ihre Scham unter Schutz stellte. Da bliesen Wir in sie von unserem Geist, und Wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Weltenbewohner.” (Sure 21: Al-Ámbiyā’, 91)

Bibel und Koran bezeugen die Parallelität zwischen Adam und Jesus:

“Wahrlich, Jesus ist vor Allāh gleich Adam; Er erschuf ihn aus Erde, alsdann sprach Er zu ihm: „Sei!”, und er ward.” (Sure 3: Āl-’Imrān, 59)

Jesus und Adam wurden ohne menschlichen Vater gezeugt. Diese Parallelität weist auf die Besonderheit Jesu hin.

“So steht auch geschrieben: „Der erste Mensch, Adam, wurde zu einer lebendigen Seele, der letzte Adam (=Jesus) zu einem lebendig machenden Geist.” (1 Korinther 15,45)

So wie mit Adam die Menschheit begonnen hat, hat mit Jesus eine neue Menschheit begonnen. Er ist die abschließende Botschaft an alle Menschen.

Muslime und Christen stimmen darin überein, dass Jesus jetzt nicht tot ist, sondern bei Gott, und dass er wiederkommen wird.

“Männer von Galiläa, was steht ihr und seht hinauf zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg in den Himmel aufgenommen worden ist, wird so kommen, wie ihr ihn habt hingehen sehen in den Himmel.” (Apostelgeschichte 1,11)

“[…] Sondern Gott hat ihn zu sich erhoben. […]” (Sure 4: An-Nisā , 158)12

Jesus selber beanspruchte auch, der Richter der ganzen Welt zu sein:

“Denn der Vater richtet auch niemand, sondern das ganze Gericht hat er dem Sohn gegeben.” (Johannes 5,22)

Auch Mohammed sprach von Jesus als gerechtem Richter über alle Menschen13.

Er, durch den Gott als letzten gesprochen hat, ist jetzt beim Vater, und er ist es, der die Welt richten wird. Seiner Botschaft kann nichts mehr hinzugefügt werden14.

5 Der letzte Tag

Der Glaube an den Tag des Gerichts für alle Menschen mit ewigem Lohn beziehungsweise ewiger Strafe ist Grundüberzeugung sowohl im Christentum als auch im Islam.

So sagte Jesus:

“Wundert euch darüber nicht, denn es kommt die Stunde, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und hervorkommen werden: die das Gute getan haben zur Auferstehung des Lebens, die aber das Böse verübt haben zur Auferstehung des Gerichts.” (Johannes 5,28–29)

Wir verstehen Himmel und Hölle im Zusammenhang mit der Beziehung zu Gott. Himmel heißt ewige Gemeinschaft mit Gott, Hölle bedeutet ewige Trennung von unserem Schöpfer und daher auch von der Quelle unseres Glücks.

Darum heißt es in den Heiligen Schriften der Juden und Christen:

“Nach deinem Rat leitest du mich, und nachher nimmst du mich in Herrlichkeit auf. Wen habe ich im Himmel? Und außer dir habe ich an nichts Gefallen auf der Erde. Mag auch mein Leib und mein Herz vergehen – meines Herzens Fels und mein Teil ist Gott auf ewig.” (Psalm 73,24-26)

“Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.” (Johannes 17,3)

Das finden wir auch in der Offenbarung des Johannes etwas dichterisch ausgedrückt:

“Und ich sah keinen Tempel in ihr(der neuen Stadt Jerusalem), denn der Herr, Gott, der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm (Jesus). Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, damit sie ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes hat sie erleuchtet, und ihre Lampe ist das Lamm.” (Offenbarung 21,22-23)

Wenn die Hölle als Feuer beziehungsweise Dunkelheit geschildert wird, soll das nicht eine Beschreibung körperlicher Qualen sein, sondern die tiefe seelische Qual der Trennung vom Schöpfer ausdrücken, der als einziger seinen Geschöpfen ewige Erfüllung zu geben vermag. Darum finden wir in der Bibel als Beschreibung der Hölle die Wendung des „draußen” Seins.

“Da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sehen werdet, euch aber draußen hinausgeworfen.” (Lukas 13,28)

“Und alles Unreine wird nicht in sie (die neue Stadt Jerusalem) hineinkommen, noch [derjenige], der Gräuel und Lüge tut, sondern nur die, welche geschrieben sind im Buch des Lebens des Lammes.” (Offenbarung 21,27)

Auf keinen Fall dürfen wir den Himmel (oder in islamischer Ausdrucksweise: das Paradies) als Ort irdischer Genüsse15 verstehen, die uns nach einem entsagungsreichen Leben auf dieser Erde geschenkt werden, oder die Hölle als eine Folterkammer16, in der Gott seine Freude daran hätte, den Menschen Schmerz zuzufügen.

Gott ist die Liebe (1 Johannes 4,8) und will das Heil aller Menschen (1 Timotheus 2,4). Nur wer sich durch eigene freie Entscheidung dieser göttlichen Liebe verweigert, wird sie nicht sehen. Und das ist die Hölle.

6 Die Bestimmung

Sowohl in der Bibel als auch im Koran gibt es Aussagen über die Allursächlichkeit Gottes. Im christlichen Bereich hat das leider zum Teil zu der schlimmen Irrlehre geführt, dass Gott den Menschen keine Entscheidungsfreiheit gibt und sie nach seinem eigenen Willen zum Himmel beziehungsweise zur Hölle vorherbestimmt. Diese Irrlehre der Prädestination17 widerspricht aber der Offenbarung Gottes ganz und gar.

Wir wollen und können hier nicht auf die innerislamischen Diskussionen zu diesem Thema eingehen, sondern die Lehre der Bibel darlegen, die einerseits Gott als den allmächtigen Herrn und Schöpfer des Universums bezeugt, andererseits aber auch seine Liebe offenbart, die uns Freiheit und Verantwortung für unser Tun schenkt.

Im Buch des Propheten Jesaja sagt Gott:

“[…] damit man erkennt vom Aufgang der Sonne und von [ihrem] Untergang her, dass es außer mir gar keinen gibt. Ich bin der HERR – und sonst keiner -, der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der Frieden wirkt und das Unheil schafft. Ich, der HERR, bin es, der das alles wirkt.” (Jesaja 45,7)

Der Zusammenhang dieses Verses zeigt, dass es hier nicht darum geht, dass Gott Böses bewirkt. Er hat Unheil geschaffen, das heißt das Volk Israel durch das babylonische Exil bestraft. Nun aber wirkt er Frieden. Er schenkt seinem Volk Freiheit aus der Gefangenschaft. Diese Worte zeigen uns aber, dass Gott wirkt. Auch wenn diese Welt voller Sünde und Bosheit ist, wirkt Gott zum Heil derer, die Ihn von ganzem Herzen suchen.

Im selben Kapitel ruft Gott alle Menschen dazu auf, sich ihm zuzuwenden:

“Wendet euch zu mir und lasst euch retten, alle ihr Enden der Erde! Denn ich bin Gott und keiner sonst.” (Jesaja 45,22)

Die Zuwendung zu Gott setzt Freiheit voraus. Gottes Wirken und menschliche Freiheit sind kein Gegensatz. Darum haben alle Boten Gottes, die sich der göttlichen Allmacht voll bewusst waren, die Menschen immer wieder zur Umkehr aufgerufen. Gerade durch die freie Hinwendung zu Gott wird Gott gepriesen und verherrlicht, nicht aber durch marionettenhaften Gehorsam, wie ihn die Vertreter der Prädestinationslehre voraussetzen. Liebe ohne Freiheit ist nicht mehr Liebe.

Unsere Liebe ist die freie Antwort auf die Liebe Gottes, die er am tiefsten in Jesus gezeigt hat.

“Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn errettet werde.” (Johannes 3,16-17)

“Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben hingegeben hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben hinzugeben.” (1 Johannes 3,16)

Schlusswort: Die Konsequenzen

Das letzte Zitat aus dem 1. Brief des Johannes weist uns auf die Konsequenz jedes von Gott gewirkten Glaubens aus. Glaube geht immer über die eigene persönliche religiöse Erfahrung hinaus und führt uns zur gelebten Liebe, wie sie auch im Leben der ersten Gemeinde der Jünger Jesu sichtbar war.

“Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele; und auch nicht einer sagte, dass etwas von seiner Habe sein eigen sei, sondern es war ihnen alles gemeinsam.” (Apostelgeschichte 4,32)

Gerade das Fehlen dieser Konsequenz bei vielen, die sich Christen nennen, durch ihr Leben aber Jesus verleugnen, ist für viele Menschen ein Hindernis in der Erkenntnis der durch Jesus gesandten Offenbarung.

“Denn der Name Gottes wird euretwegen unter den Nationen gelästert.” (Römer 2,24)

Dieser Vorwurf, den Paulus den ungläubigen Juden seiner Zeit gemacht hat, trifft auch auf die Scheinchristen unserer Zeit zu.

Trotz vieler Scheinchristen ist aber Gott auch heute am Werk in allen Jüngern Jesu, die seine Worte im täglichen Gehorsam umsetzen.

Wir laden alle Muslime ein, sich nicht durch schlechte Beispiele abhalten zu lassen, sondern sich den Worten Gottes, die der Allmächtige durch die Propheten Israels und durch Jesus offenbart hat, zuzuwenden, um den Willen Gottes immer tiefer zu erkennen.

“Wie köstlich ist deine Gnade, Gott! Und Menschenkinder bergen sich in deiner Flügel Schatten; sie laben sich am Fett deines Hauses, und mit dem Strom deiner Wonnen tränkst du sie. Denn bei dir ist der Quell des Lebens; in deinem Licht sehen wir das Licht.” (Psalm 36,9-10)

“Ich bin gekommen, damit sie Leben haben, und es in Überfluss haben.” (Johannes 10,10b)


  1. “Iman” bedeutet “Glaube”. Im Unterschied zu den “fünf Säulen des Islam”, welche die Glaubenspraxis der Muslime behandeln, betreffen die “sechs Säulen des Iman” die Glaubensinhalte. 
  2. Aus der Hadith, zitiert nach M. Hamidullah, Der Islam. Geschichte, Religion, Kultur, Islamabad 1991; 76. 
  3. M. Hamidullah, Der Islam. Geschichte, Religion, Kultur, Islamabad 1991; 79-80 
  4. Vergleiche das Wort aus Psalm 119,105: Eine Leuchte für meinen Fuß ist dein Wort, ein Licht für meinen Pfad. 
  5. Tenach” ist ein Kunstwort gebildet aus den Anfangsbuchstaben der Namen der drei Hauptteile der Heiligen Schriften Israels: Thora (Gesetz), Nebiim (Propheten), Ketubim ([übrige] Schriften) 
  6. Die Sure 10 ist nach ihm benannt. 
  7. Ein Teil dieses Papyrus befindet sich in Cologny, in der Bibliothek Bodmer, mit der Bezeichnung Papyrus Bodmer II, ein anderer Teil in Dublin, in der Chester Beatty Library als Papyrus Chester Beatty, ein dritter Teil im Institut für Altertumskunde in Köln mit der Nr. 4274/4298. 
  8. Young Kyu Kim, Biblica, Vol. 69, No. 2, 1988, datiert diesen Papyrus sogar ins erste Jahrhundert. Dieser Artikel ist unter http://www.friktech.com/rel/p46.htm zu finden. 
  9. Ein Teil dieses Papyrus befindet sich in Dublin, in der Chester Beatty Library als Papyrus Chester Beatty II, ein anderer Teil in Ann Arbor, University of Michigan, Nr. 6238. 
  10. Mehr dazu: https://www.islaminstitut.de/2004/wurde-das-wahre-evangelium-christi-gefunden/. Wir verweisen auf diesen Link nur aus informativen Gründen. Es handelt sich um eine detaillierte Kritik mit umfangreichen Literaturangaben, die es jedem erlauben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. 
  11. Der Begriff „Sohn” ist hier und an allen Stellen des Neuen Testaments, die über Jesus als Sohn sprechen, nicht im Sinne einer körperlichen Abstammung gemeint, so als ob der Allmächtige eine sexuelle Beziehung eingegangen wäre. Dieser Begriff drückt seine geistliche Nähe zu Gott aus. 
  12. Die Frage nach dem Tod Jesu am Kreuz, der in diesem Koranvers abgelehnt wird, behandeln wir hier nicht, da dadurch der Rahmen dieser Abhandlung gesprengt würde. Siehe dazu aber: http://www.christians-about-islam.info/erhoehung-jesu/ – Die Wiederkunft Jesu steht nicht ausdrücklich im Koran, ist aber Inhalt der muslimischen Überlieferung. 
  13. Abu Huraira, Allahs Wohlgefallen auf ihm, berichtete:
    “Der Gesandte Allahs, Allahs Segen und Heil auf ihm, sagte: Ich schwöre bei Dem, in Dessen Hand
    mein Leben ist, dass der Sohn der Maria, Allahs Segen und Heil auf ihm, alsbald zu euch als
    gerechter Schiedsrichter entsandt werden wird; sodann wird er das Kreuz brechen, das Schwein
    töten, die Schutzsteuer der freien Nicht-Muslime unter muslimischer Herrschaft abschaffen und das
    Geld wird sich so vermehren, dass keiner es wird annehmen wollen.” (Sahih Muslim 220) 
  14. Zur Frage, ob Jesus die Ankunft Mohammeds angekündigt hat, weisen wir auf die eigene Abhandlung “Wer ist der, den Jesus ankündigt?” hin. 
  15. Wir können deswegen als Christen Aussagen, wie wir sie etwa in Sure 2,25 finden, wo den Gläubigen die Huris, die Frauen des Paradieses, verheißen werden, nicht zustimmen. Jesus sagte klar: “Die aber, die für würdig gehalten werden, jener Welt teilhaftig zu sein und der Auferstehung aus den Toten, heiraten nicht noch werden sie verheiratet; denn sie können auch nicht mehr sterben, denn sie sind Engeln gleich und sind Söhne Gottes, da sie Söhne der Auferstehung sind.” (Lukas 20,35-36) 
  16. Vergleiche dazu Sure 4: An-Nisā’ , 56: „ Diejenigen, die nicht an Unsere Zeichen glauben, die werden Wir im Feuer brennen lassen: Sooft ihre Haut verbrannt ist, geben Wir ihnen eine andere Haut, damit sie die Strafe kosten. Wahrlich, Allāh ist Allmächtig, Allweise.“ Ein geistlich es Verständnis wie bei den Bibelstellen, die von einem Feuer sprechen, scheint hier nicht möglich zu sein. 
  17. Die Hauptvertreter dieser Irrlehre waren (mit unterschiedlichen Akzentuierungen) Augustinus, Luther und Calvin. 

Trinity and the Qur’an

The belief in the triune God is one of the essential differences in the doctrine about God between Christianity and Islam. That is why we want to deal with the statements of the Qur’an which concern this aspect of Christian doctrine. Our aim is not to give a comprehensive explanation of the Christian doctrine of the Trinity, but we want to examine to which extent the Qur’anic statements concern this Christian teaching at all.

We shall look at the most important passages of the Qur’an concerning this topic and consider them from the point of view of the following aspects:

1 The texts

We find especially the following passages that deal either directly or indirectly with Trinity:
“O followers of the Book! do not exceed the limits in your religion, and do not speak (lies) against Allah, but (speak) the truth; the Messiah, Isa son of Marium is only a messenger of Allah and His Word which He communicated to Marium and a spirit from Him; believe therefore in Allah and His messengers, and say not, Three. Desist, it is better for you; Allah is only one Allah; far be It from His glory that He should have a son, whatever is in the heavens and whatever is in the earth is His, and Allah is sufficient for a Protector. (Surah 4:171 – Shakir)1

“They have certainly disbelieved who say, “Allah is the Messiah, the son of Mary”, while the Messiah has said, “O Children of Israel, worship Allah, my Lord and your Lord.” Indeed, he who associates others with Allah – Allah has forbidden him Paradise, and his refuge is the Fire. And there are not for the wrongdoers any helpers. They have certainly disbelieved who say, “Allah is the third of three.” And there is no god except one God. And if they do not desist from what they are saying, there will surely afflict the disbelievers among them a painful punishment.” (Surah 5:72-73)

“And [beware the Day] when Allah will say, “O Jesus, Son of Mary, did you say to the people, ‘Take me and my mother as deities besides Allah?'” He will say, “Exalted are You! It was not for me to say that to which I have no right. If I had said it, You would have known it. You know what is within myself, and I do not know what is within Yourself. Indeed, it is You who is Knower of the unseen. I said not to them except what You commanded me – to worship Allah, my Lord and your Lord. And I was a witness over them as long as I was among them; but when You took me up, You were the Observer over them, and You are, over all things, Witness.” (Surah 5:116-117)

“And they say, “The Most Merciful has taken [for Himself] a son.” You have done an atrocious thing. The heavens almost rupture therefrom and the earth splits open and the mountains collapse in devastation That they attribute to the Most Merciful a son. And it is not appropriate for the Most Merciful that He should take a son. There is no one in the heavens and earth but that he comes to the Most Merciful as a servant.” (Surah 19:88-93)

“Never did Allah take to Himself a son, and never was there with him any (other) god – in that case would each god have certainly taken away what he created, and some of them would certainly have overpowered others; glory be to Allah above what they describe!” (Surah 23:91 – Shakir)

“Say, “He is Allah, [who is] One, Allah, the Eternal Refuge. He neither begets nor is born, Nor is there to Him any equivalent.” (Surah 112:1-4)

2 Is God the Third of three?

Surah 5:73 is right in calling people who say, “God is the third of three” unbelievers. For Christians people who call God the first of three are also unbelievers. God is unique and beyond all comparison. He is the Creator, the Only one who is eternal, without beginning and without end.

“Hear, O Israel! The LORD is our God, the LORD is one! You shall love the LORD your God with all your heart and with all your soul and with all your might.” (Deuteronomy 6:4-5)

“Thus says the LORD, the King of Israel and his Redeemer, the LORD of hosts: “I am the first and I am the last, and there is no God besides Me. …Do not tremble and do not be afraid; Have I not long since announced it to you and declared it? And you are My witnesses: Is there any God besides Me, or is there any other Rock? I know of none.” (Isaiah 44:6,8)

“Now to the King eternal, immortal, invisible, the only God, be honour and glory forever and ever. Amen.” (1 Timothy 1:17)

Faith in the triune God is not the belief in three gods among whom God is one of the three, whether the first, second or third. Father, Son and Holy Spirit are not three separate beings. There is only one eternal God, whose inmost being is love and devotion which is why he revealed himself as the triune God – as Father, Son and Holy Spirit.

Perhaps a comparison, albeit imperfect, with our created world can help. When we speak of the sun we think of the celestial body around which our planet, Earth, is orbiting. But we might also think of the rays originating from the sun as well as the warmth and light they give us. Does this mean that there are three suns: the celestial body, the rays and the warmth they cause? This image is imperfect because the sun, its rays and the effect caused by them are all something impersonal and created. God, the eternal Creator, however, is not lifeless impersonal matter. He is Life, he is Love. Our belief as Christians in the triune God means that we confess that God is the One whose inmost being is life, love, and overflowing vitality. He expressed the depths of his being through the incarnation of the Eternal God in the person of Jesus Christ, and He shapes and renews our lives through the Holy Spirit. He changes us into holy, God-pleasing people so that his love becomes visible in the love of brothers and sisters, who are one in heart and mind.

Within the triune God, the Father is the origin of the Son and of the Holy Spirit, which is why in the New Testament the term “God” often refers to the Father. The Son and the Holy Spirit receive their eternal divinity from him. This, however, does not mean, that the Father is the first of three gods. Within the one God, he is the origin of godhead in a similar way as the orb of the sun is the origin of the sun rays, sunlight and warmth – without asserting that there are three suns.

When we speak about an “origin” in God we don’t mean a temporal origin, as if at first only the Father existed and later the Son and the Holy Spirit came into existence. In the eternal God there cannot be a temporal “earlier” or “later”. The word “origin” expresses that the Son and the Holy Spirit (through the Son) proceed from the Father in eternity2.

We don’t believe in three gods. The teaching refuted in Surah 5:73 is not the Christian doctrine. It raises the question why the teaching which the Qur’an wants to refute was obviously not properly understood.

3 Is Jesus a god besides God?

Surah 5:116 presupposes that Christians worship both Jesus and Mary as two gods besides God. We will deal with the position of Mary in section 7 of this article. Concerning Jesus, we Christians believe that he is God who became man for us. But we do NOT believe that Jesus is a second God besides the eternal Creator of the universe, as supposed in Surah 23:91 which draws the conclusion that if God had a son, his son would be his rival.

Jesus is not a god besides the Father. Father, Son and Holy Spirit are one God in inseparable unity. Jesus expressed the inseparable closeness between the Father and the Son in the following words:

“He who has seen Me has seen the Father.” (John 14:9)

This does not mean that Jesus is the Father. But the bond between Jesus and the Father is so strong that in encountering Jesus we encounter God in his fullness.

For in Him all the fullness of Deity dwells in bodily form. (Colossians 2:9)

This was not only Paul’s doctrine – Jesus himself testified:

“All things that the Father has are Mine.” (John 16:15)

A mere man would never be able to possess God’s fullness (all things that the Father has) as his own. Thus Jesus expresses that he bears God’s fullness within himself.

That is why Jesus was able to claim the honour that is due only to God:

“…that all may honour the Son just as they honour the Father. He who does not honour the Son does not honour the Father, who sent him.” (John 5:23)

When Jesus claimed this honour for himself, it was not because he was flagrantly making himself out to be God, but because by virtue of his eternal divine nature this honour belongs to him. This becomes visible through the fact that the Father confirmed the words of Jesus through numerous miracles.

“We know that God does not hear sinners; but if anyone is God-fearing and does His will, He hears him.” (John 9:31)

The clearest confirmation of Jesus claim on divinity was his resurrection. Even the disciples understood this clearly. For instance Thomas, when Jesus appeared to him as the resurrected Lord, said to Jesus:

“My Lord and my God!” (John 20:28)

Jesus did not reject this divine homage. Just the opposite. He accepted it and considered it a sign of the faith of the formerly disbelieving disciple:

“Jesus said to him, “Because you have seen Me, have you believed? Blessed are they who did not see, and yet believed.” (John 20:29)

In the book of Revelation we can read how John wanted to pay homage to an angel whose glory he was allowed to behold. The angel strictly rejected this, as this honour belongs only to God.

“Then I fell at his feet to worship3 him. But he said to me, “Do not do that; I am a fellow servant of yours and your brethren who hold the testimony of Jesus; worship God. For the testimony of Jesus is the spirit of prophecy.” (Revelation 19:10)

Jesus accepted it and approved of Thomas calling him his Lord and his God. He reacted in a different way than the angel. He did this because this honour is due to him. Nevertheless he is not a second god besides God. He is the Word of the only God who became man for us:

“And the Word became flesh, and dwelt among us, and we saw His glory, glory as of the only begotten from the Father, full of grace and truth.” (John 1:14)

More on this question in section 5.

4 Is there a begotten God?

He begets not, nor is He begotten. And none is like Him.

Such is the drift of Surah 1124. Even if some western scholars emphasize that this surah is not directed against Christianity but against pagan polytheism which ascribed a partner and children to Allah, there are many Muslims who use this text in order to accuse Christians of polytheism. Christians, too, consider the thought of God taking a wife with whom he begets children – or even Jesus – blasphemy against the holy God. It is unfortunate that many Muslims still hold such a view on the Christian belief in Jesus’ divine sonship. But a love for truth – without which we cannot be saved – leads all who follow it to pursue an objective view, even of a teaching that he rejects.

God does not beget a third god together with a godess! God does not beget a god outside of himself! There is and can be only one God!

When the Gospel calls Jesus the “only begotten God” (John 1:18)5, it is not speaking of a different god. We do not believe that God was first alone and then he begot a son. We believe that within the one inseparable godhead the Father, the Son and the Holy Spirit are equally eternal, equally almighty, equally omniscient. The term “beget” expresses that the Son has the same divine nature as the Father. When a human begets, another human comes into existence. What is begotten by God is God. But this is not a different God. This “begetting” means the eternal proceeding of the Son from the Father. This does not mean a process within time. God is eternal. What “happens” in God is eternal, without beginning, without end. Within the one divine being the Son exists only because of the Father. But the Father was never without the Son although the Son proceeds from Him. If we return to the image of the sun: The sun never existed without its rays. It shone from the very first moment of its existence. In a similar way the Son proceeds from the Father from all eternity to all eternity.

As Christians we wholeheartedly agree with the deep indignation expressed in Surah 19:88-93 at the thought that God “has taken for himself a son”, such that even “the heavens almost rupture therefrom and the earth splits open and the mountains collapse in devastation”. God did not “take a son for himself”. He himself came to us in Jesus, God’s word in person.

5 Jesus, the Word of God

In Surah 4:171 we read the following remarkable statement about Jesus:
“The Messiah, Isa son of Marium is only a messenger of Allah and His Word which He communicated to Marium and a spirit from Him6.”

Here we find three descriptions of Jesus: the messenger of God, his Word, a spirit from him. Let us turn our attention to the term “Word”. God “communicated” his Word to Mary. This Word is Jesus.

We can read similar statements in Surah 3:45:

“[And mention] when the angels said, “O Mary, indeed Allah gives you good tidings of a word from Him, whose name will be the Messiah, Jesus, the son of Mary – distinguished in this world and the Hereafter and among those brought near [to Allah].”

and in Surah 19:34:

“That is Jesus, the son of Mary – the word of truth about which they are in dispute.”

Muslims often try to explain these verses in a way that it is not Jesus who is the word, but that these verses speak about the creative word of Allah which brought Jesus into being. In Surahs 4 and 3, however, it seems to be clear that Jesus is the one who is called the Word. The Qur’an thus continues a tradition that leads back to God’s revelation in the New Testament. There John writes in the beginning of his Gospel about the eternal Word of God that became man:

“In the beginning was the Word, and the Word was with God, and the Word was God. He was in the beginning with God. All things came into being through Him, and apart from Him nothing came into being that has come into being. In Him was life, and the life was the Light of men. The Light shines in the darkness, and the darkness did not comprehend it. …There was the true Light which, coming into the world, enlightens every man. He was in the world, and the world was made through Him, and the world did not know Him. He came to His own, and those who were His own did not receive Him. But as many as received Him, to them He gave the right to become children of God, even to those who believe in His name, who were born, not of blood nor of the will of the flesh nor of the will of man, but of God. And the Word became flesh, and dwelt among us, and we saw His glory, glory as of the only begotten from the Father, full of grace and truth. John testified about Him and cried out, saying, “This was He of whom I said, ‘He who comes after me has a higher rank than I, for He existed before me.'” For of His fullness we have all received, and grace upon grace. For the Law was given through Moses; grace and truth were realized through Jesus Christ. No one has seen God at any time; the only begotten God who is in the bosom of the Father, He has explained Him.” (John 1:1-5,9-18)

We know that not all statements of John’s gospel about the Word are comprehensible for Muslims, especially the statement that the Word was God. But even for Muslims it is clear that God created the world by his word, as it is expressed for instance in Surah 2:117:

“Originator of the heavens and the earth. When He decrees a matter, He only says to it, “Be”, and it is.”

If God is eternal, then so is his word. That is why many Muslims believe that the Qur’an is eternal, that the “mother of the book” is kept with God without beginning and without end, without calling this eternal book God7. The inevitable consequence of this statement is that there are two absolutely eternal beings without beginning and without end: God and the “mother of the book”.

We Christians believe that God’s word cannot be separated from God and that his word participates in his eternal being. His word is not something he created, nor “something” outside of God. It is the expression of his infinite unchangeable being. It is not a book consisting of letters, but it is just as alive as He who speaks the word is alive. God did not send his eternal unchangeable word to earth in the form of a book. His word became man and brought God’s glory, his grace and his truth very close to us. We do not associate Jesus, the incarnated word of God, with God. When we worship him, we are worshipping the one indivisable, eternal God, the only Creator of the universe.

6 Rebellion or love?

“Never did Allah take to Himself a son, and never was there with him any (other) god – in that case would each god have certainly taken away what he created, and some of them would certainly have overpowered others; glory be to Allah above what they describe!” (Surah 23:91 – Shakir)

According to the Qur’an the belief in a son of God amounts to the belief in two rival gods. One god would overpower the other. If God had a son there would be rebellion in God’s house. A power struggle dominates.

In the Bible God revealed himself as the one who is Love:

“We have come to know and have believed the love which God has for us. God is love, and the one who abides in love abides in God, and God abides in him.” (1 John 4:16)

Because God’s very nature is love, so too the relationship between the divine persons is nothing other than pure love.

“The Father loves the Son and has given all things into His hand.” (John 3:35)

In the triune God there is no rivalry in which each takes hold of that which is his, instead:

“…and all things that are Mine are Yours, and Yours are Mine….” (John 17:10a)

God’s nature, love, is reflected in the lives of all who believe in the God of love, in all who follow Jesus:

“And We placed in the hearts of those who followed him (i.e. Jesus) compassion and mercy …” (from Surah 57:27)

“A new commandment I give to you, that you love one another, even as I have loved you, that you also love one another. By this all men will know that you are My disciples, if you have love for one another.” (John 13:34-35)

“…that they may all be one; even as You, Father, are in Me and I in You, that they also may be in Us, so that the world may believe that You sent Me.” (John 17:21)

“And the congregation of those who believed were of one heart and soul; and not one of them claimed that anything belonging to him was his own, but all things were common property to them.” (Acts 4:32)

7 Is Mary a part of the Trinity?

“And [beware the Day] when Allah will say, “O Jesus, Son of Mary, did you say to the people, ‘Take me and my mother as deities besides Allah?'” He will say, “Exalted are You! It was not for me to say that to which I have no right. If I had said it, You would have known it. You know what is within myself, and I do not know what is within Yourself. Indeed, it is You who is Knower of the unseen. I said not to them except what You commanded me – to worship Allah, my Lord and your Lord. And I was a witness over them as long as I was among them; but when You took me up, You were the Observer over them, and You are, over all things, Witness.” (Surah 5:116-117)

It is a sad fact that in the course of “church history” people who called themselves “Christians” deviated increasingly from the teachings of Jesus Christ and his apostles. By mixing Christian and pagan elements the “Cult of the Virgin Mary” came into existence. Jesus’ mother, who is a great example for us, was exalted to the position of a cult object. This “veneration” of Mary does not have anything to do with the Mary we know from the Bible. “Mary” became the person people addressed their prayers to. She received titles that are not due to her in spite of her obedience and holiness. But even the most ardent “Mary” venerators do not claim that she is a goddess or a part of the Trinity. At least in theory they distinguish between creator and creature. As false and impious as it is, the “veneration” of Mary is nevertheless distinguished, even by “Mary” venerators, from the worship of God and Jesus Christ. The question posed in Surah 5:116 is without any base and presupposes an understanding of Christianity that does not accord with reality. It is quite possible that a superficial observer living in the seventh (or even the 21st) century might have concluded from the practice of some “Christians” that they had exalted Mary to a divine being. But this is not, and has never been the content of the Christian doctrine of the Trinity, which is obviously being targeted by this verse.

8 The Holy Spirit

It is interesting that the Christian doctrine on the Holy Spirit is obviously not reflected in the Qur’an. Perhaps this is due to the fact that Muhammad and the early Muslims only came into contact with heretical forms of Christianity. The “Spirit of God” is indeed mentioned in the Qur’an, albeit with various meanings.

(a) concerning all people:

– at creation God breathed his Spirit into man:

“So when I have made him complete and breathed into him of My spirit….” (Surah 15:29 – Shakir)

– the believers are strengthened by the Spirit:

“…Those – He has decreed within their hearts faith and supported them with spirit from Him….” (from Surah 58:22)

(b) concerning Jesus

– the Spirit of God (Gabriel) was sent to Mary:

“So she took a veil (to screen herself) from them; then We sent to her Our spirit, and there appeared to her a well-made man.” (Surah 19:17 – Shakir)

– God breathed his Spirit into Mary:

“And (remember) her who guarded her chastity: We breathed into her of Our spirit, and We made her and her son a sign for all peoples.” (Surah 21:91 – Yusuf Ali)

“And Mary the daughter of ‘Imran, who guarded her chastity; and We breathed into (her body) of Our spirit; and she testified to the truth of the words of her Lord and of His Revelations, and was one of the devout (servants).” (Surah 66:12 – Yusuf Ali)

– Jesus is God’s Spirit:

“O followers of the Book! do not exceed the limits in your religion, and do not speak (lies) against Allah, but (speak) the truth; the Messiah, Isa son of Marium is only a messenger of Allah and His Word which He communicated to Marium and a spirit from Him;” (Surah 4:171 – Shakir)

– Jesus was strengthened with the Holy Spirit, e.g. in Surah 2:87:

“…We gave Jesus the son of Mary clear (Signs) and strengthened him with the holy spirit….8

Similar passages can be found in Surah 2:2539 and 5:110

Furthermore there are also passages mentioning the Spirit in the context of the sending of the Qur’an.

Among the passages mentioning God’s Spirit in connection with Jesus we cannot find a uniform concept of God’s Spirit. On the one hand he is identified with Gabriel (19:17), on the other hand Jesus’ conception is described as resulting from God’s Spirit being breathed into Mary (21:91; 66:12). Here the Spirit can obviously not mean Gabriel. Finally Surah 4:171 calls Jesus himself a “spirit from Him” (parallel to the term “Word” – see above). There are obviously still some remnants of the biblical revelation that speaks about the conception of the man Jesus by the Spirit of God (Matthew 1:18,2010; Luke 1:3511), but also traces of the Christian doctrine about the divine nature of Jesus, when he is called “Word of God and Spirit from him”. In contrast to the Qur’an, however, the Bible and the biblically based doctrine of the Trinity, always distinguish clearly between Jesus and the Holy Spirit, although both participate in the same divine nature. Thus the fullness of the work of the one and only God is visible in the work of the Father, the Son and the Holy Spirit.

9 Conclusions

We observe that, in a certain way, the Qur’an reacts to the Christian doctrine of the Trinity – and this reaction is one of rejection. When we take a closer look at this rejection, it becomes visible that there is a clear lack of knowledge of the doctrine being rejected. Especially the charge of polytheism, or that Christianity condones the divine worship of other beings beside the only God, misses the mark completely. The Christian faith is monotheistic. The belief in the triune God does not associate other beings with the only God and Creator, but points to the innermost being of God, who from eternity to eternity is a sole, infinite, unchangeable, indivisible God. We Christians believe that Jesus Christ is the incarnate Word of God. In him God himself came to us in order to call us in his love out of our sins and to transform us into people whose lives glorify him. Jesus is God’s Word for all people. That is why we also want to invite Muslims to get to know this Word of God, whose words are recorded in the scriptures of the New Testament, and through getting to know him, also to get to know and love the only God more deeply.

“The LORD is my light and my salvation;
Whom shall I fear? The LORD is the defense of my life; Whom shall I dread?” (Ps 27:1)

“Then Jesus again spoke to them, saying, “I am the Light of the world; he who follows Me will not walk in the darkness, but will have the Light of life.” (John 8:12)

“And We sent, following in their footsteps, Jesus, the son of Mary, confirming that which came before him in the Torah; and We gave him the Gospel, in which was guidance and light and confirming that which preceded it of the Torah as guidance and instruction for the righteous.” (Surah 5:46)

Let us follow this light!


  1. Unless otherwise indicated the Qur’an quotations are taken from Saheeh International. 
  2. See 4. Is there a begotten God? 
  3. In this context the Greek word “proskyneo” has the meaning “to render homage”, and not “to adore”. John was a monotheist and did not have the intention of revering the angel in a way that is due only to God. But even this kind of veneration was rejected by the angel. 
  4. Quoted according to Shakir. 
  5. “No one has seen God at any time; the only begotten God who is in the bosom of the Father, He has explained Him.” John 1:18. 
  6. quoted according to Shakir. 
  7. This is the position of the Sunnites, compare: The Uncreatednes of the Divine Speech – The Glorious Qur’an
  8. Yusuf Ali. 
  9. “Then will Allah say: O Jesus the son of Mary! Recount My favour to thee and to thy mother. Behold! I strengthened thee with the holy spirit, so that thou didst speak to the people in childhood and in maturity….” – acc. to Yusuf Ali. 
  10. “Now the birth of Jesus Christ was as follows: when His mother Mary had been betrothed to Joseph, before they came together she was found to be with child by the Holy Spirit… But when he had considered this, behold, an angel of the Lord appeared to him in a dream, saying, “Joseph, son of David, do not be afraid to take Mary as your wife; for the Child who has been conceived in her is of the Holy Spirit.” 
  11. “The angel answered and said to her, “The Holy Spirit will come upon you, and the power of the Most High will overshadow you; and for that reason the holy Child shall be called the Son of God.” 

No Man can change the Word of God

What does the Qur’an say about the falsification of the Bible?

Talking with Muslims we are again and again confronted with the view that the Bible in its present form has been falsified. That is why we want to examine this view with the help of statements from the Qur’an. We, as Christians, have many reasons to believe that the Bible has not been falsified – independently of what it says in the Qur’an. In this article we want to examine what the Qur’an really says about this question. It will become clear that the Qur’an does not contain the reproach that the Bible has been changed. Maybe our thoughts can also be a help for Muslims to reconsider the passages mentioned within their context. We appreciate every positive contribution to this topic.

We have collected different passages from the Qur’an and arranged them into three groups. We will start with:
a) Passages showing the immutability of God’s Word, followed by
b) Passages that seem to contain the allegation of a change and falsification of the scripture, after this we will look at
c) statements in the Qur’an about the Gospel (Injeel).
Finally we would like to think about
d) the implications for us today.

In this article we will focus on dealing with Qur’anic statements. Additionally we want to point to the excellent tradition of the Bible, especially the writings of the New Testament in a large number of manuscripts that were already written centuries before the Qur’an. For example, Papyrus 66, written in the second century AD, contains the complete Gospel of John. All present Bibles are based on manuscripts written before the 7th century. So it is impossible to say that the Bible was still authentic at the time of Muhammad, but was changed later.

a) No Man can Change God’s Word

“Messengers indeed were cried lies to before thee, yet they endured patiently that they were cried lies to, and were hurt, until Our help came unto them. No man can change the words of God; and there has already come to thee some tiding of the Envoys.” (Surah 6:34)

“Perfect are the words of thy Lord in truthfulness and justice; no man can change His words; He is the All-hearing, the All-knowing.” (Surah 6:115)

“[…] for them is good tidings in the present life and in the world to come. There is no changing the words of God; that is the mighty triumph.” (Surah 10:64)

“Recite what has been revealed to thee of the Book of thy Lord; no man can change His words. Apart from Him, thou wilt find no refuge.” (Surah 18:27)

All these four passages speak in their direct context about the Qur’an and not about the Bible. Surah 6:34, however, also mentions the Messengers1 before Muhammad. This includes Moses and Jesus.

In these verses the statements about the immutability of God’s Word are expressed in such an absolute way that they are not only intended to be applied to the Qur’an but concern every revelation of God. For this reason, they also apply to the revelations of God that we find in the scriptures of the Bible, which indeed the Qur’an also accepts as revealed scripture.

When we read the New Testament we can see that in numerous cases the words of the Old Testament have their fulfilment in Jesus and in the Church of his disciples, in truth and righteousness (as Surah 6:115 expresses).

b) Passages concerning Falsification and Changing of the Word

“Are you then so eager that they should believe you, seeing there is a party of them that heard God’s word, and then tampered with it, and that after they had comprehended it, wittingly?” (Surah 2:75)

It is not so easy to grasp the context of this passage. Verses 67-71 speak about a cow that should be slaughtered by the Israelites at the command of Moses. Obviously they were not willing to do so. After a man who had been killed was smitten with part of the cow, God is praised for bringing the dead back to life (verses 72-73). Afterwards verse 74 says: Then your hearts became hardened thereafter and are like stones, or even yet harder. Then it continues about different stones. Some are split open, so that water issues from them. Others crash down in the fear of God. In this mysterious context it is not easy to say who is being reproached for tampering with God’s word wittingly (verse 75). The context seems to suggest that it speaks about Jews. Wittingly tampering with God’s word would mean, that (in verses 68-70) they behaved as if they did not understand what God wanted to tell them through Moses. If this understanding is correct, this text does not want to accuse the Jews of falsifying the text of the Torah, but the charge was that they disregarded the word after hearing it. Thus this text testifies that the Torah is God’s word. It also only speaks about “a party of them.” The Gospel is not mentioned here, its falsification is not the topic.

“So woe to those who write the Book with their hands, then say, ‘This is from God,’ that they may sell it for a little price; so woe to them for what their hands have written, and woe to them for their earnings.” (Surah 2:79)

The context of this verse speaks about contemporaries of Muhammad who obviously tried to sell their own works as God’s word. Verse 80 addresses them directly: “Or say you things against God of which you know nothing?“ This text does not speak about an event before the time of Muhammad. All our Bibles are based on manuscripts written centuries before him. So this charge does not concern the Bible.

“[…] whom We have given the Book, and they recognize as they recognize their sons, even though there is a party of them conceal the truth and that wittingly.” (Surah 2:146)

“Those who conceal the clear signs and the guidance that We have sent down, after We have shown them clearly in the Book — they shall be cursed by God and the cursers, save such as repent and make amends, and show clearly — towards them I shall turn; I turn, All-compassionate.” (Surah 2:159–160)

“There is a party of the People of the Book yearn to make you go astray; yet none they make to stray, except themselves, but they are not aware. People of the Book! Why do you disbelieve in God’s signs, which you yourselves witness? People of the Book! Why do you confound the truth with vanity, and conceal the truth and that wittingly?” (Surah 3:69–71)

These passages speak about concealing the truth, as it was done again and again in the course of “church history” by different religious leaders. These verses, however, do not speak about a manipulation of the written word. Surah 3:69 speaks only about “a party of the People of the Book”. So not all “People of the Book” are concerned. But all “People of the Book” have the same Bible (Jews and Christians have the same Torah, all who call themselves Christians have the same New Testament = Injeel), thus this verse does not speak about a falsification of the text.

“And there is a sect of them twist their tongues with the Book, that you may suppose it part of the Book, yet it is not part of the Book; and they say, ‘It is from God,’ yet it is not from God, and they speak falsehood against God, and that wittingly.” (Surah 3:78)

Also here there is no reproach of having falsified the written text, but only that somebody manipulated it when reading and explaining a text.

“Some of the Jews pervert words from their meanings saying, ‘We have heard and we disobey’ and ‘Hear, and be thou not given to hear’ and ‘Observe us,’ twisting with their tongues and traducing religion. If they had said, ‘We have heard and obey’ and ‘Hear’ and ‘Regard us,’ it would have been better for them, and more upright; but God has cursed them for their unbelief so they believe not except a few.” (Surah 4:46)

The content of this verse shows that the topic here is not falsification of the text of the Torah, but some of the Jews are accused of dishonesty and perverting words from their meaning in their discussions with Muhammad or Muslims. It says, that they are “twisting with their tongues”, which means that they are saying something wrong, but not that they falsify the written text of the scripture.

“12 God took compact with the Children of Israel; and We raised up from among them twelve chieftains. And God said, ‘I am with you. Surely, if you perform the prayer, and pay the alms, and believe in My Messengers and succour them, and lend to God a good loan, I will acquit you of your evil deeds, and I will admit you to gardens underneath which rivers flow. So whosoever of you thereafter disbelieves, surely he has gone astray from the right way. 13 So for their breaking their compact We cursed them and made their hearts hard, they perverting words from their meanings; and they have forgotten a portion of that they were reminded of; and thou wilt never cease to light upon some act of treachery on their part, except a few of them. Yet pardon them, and forgive; surely God loves the good-doers. 14 And with those who say ‘We are Christians’ We took compact; and they have forgotten a portion of that they were reminded of. So We have stirred up among them enmity and hatred, till the Day of Resurrection; and God will assuredly tell them of the things they wrought. 15 People of the Book, now there has come to you Our Messenger, making clear to you many things you have been concealing of the Book, and effacing many things. There has come to you from God a light, and a Book Manifest […]” (Surah 5:12-15)

Here the Children of Israel are accused of (a) perverting words of their meanings and (b) having forgotten a portion of that which they were reminded of. Those who call themselves Christians are only accused of having forgotten a portion of that which they were reminded of. But they were not accused of having falsified the scripture.

Also in the case of the “Children of Israel” it is not clear what is meant by “perverting words of their meanings”. This formulation rather suggests that the Jews are accused of a wrong interpretation than of a falsification of the text. In a similar way we can understand the “forgetting” of “a portion of that they were reminded of.” The word “forget” rather shows a direction of not taking seriously parts of the words they received as an admonition, but not that these words were deleted from the text.

Also the reproach to those who call themselves Christians is not falsification, but only “forgetting”. Thus even the most negative interpretation can only mean that some parts of the Gospel were deleted, but not that the extant text was falsified. So the extant parts of the New Testament have to be accepted as authentic in any case. The text rather suggests that the “forgetting” should not be understood as deleting the text, but as the ignoring of important statements. Verse 15 speaks about the “concealing” of many parts of the books. This presupposes that the concealed information still exists. So neither do these verses say that Christians have falsified the scripture.

“41 O Messenger, let them not grieve thee that vie with one another in unbelief, such men as say with their mouths ‘We believe’ but their hearts believe not; and the Jews who listen to falsehood, listen to other folk, who have not come to thee, perverting words from their meanings, saying, ‘If you are given this, then take it; if you are not given it, beware!’ Whomsoever God desires to try, thou canst not avail him anything with God. Those are they whose hearts God desired not to purify; for them is degradation in this world; and in the world to come awaits them a mighty chastisement; 42 who listen to falsehood, and consume the unlawful. If they come to thee, judge thou between them, or turn away from them; if thou turnest away from them, they will hurt thee nothing; and if thou judgest, judge justly between them; God loves the just. 43 Yet how will they make thee their judge seeing they have the Torah, wherein is God’s judgment, then thereafter turn their backs? They are not believers. 44 Surely We sent down the Torah, wherein is guidance and light; thereby the Prophets who had surrendered themselves gave judgment for those of Jewry, as did the masters and the rabbis, following such portion of God’s Book as they were given to keep and were witnesses to. So fear not men, but fear you Me; and sell not My signs for a little price. Whoso judges not according to what God has sent down – they are the unbelievers. 45 And therein We prescribed for them: ‘A life for a life, an eye for an eye, a nose for a nose, an ear for an ear, a tooth for a tooth, and for wounds retaliation’; but whosoever forgoes it as a freewill offering, that shall be for him an expiation. Whoso judges not according to what God has sent down — they are the evildoers.” (Surah 5:41-45)

The context of these verses shows clearly that – although the Jews are accused of perverting words of their meanings – they do not speak about a falsification of the text of the Torah. Verses 43 and 44 state clearly that the Torah contains God’s judgement, guidance and light. The Torah has not changed since the time of Muhammad. So we can confidently say that we also find God’s judgement, guidance and light in the present Torah. The reproach of “perverting words from their meanings” can only refer to a wrong interpretation.

“The Bedouins who were left behind will say, when you set forth after spoils, to take them, ‘Let us follow you,’ desiring to change God’s words. Say: ‘You shall not follow us; so God said before.’ Then they will say, ‘Nay, but you’ are jealous of us.’ Nay, but they have not understood except a little.” (Surah 48:15)

This verse does not speak about Jews or Christians but about people in the surrounding area of Muhammad who desired to take part in one of the campaigns of his followers. So this text is not relevant for our question.

Supplement: Falsification by Translation?

God loves all people in the same way. That is why it is his will that all people can hear and understand his word. On the other hand it is also clear that if God sends a prophet or a messenger this messenger will be a specific person belonging to a specific nation speaking a specific language. The Qur’an says quite clearly that he is a sign for all people, even for all beings:

“And she who guarded her virginity2, so We breathed into her of Our spirit and appointed her and her son to be a sign unto all beings.” (Surah 21,91)

All people should have the possibility to get to know him who is this sign, even if they do not speak the language of Jesus.

Jesus himself sent his disciples to all nations so that they can hear his words and believe in them:

“Go therefore and make disciples of all nations, […] teaching them to observe all that I have commanded you. And behold, I am with you always, to the end of the age.” (Matthew 28:19-20 ESV)

In order to reach all people we have only two options: Either everybody needs to learn the language of the revealed words or the revelation needs to be is translated. As God revealed his word in different languages the second possibility would mean that all people should have to learn several languages. A muslim is obliged to believe in all holy Scriptures3. So he would have to learn besides the Arabic language also Hebrew in order to read the Torah and Greek in order to read the Gospel. As far as we know not even Muhammad had tried to learn the Biblical languages.

From the outset Christians have chosen a different way. They wrote down the words of Jesus in that language that was understood by most people of their time, in Greek, although Jesus himself had spoken Aramaic.

Even the Qur’an sometimes quotes the words of men of God from earlier times like Abraham (e.g. Surah 19:42-48), Joseph (e.g. Surah 12:4), Moses (e.g. Surah 2:54), Zechariah (e.g. Surah 3:37-40) or Jesus (e.g. Surah 19:30-33). The quotes of these previous messengers, however, are not written in the languages they themselves spoke (Hebrew or Aramaic), but in Arabic, a language that those men of God did not speak. Thus also the Qur’an contains translated texts. When the Qur’an emphasises that it was sent down in Arabic, the reason given is not, that Arabic was the “original language” but that Arabs should understand it and be warned by it:

“We have sent it down as an Arabic Koran; haply you will understand.” (Surah 12:2)

“Even so We have sent it down as an Arabic Koran, and We have turned about in it something of threats, that haply they may be godfearing, or it may arouse in them remembrance.” (Surah 20:113)

If the Almighty God declares his will, if He calls all people to Himself he is able to do this with clear words that cannot be falsified by a translation. Of course a translation will never be able to express all subtleties of a text. But all of us know that it is able to communicate with people of another language by the help of translation. Usually someone who learns a language only as his second language is unable to understand all nuances of a text written in the foreign language. Thus somebody who studies Hebrew, Greek of Arabic will not be able to understand all fine details of the original text of the Bible or the Qur’an. The basic message of these books, however, can be clearly understood even in a translated text.

Unfortunately there were and are still translations of the Bible that were consciously manipulated. But God cared for his message. Many old manuscripts survived. In this way the original text is still available and false translations can be uncovered. Important messages of faith can be found not only in one passage of the Bible, but are expressed in different ways. So even for a translation that has been manipulated it is not so easy to hide the truth of the Bible.

c) Statements concerning the Gospel

“He has sent down upon thee the Book with the truth, confirming what was before it, and He sent down the Torah and the Gospel.” (Surah 3:3)

This text expresses clearly that the Torah and the Gospel come from God. There is not a word about any kind of falsification.

“And He will teach him the Book, the Wisdom, the Torah, the Gospel.” (Surah 3:48)

This verse says that God will teach Jesus. If the Torah and the Gospel are mentioned an unbiased reader would think that these terms refer to those texts generally known as the Gospel and Torah at the time of Muhammad.

“46 And We sent, following in their footsteps, Jesus son of Mary, confirming the Torah before him and We gave to him the Gospel, wherein is guidance and light, and confirming the Torah before it, as a guidance and an admonition unto the godfearing. 47 So let the People of the Gospel judge according to what God has sent down therein. Whosoever judges not according to what God has sent down — they are the ungodly.” (Surah 5:46-47)

This text clearly presupposes that the Gospel which existed at the time when Qur’an was written is authentic. Therein is guidance and light. If the “People of the Gospel” should judge according to the Gospel, the Gospel which they have must be authentic and reliable. This passage confirms the authenticity of the Gospel at the time of Muhammad and also in our time, because our modern versions are based on manuscripts that already existed centuries before Muhammad.

“Had they performed the Torah and the Gospel, and what was sent down to them from their Lord, they would have. eaten both what was above them, and what was beneath their feet. Some of them are a just nation; but many of them — evil are the things they do.” (Surah 5:66)

Contemporaries of Muhammad are expected to “perform the Torah and the Gospel”. Thus these people must have known the Torah and the Gospel in their original state without falsification. Otherwise they would not have been able to follow these scriptures. This passage also suggests that the Torah and the Gospel had not been falsified at the time of Muhammad and consequently – as already explained – they cannot have been falsified to this day.

The same is valid for following passage:

“Say: ‘People of the Book, you do not stand on anything, until you perform the Torah and the Gospel, and what was sent down to you from your Lord.’ And what has been sent down to thee from thy Lord will surely increase many of them in insolence and unbelief; so grieve not for the people of the unbelievers.” (Surah 5:68)

“Then We sent, following in their footsteps, Our Messengers; and We sent, following, Jesus son of Mary, and gave unto him the Gospel. And We set in the hearts of those who followed him tenderness and mercy. And monasticism they invented — We did not prescribe it for them — only seeking the good pleasure of God; but they observed it not as it should be observed. So We gave those of them who believed their wage; and many of them are ungodly.” (Surah 57:27)

Similarily, this passage does not describe the gospel as a document which existed in the past but has since been lost or falsified. The Gospel is a reality that causes tenderness and mercy in the hearts of those who follow Jesus. Even if among those who call themselves “Christians” there are many who are evildoers, not only according to the Qur’an’s assessment, but much more according to the words of the Gospel, there are still people who follow Jesus with all their hearts and all their lives. The power and authenticity of the Gospel is visible in their lives.

“Therefore, having this ministry by the mercy of God,we do not lose heart. But we have renounced disgraceful, underhanded ways. We refuse to practise cunning or to tamper with God’s word, but by the open statement of the truth we would commend ourselves to everyone’s conscience in the sight of God.” (2 Corinthians 4:1-2 ESV)

The Qur’an calls these people in whose lives the words of Jesus become reality “those who possess the Message”. Muslims are encouraged by the Qur’an to ask the people who possess the Message:

“Before thee, also, the messengers We sent were but men, to whom We granted inspiration: If ye realise this not, ask of those who possess the Message4.” (Surah 21:7)

This verse also shows that the Message received by the Christians is still unadulterated.

d) Implications for us today

As the Qur’an does not support the theory of a falsification of the Holy Scripture by Christians, but rather confirms that we can find guidance and light in the Gospel we would like to encourage all readers of this article – both Muslims and Non-Muslims – to do away with their fear of the Gospel, and to open their hearts for the light brought by Jesus. Everyone who loves the truth will recognize full of gratitude that Jesus was right when he said:

“Heaven and earth will pass away, but my words will not pass away.” (Mark 13:31 ESV)

If Jesus – as Muslims believe – is a prophet of God, then God cares for the truth of this saying. If the words of Jesus had been falsified Jesus would have uttered a false prophecy in Mark 13:31. He would be a false prophet. Both Christianity and Islam who accept Jesus as prophet and messenger from God would be only a human concoction (a botch-up). If, however, Jesus was a true prophet of God, His words remain authentic and will never pass away.

“The words that I have spoken to you are spirit and life.” (John 6:63 ESV)

“If anyone’s will is to do God’s will, he will know whether the teaching is from God or whether I am speaking on my own authority.” (John 7:17 ESV)

“Truly, truly, I say to you, if anyone keeps my word, he will never see death.” (John 8:51 ESV)

Everyone who reads the words of Jesus and accepts them with faith and receives a new life from him will find in his words the words of God and will confess together with Simon Peter:

“Lord, to whom shall we go? You have the words of eternal life.” (John 6:68 ESV)


  1. In Muslim thought a Messenger is a man chosen by God, who received a revelation from God and was charged to proclaim it publicly. In contrast to the prophets every messenger received a revealed scripture. Thus every messenger is also a prophet, but not every prophet is a messenger. Messengers are mainly Moses, David and Jesus whose words we can read in the writings of the Old (Taurat) and New (Injeel) Testaments. 
  2. Mary, the mother of Jesus. 
  3. This is the so called Third Pillar of Iman based on following verse of the Qur’an: “Say, ‘We have faith in Allah, and that which has been sent down to us, and that which was sent down to Abraham, Ishmael, Isaac, Jacob and the Tribes, and that which Moses and Jesus were given, and that which the prophets were given from their Lord; we make no distinction between any of them, and to Him do we submit.’” Surah 2,136. 
  4. Yusuf Ali, The Holy Qur’an, 1934 

Love for the Enemies in the Bible and in the Qur’an

1 In the Old Testament

“If you meet your enemy’s ox or his donkey wandering away, you shall surely return it to him. If you see the donkey of one who hates you lying helpless under its load, you shall refrain from leaving it to him, you shall surely release with him.” (Exodus 23:4-5)

“When they came down to him, Elisha prayed to the LORD and said, “Strike this people with blindness, I pray.” So He struck them with blindness according to the word of Elisha.Then Elisha said to them, “This is not the way, nor is this the city; follow me and I will bring you to the man whom you seek.” And he brought them to Samaria. When they had come into Samaria, Elisha said, “O LORD, open the eyes of these men, that they may see.” So the LORD opened their eyes and they saw; and behold, they were in the midst of Samaria.Then the king of Israel when he saw them, said to Elisha, “My father, shall I kill them? Shall I kill them?” He answered, “You shall not kill them. Would you kill those you have taken captive with your sword and with your bow? Set bread and water before them, that they may eat and drink and go to their master.” So he prepared a great feast for them; and when they had eaten and drunk he sent them away, and they went to their master. And the marauding bands of Arameans did not come again into the land of Israel.” (2 Kings 6:18-23)

“But a prophet of the LORD was there, whose name was Oded; and he went out to meet the army which came to Samaria and said to them, “Behold, because the LORD, the God of your fathers, was angry with Judah, He has delivered them into your hand, and you have slain them in a rage which has even reached heaven. Now you are proposing to subjugate for yourselves the people of Judah and Jerusalem for male and female slaves. Surely, do you not have transgressions of your own against the LORD your God? Now therefore, listen to me and return the captives whom you captured from your brothers, for the burning anger of the LORD is against you.” Then some of the heads of the sons of Ephraim—Azariah […] arose against those who were coming from the battle, and said to them, “You must not bring the captives in here, for you are proposing to bring upon us guilt against the LORD adding to our sins and our guilt; for our guilt is great so that His burning anger is against Israel.” So the armed men left the captives and the spoil before the officers and all the assembly. Then the men who were designated by name arose, took the captives, and they clothed all their naked ones from the spoil; and they gave them clothes and sandals, fed them and gave them drink, anointed them with oil, led all their feeble ones on donkeys, and brought them to Jericho, the city of palm trees, to their brothers; then they returned to Samaria.” (2 Chronicles 28:9-15)

“If I have rejoiced at the ruin of him who hated me, or exulted when evil overtook him, I have not let my mouth sin by asking for his life with a curse…” (Job 31:29-30 ESV)

“If your enemy is hungry, give him food to eat; and if he is thirsty, give him water to drink; For you will heap burning coals on his head, and the LORD will reward you.” (Proverbs 25:21-22)

2 In the New Testament

“You have heard that it was said, ‘You shall love your neighbor and hate your enemy.’ But I say to you, love your enemies and pray for those who persecute you, so that you may be sons of your Father who is in heaven; for He causes His sun to rise on the evil and the good, and sends rain on the righteous and the unrighteous. For if you love those who love you, what reward do you have? Do not even the tax collectors do the same? If you greet only your brothers, what more are you doing than others? Do not even the Gentiles do the same? You are to be perfect, as your heavenly Father is perfect.” (Matthew 5:43-48)

“Pray then like this: “Our Father in heaven, […] forgive us our debts, as we also have forgiven our debtors.[…] For if you forgive others their trespasses, your heavenly Father will also forgive you, but if you do not forgive others their trespasses, neither will your Father forgive your trespasses.” (Matthew 6:9,12,14-15 ESV)

“But I say to you who hear, love your enemies, do good to those who hate you, bless those who curse you, pray for those who mistreat you. Whoever hits you on the cheek, offer him the other also; and whoever takes away your coat, do not withhold your shirt from him either. […] But love your enemies, and do good, and lend, expecting nothing in return; and your reward will be great, and you will be sons of the Most High; for He Himself is kind to ungrateful and evil men. Be merciful, even as your Father is merciful. Judge not, and you will not be judged; condemn not, and you will not be condemned; forgive, and you will be forgiven…” (Luke 6:27-29,35-37)

“While He was still speaking, behold, a crowd came, and the one called Judas, one of the twelve, was preceding them; and he approached Jesus to kiss Him. But Jesus said to him, “Judas, are you betraying the Son of Man with a kiss?” When those who were around Him saw what was going to happen, they said, “Lord, shall we strike with the sword?” And one of them struck the slave of the high priest and cut off his right ear. But Jesus answered and said, “Stop! No more of this.” And He touched his ear and healed him.” (Luke 22:47-51)

“Then Jesus said to him, “Put your sword back into its place; for all those who take up the sword shall perish by the sword.” (Matthew 26:52)

“When they came to the place called The Skull, there they crucified Him and the criminals, one on the right and the other on the left. But Jesus was saying, “Father, forgive them; for they do not know what they are doing.” […] (Luke 23:33-34)

“They went on stoning Stephen as he called on the Lord and said, “Lord Jesus, receive my spirit!” Then falling on his knees, he cried out with a loud voice, “Lord, do not hold this sin against them!” Having said this, he fell asleep.” (Acts 7:59-60)

“But if your enemy is hungry, feed him, and if he is thirsty, give him a drink; for in so doing you will heap burning coals on his head.” Do not be overcome by evil, but overcome evil with good.” (Romans 12:20-21)

“Servants, be subject to your masters with all respect, not only to the good and gentle but also to the unjust. For this is a gracious thing, when, mindful of God, one endures sorrows while suffering unjustly. For what credit is it if, when you sin and are beaten for it, you endure? But if when you do good and suffer for it you endure, this is a gracious thing in the sight of God. For to this you have been called, because Christ also suffered for you, leaving you an example, so that you might follow in his steps. He committed no sin, neither was deceit found in his mouth. When he was reviled, he did not revile in return; when he suffered, he did not threaten, but continued entrusting himself to him who judges justly.” (1 Peter 2:18-23)

3 In the Qur’an

“…those who are patient for the sake of their Lord’s pleasure, maintain the prayer, and spend out of what We have provided them, secretly and openly, and repel evil [conduct] with good. For such will be the reward of the [ultimate] abode …” (Surah 13:22)

“He said, ‘Abraham! Are you renouncing my gods? If you do not relinquish, I will stone you. Keep away from me for a long while.’
He said, ‘Peace be to you! I shall plead with my Lord to forgive you. Indeed He is gracious to me.” (Surah 19:46-47)

“Not equal are the good deed and the evil deed. Repel with that which is fairer and behold, he between whom and thee there is enmity shall be as if he were a loyal friend. Yet none shall receive it, except the steadfast; none shall receive it, except a man of mighty fortune.” (Surah 41:34-35)

We are not aware of any other passages. We welcome your comments if you know of others.

4 Summary

Even in the Old Testament we find several hints at love for enemies. This prepared the way for Jesus’ command in the New Testament. Jesus himself displayed love for his enemies in his suffering and death. Stephen’s behaviour shows that the early Christians followed the words and example of Jesus.

Apart from the Surahs mentioned above, we were not able to find any other passages in the Qur’an which speak about loving our enemies. The Qur’an seems to touch on this command rather as a side issue, whereas the New Testament explains it as something essential and characteristic of Jesus’ teaching and of the lives of Christians. Therefore, in order to get to know the full revelation of God, we need the words of Jesus – who is the only one that can change people’s hearts.

That is why it says in Surah 57:27:

“[…] and We put in the hearts of those who followed him [Jesus] kindness and mercy.[…]”

Jesus lived and taught the goodness and mercy of God. We have the privilege of being able to learn from him.